Politiker wollen Friedhof voranbringen

Das Kolumbarium steht seit 2018 auf dem Friedhofsgelände an der Altenberger Straße und hat 96 Kammern.
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Das Kolumbarium steht seit 2018 auf dem Friedhofsgelände an der Altenberger Straße und hat 96 Kammern.
  • VonNadja Lehmann
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Stadtentwicklungsausschuss diskutierte über die Zukunftsperspektive des Areals an der Altenberger Straße

Burscheid. Persönliche und zugleich kämpferische Worte fand Ute Hentschel (Grüne) am Donnerstagabend im Haus der Kunst: „Der Friedhof wurde schon immer stiefmütterlich behandelt. Alle Burscheider verdrehen bei dem Thema die Augen.“ Sie selbst habe dort ihre Mutter beerdigt und sei im Sommer fast täglich zum Gießen an der Altenberger Straße: „Der Friedhof sieht einfach nicht schön aus. Wenn man dort seine Lieben liegen hat, tut das weh.“ Hentschel warb auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses für den großen Wurf: „Das sollte sich mal ein Landschaftsplaner ansehen. Es wäre wichtig, den Friedhof als Ort der Begegnung, als ein Stück Grün in der Stadt zu etablieren. Es ist mittlerweile eine andere Friedhofskultur entstanden.“

Den Anstoß hatte das Bündnis für Burscheid (BfB) gegeben: Die Fraktion hatte einen umfangreichen Antrag vorgelegt, in dem sie die Herausgabe einer Broschüre, das Anlegen eines Bestattungswalds und von -gärten, die Erlaubnis für das Aufstellen von Stelen auf den pflegefreien Rasengräbern und die Wiedereröffnung des Nebeneingangs Geilenbach angeregt hatte (wir berichteten).

„Es gibt keinen Dissens darüber, dass es besser werden muss“, betonte Bürgermeister Stefan Caplan. Gleichwohl machte Holger Wilke, Leiter des Amts für Bürgerangelegenheiten und Gebäudemanagement, deutlich, dass manches schwieriger sei – wie die Erstellung einer Broschüre, mit der man für den Friedhof werben könnte. „Daten und Fakten wie die Gebührensatzung haben sich schnell überlebt“, sagte Wilke. Man sei aber dabei, auf der städtischen Homepage einen größeren Auftritt vorzubereiten und stelle dafür gerade Fotos zusammen. Statt einer Broschüre schlug die Stadtverwaltung deshalb vor, auf Handzettel auszuweichen, die auch unter den Bestattern verteilt werden sollen. „Wir machen es auf Burscheider Art, erstmal die Schmalspurversion“, sagte Stefan Caplan.

Ein Hinweis, an den sich viele Angehörige nicht halten: Schalen und Gestecke werden trotzdem abgelegt.

Man sei auch dabei, neue Bestattungsformen zu entwickeln. Wie ein muslimisches Grabfeld. „Es gibt derzeit nur eine Fläche, die sich dafür eignet. Wir sind mit der muslimischen Gemeinde im Gespräch“, berichtete Holger Wilke. Großen Anklang fand bereits die 2015 angelegte Baumurnenfläche unter der markanten Blutbuche: Sie ist komplett belegt. „Wir entwickeln gerade eine neue Fläche ganz in der Nähe. Dann stehen weitere 130 Urnengräber zur Verfügung“, listete Caplan auf. Ein Kolumbarium mit 96 Kammern gibt es seit 2018. Nicht jede frei wirkende Rasenfläche sei es auch tatsächlich, machte Wilke klar: Deshalb sei man dabei, den Friedhof digital zu erfassen - für ein künftiges Gesamtkonzept.

Stelen, Gestecke und Schalen erschweren das Mähen

Das (nicht gestattete) Aufstellen von Stelen, Gestecken, Schalen an den pflegefreien Gräbern sah der Amtsleiter kritisch: „Dort ist eine Minimalpflege vorgesehen, indem wir mähen. Dafür haben sich die Leute bewusst entschieden. Wenn wir alles per Hand wegräumen müssen, wird es aufwendiger.“ Zudem beschädigten schwere Blumenschalen die Grasnarbe. „Wir wollen die Angehörigen jetzt anschreiben und ihnen eine Frist von zwei Wochen setzen, in der sie die Sachen entfernen können. Anschließend lassen wir entsorgen“, kündigte Wilke an. Ein solches Schreiben an die Angehörigen werde die Ausnahme bleiben. „Das können wir nicht jedes Mal vorher leisten.“

Eigentlich nicht gestattet: Denn bei den pflegefreien Gräbern wird gemäht. Alles, was auf der Fläche steht, muss aufwendig von Hand entsorgt werden.

Ganz konnte der Punkt der pflegefreien Grabstellen jedoch nicht geklärt werden. Denn Ulrike Hanke, die für das BfB sprach, hatte, wie sie sagte, eine andere Fläche gemeint – in der die Grabplatten nicht eingelassen, sondern aufgerichtet stünden – „und das kreuz und quer.“ Das will sich Holger Wilke jetzt ansehen.

Die Baumurnenfläche mit 90 Plätzen ist belegt. Ein neues Areal wird derzeit ganz in der Nähe entwickelt.

Auch der Nebeneingang Geilenbach lässt sich nur unter Aufwand realisieren - und werde ziemlich teuer, machte der Bürgermeister klar. Der Hintergrund: Fußgänger kollidieren dort mit der Zufahrt zum Containerplatz des Bauhofs. Ein Weg müsste angelegt werden, welcher der Verkehrssicherungspflicht entspricht: Das wäre mit hohen Kosten verbunden, warnte Caplan.

Doch die Stadtverwaltung wird den Vorschlag prüfen: Die Kommunalpolitiker verabschiedeten die Beschlussvorlage einstimmig.

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