Polizei warnt per App vor Einbrechern

Ein Einbruch ist für die Betroffenen auch psychisch ein belastendes Erlebnis. Eine neue App soll nun per Wahrscheinlichkeitsrechnung ermitteln, wo und wann die Kriminellen am ehesten zuschlagen. Symbolfoto: Christian Beier
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Ein Einbruch ist für die Betroffenen auch psychisch ein belastendes Erlebnis. Eine neue App soll nun per Wahrscheinlichkeitsrechnung ermitteln, wo und wann die Kriminellen am ehesten zuschlagen. Symbolfoto: Christian Beier

Anwendung errechnet, wie wahrscheinlich ein Einbruch in der Nachbarschaft ist

Von Kristin Dowe und Katharina Birkenbeul

Einen hundertprozentigen Schutz vor einem Einbruch wird es wohl nie geben. Doch wäre es sicherlich von Vorteil, wenn man wüsste, wie hoch die Wahrscheinlichkeit in der eigenen Nachbarschaft ist, dass es zu einem solchen Vorfall kommen könnte. Ein „Einbruchsradar“ der Polizei NRW per App soll genau dies nun ermöglichen. Die Anwendung ist noch nicht für alle Städte in NRW verfügbar, sondern nur für die 16 Kriminalhauptstellen der nordrhein-westfälischen Polizei – zu denen der Rheinisch-Bergische Kreis nicht zählt. Basierend auf statistischen Daten liefert die App Informationen über frühere Einbrüche und erstellt auf dieser Grundlage Prognosen zu Einbruchwahrscheinlichkeiten.

„Gerade im Urlaub ist es wichtig, die Räume bewohnt aussehen zu lassen.“

Stefan Weiand, Polizeisprecher

Das Thema „Predictive Policing“, also „vorausschauende Polizeiarbeit“, spiele auch im Polizeialltag eine immer wichtigere Rolle, berichtet Stefan Weiand, Polizeisprecher der Polizei Wuppertal. So arbeite die Polizei selbst schon länger mit der Software „Skala“, bei der wöchentlich Daten des Landeskriminalamts (LKA) NRW für die Berechnung von Einbruchswahrscheinlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. „Wenn für einen Bereich statistisch ein höheres Risiko besteht, wird der auch intensiver bestreift“, erklärt Weiand. Zwar lasse sich der Erfolg dieses Instruments nicht genau bemessen, doch seien die Einbruchszahlen insgesamt zurückgegangen, woran die neue Technik wohl auch einen Anteil habe. Deshalb setze die Polizei auch gewisse Hoffnungen in die nun verfügbare App. „Es ist immer sinnvoll, das Gefahrenbewusstsein bei Bürgern zu schärfen.“

Das Angebot wurde gemeinsam mit der Provinzial-Versicherung und Fraunhofer Fokus entwickelt und ist eine neue Funktion der bereits bestehenden „Mehr-Wetter-App, die von der Versicherung betrieben wird. Außerdem werden bestimmte Funktionen in die App „Katwarn“ eingebunden. Die Prognose kommt in der Regel als Push-Mitteilung für die vom User vorab festgelegten Orte, sofern zeitlich und örtlich eine erhöhte Einbruchswahrscheinlichkeit prognostiziert wurde, und hat eine Gültigkeit von einer Woche.

Auf einer Stadtkarte erfolgt zudem die Darstellung der zurückliegenden Tatorte. Diese beinhalte jedoch nur deren grobe Verteilung, so dass keine Rückschlüsse auf konkrete Adressen möglich seien, heißt es in einer Mitteilung des NRW-Innenministeriums. Die Karte werde einmal im Monat aktualisiert. Die Apps dazu gibt es kostenlos im App Store und im Google Play Store. Die Prognosen sind bereits verfügbar.

Zwar könne die App eine wichtige Ergänzung für wirkungsvolle Einbruchsprävention sein, doch sei es darüber hinaus sinnvoll, weitere Schutzvorkehrungen zu treffen, rät Stefan Weiand: „Gerade wenn man in den Urlaub fährt, ist es wichtig, die Räume während der Abwesenheit bewohnt aussehen zu lassen. Das ist zum Beispiel mit Hilfe einer Zeitschaltuhr möglich, die das Licht an- und ausschaltet.“ Auch Nachbarn sollten für Auffälligkeiten sensibilisiert werden.

Christian Tholl, Pressesprecher der Polizei Rhein-Berg rät dennoch dazu, sich die App runterzuladen. Denn dort gebe es auch sinnvolle Präventionstipps. Der Einbruchsradar für Burscheid ist auf der Homepage einsehbar.

https://t1p.de/yq28

Einbruchszahlen

Die Zahl der Einbrüche ist in Burscheid in den vergangenen Jahren ähnlich geblieben – 14 Fälle, von denen fünf Versuche blieben, gab es im Jahr 2019, 19 Fälle, von denen neun beim Versuch blieben, in diesem Jahr. 2018 gab es 22 Einbruchsmeldungen. Die Steigerung sei bei solch geringen Zahlen nicht ausschlaggebend, so Polizeisprecher Christian Tholl. Im gesamten Kreisgebiet wurden 308 Einbrüche im Jahr 2019 gemeldet.

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