Am Kreuzweg

Politiker wollen es grüner als die Anwohner

Die Straße Am Kreuzweg soll umgebaut werden – auf einer Länge von rund 220 Metern. Darüber entbrannte im Ausschuss eine lebhafte Diskussion. Archivfoto: Doro Siewert
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Die Straße Am Kreuzweg soll umgebaut werden – auf einer Länge von rund 220 Metern. Darüber entbrannte im Ausschuss eine lebhafte Diskussion. Archivfoto: Doro Siewert
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Stadtentwicklungsausschuss entschied über Sanierung und Neugestaltung der Straße Am Kreuzweg.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Die Straße Am Kreuzweg hat in den vergangenen Tagen für reichlich Bauchschmerzen gesorgt. Beim Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Burscheid, der kritisierte, dass mit der Erneuerung keinerlei positive Gestaltung für Erscheinungsbild und Wohnqualität einhergehe. Bei den beiden CDU-Politikern Dr. Hartmut Schepanski und Horst Buttkus, die im Stadtentwicklungsausschuss keine Entscheidung gegen den Bürgerwillen treffen wollten. Bei Sabine Krämer-Kox, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, Ortsgruppe Wermelskirchen/Burscheid, Umweltschützerin und Anrainerin, die eben diesen Bürgerwillen als Gefahr für eine nachhaltige, ökologische Gestaltung empfand. Doch von vorn.

„Wir können doch nicht zur Bürgerversammlung einladen und dann sagen: April, April.“

Horst Buttkus, CDU

Die Straße Am Kreuzweg, die in Schlagweite der A 1 liegt und von der Straße Großösinghausen in einem Bogen abzweigt, um die dortige Wohnbebauung zu erschließen, soll erneuert werden. In einem Rundumschlag mit der Kanalisation aus dem Jahr 1963. Diese ist so marode, dass sich dafür nur noch eine Sanierung in offener Bauweise anbietet. Heißt: Die Straße wird ohnehin aufgerissen. Ergo kann man, dachte die Stadtverwaltung, auch gleich die Straßendecke richten lassen und die Gelegenheit nutzen, ein paar gestalterische Details unterzubringen. So gibt es beispielsweise keinen Gehweg und eine Einfassung durch Bordsteine nur in Teilen.

Die Stadtverwaltung holte das Ingenieurbüro Brechtefeld und Nafe ins Boot, das zwei Varianten für Am Kreuzweg entwickelte. Variante 1 fungiert als Trennsystem, bei dem die Fußgänger einen Gehweg erhalten und die Straße zur Einbahnstraße wird. Variante II dagegen beruht auf einer Mischverkehrsfläche, bei der die gesamte Straßenbreite von sechs Metern Fußgängern, Radfahrern und Autos zur Verfügung steht. Mit beiden Varianten gingen Stadtverwaltung und Ingenieurbüro in die Bürgerversammlung. Ergebnis: Die Bürger wählten Variante III.

Diese sieht ebenfalls eine Mischverkehrsfläche vor; allerdings wird anders als in den beiden ersten Vorschlägen auf Baumscheiben beziehungsweise Grünflächen sowie das Markieren von Stellplätzen verzichtet. Das Parken soll wie bisher auf der Fahrbahn erlaubt sein. Diese wird nicht asphaltiert, sondern gepflastert. Und allein über diese Variante sollte der Stadtentwicklungsausschuss entscheiden – und bei Zustimmung somit die Stadtverwaltung beauftragen, eine entsprechende Entwurfs- und Ausführungsplanung erstellen zu erlassen. Daraus wurde aber nichts.

„Tristesse fängt vor der Haustür an.“

Klaus Becker, SPD

„Tristesse fängt vor der Haustür an“, kommentierte dies SPD-Fraktionschef Klaus Becker und griff damit die Argumentation von Sabine Krämer-Cox auf, die sich bereits in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet hatte. „Die Fläche wird versiegelt, es gibt kein Grün. Wir verspielen die Chance, es freundlicher, grüner, lebensbejahender zu gestalten“, warnte Krämer-Cox.

Den in Variante III dokumentierten Bürgerwillen wollte dagegen Horst Buttkus (CDU) gewahrt sehen: „Wir können doch nicht einladen und dann sagen: April, April.“ „Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wir können doch nicht am Bürgerwillen vorbeigucken“, sekundierte CDU-Fraktionschef Dr. Hartmut Schepanski, während Ute Hentschel (Grüne) die Situation ganz anders einschätzte: „Ich bin entsetzt über Variante III. Die Bäume werden Geschwindigkeit reduzieren und die Grundstücke aufwerten. Wir entscheiden hier verantwortlich. Und wir müssen im Blick behalten, was ökologisch sinnvoll ist, auch für unsere Kinder und Kindeskinder.“ Baumscheiben und Grün dürften nicht wegfallen, unterstrich auch Klaus Becker. „Wer sich Gedanken darüber macht, wo seine Besucher parken könne, der hat den Zeitgeist weit verfehlt. Die Devise ,Asphalt geht vor Baum‘ tragen wir nicht mehr mit.“ Und an die CDU gewandt, lautete sein Appell: „Seid mutig.“

Ein Appell, der bei Bernhard Cremer (Bündnis für Burscheid) nicht notwendig war. „Wir sind verantwortlich für ein Stadtbild“, betonte Cremer. „Wir haben über den Bürgerwillen hinaus einen Auftrag.“

Dass die Bürger weder Variante I noch Variante II präferierten, sondern einen dritten Vorschlag aus der Taufe hoben, ist übrigens völlig rechtens: „Die Bürger können eine Variable einbringen, das ist rechtlich vorgesehen“, erklärte Amtsleiter Marc Baack, der zudem hervorhob, dass die Stadt die Baumscheiben von Anfang an hatte umsetzen wollen und auch so eingeplant hatte: „Ihr Wegfall hatte keine Kostengründe. Unser erster Entwurf sah Grün vor. Aber die Mehrheit der Bürgerversammlung hatte ihren Wegfall befürwortet. Das können wir nicht ignorieren.“ Zumal, wie Baack sagte, die Bürger den Höchstsatz für den Straßenausbau zahlen würden.

Zur Abstimmung stand dann wie geplant die Variante III. Aber mit einem Zusatz: den Baumscheiben. „Wenn die Leute im Sommer unter Bäumen parken, merken sie, dass das gut ist“, kommentierte Joachim Wirths (FDP) trocken. Mit sieben Ja- und vier Neinstimmen votierten die Politiker für Variante III. Mit Baumscheiben.

Kosten

Für die Variante III (ohne Baumscheiben) hat das Ingenieurbüro Brechtefeld und Nafe rund 189 000 Euro (Baukosten) sowie 35 000 Euro (Ingenieurleistungen) veranschlagt. Der städtische Eigenanteil beträgt rund 67 000 Euro. Die Restsumme finanzieren je zur Hälfte das Land sowie die Straßenausbaubeiträge der Anwohner.

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