Anbindung an die Balkantrasse

Politiker wählen die schlichtere Variante

Blick von oben: Von der Hauptstraße aus kann man nur auf die Balkantrasse blicken, sie aber nicht betreten. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Blick von oben: Von der Hauptstraße aus kann man nur auf die Balkantrasse blicken, sie aber nicht betreten.
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Anbindung an die Balkantrasse: Plattform bekommt kein Glas, sondern vertikales Stahlgitter

Burscheid. Mit der Anbindung an die Balkantrasse wollte sich Burscheid an der Hauptstraße einen architektonischen Blickfang gönnen. Einen, der etwas hermacht. Die Anbindung als solche ist auch bereits beauftragt, wie Fachbereichsleiter Marc Baack am Dienstagabend auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hervorhob. Im Haus der Kunst ging es somit dezidiert um die Plattform, die die Anbindung oben an der Hauptstraße krönen soll: als Aussichtsterrasse auf die Trasse. In den Sommermonaten ist gar Außengastronomie unter Sonnenschirmen angedacht.

Welches Geländer soll es sein, welcher Bodenbelag und welche Farben sollen die Stützen haben? Dies waren nur ein paar der Fragen, die die Mitglieder des Fachgremiums zu beschließen hatten. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten von vertikalem Stahlgittergeländer mit GFK-Planken als Bodenbelag. Die aufwendige Glasvariante fand keine Mehrheit.

Ute Hentschel warb für eine mutige Stadtplanung

Zunächst ging es dann aber doch noch mal um die Anbindung. Diese nahmen nämlich in der Einwohnerfragestunde Sabine Krämer-Kox vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und Dr. Karl Ulrich Voss („Ich bin nicht hier vom Bergischen Geschichtsverein und nicht als Beethoven, sondern als besorgter Bürger und ADFC-Mitglied) zum Anlass, um doch noch einige kritische Anmerkungen zu platzieren. Krämer-Kox warnte vor allem vor dem Gefälle, das acht Prozent beträgt: „Man sollte eine Umlaufsperre einbauen, damit der Verkehr von der Rampe her nicht ungebremst auf die Trasse auffährt.“ Sie rate deshalb bei Eis und Schnee zu einem Winterdienst. „Warum hat man keine steigungsärmere Strecke ausgewählt?“, fragte Krämer-Kox: „Die Anbindung an der Hauptstraße ist die zweitkomplizierteste; nur in Griesberg ist es noch schlimmer.“ Krämer-Kox hatte die Variante bereits früher als zu umständlich und zu teuer angeprangert und hatte sich eine Spange über Montanusstraße, Markt und Damm gewünscht.

Auch Dr. Karl Ulrich Voss nannte die Nutzung „risikoreich“ und erinnerte an den tödlichen Unfall eines Skaters auf der Trasse: „Hier ist nicht die Frage, ob, sondern wann ein Unfall passiert.“ Verwundert zeigte er sich zudem über die von der Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage vorgenommene Einschätzung des Vorhabens als „nicht klimarelevant“. „Da werden zehn Tonnen Stahl und Glas, Aluminium und Beton verbaut – und das soll nicht klimarelevant sein?“

„Es wird bei allen Bauvorhaben etwas hergestellt und angeliefert. Dann wäre alles unterschiedslos klimarelevant“, beschied Marc Baack den Einwurf, bevor sich die Kommunalpolitiker in die Diskussion begaben. Peter Röttger (CDU) warb für die dann beschlossene Variante, regte aber an, statt des geplanten Karminrots für die Stützen das dunklere „Trassenrot“ zu wählen. „Es ist ja selten, dass wir mit der CDU sofort übereinstimmen“, leitete SPD-Fraktionschef Klaus Becker seinen Beitrag ein: „Aber diesmal ist es so. Bei der Farbe sind wir schmerzfrei. Wir würden auch Rosa nehmen.“ Becker hatte bei der Geländerauswahl die Perspektive seiner beiden Enkel angenommen: „Wäre das Glas, würden sie vor einer Wand stehen, weil sie ja noch nicht drüber gucken können.“ Das sei bei den vertikalen Stäben anders.

Einen ganz anderen Akzent setzte Ute Hentschel. Die bündnisgrüne Ratsfrau warb mit Vehemenz für eine „moderne, mutige Stadtplanung“. „Die Plattform kann ein Highlight sein, wenn sie aus beleuchtetem Glas besteht.“ Und was die Sorge vor Graffiti und Vermüllung an dieser Stelle angehe: „Da sollten im Fall der Fälle nicht nur die Technischen Werke säubern, sondern auch Anwohner und Händler können Schippe und Eimer in die Hand nehmen.“ Ein Vorstoß, den Parteikollegin Heidi Neumann unterstützte: „Wenn andere Städte mehr Highlights haben, ist die Frage, warum die Leute ausgerechnet nach Burscheid kommen sollen.“

Bernhard Cremer (Bündnis für Burscheid) gab den GFK-Geländen vor dem Gitterrost den Vorzug: „Nicht alle sind schwindelfrei.“ Auch er zeigte sich angetan vom Glasgeländer, das beleuchtet werden kann. Just diese Variante, so steht es in der Beschlussvorlage, hätte im Städtebauministerium für viel Zustimmung gesorgt und „dürfte zur problemlosen Bewilligung der Fördermittel für die Maßnahme beigetragen haben“. Das sei nicht bergisch, so ein Geländer gebe es nirgendwo“, gab es jedoch einen kritischen Einwurf aus dem Plenum. Mit rund 817 800 Euro hätte die Glasvariante als die teuerste zu Buche geschlagen und ist auch so in der Beschlussvorlage aufgelistet. „Das müssten wir dann anpassen“, erklärte Marc Baack.

Zunächst beginnt aber die Umgestaltung der mittleren Hauptstraße – mehr dazu auf der nächsten Seite. Ihr Ende ist für nächstes Frühjahr terminiert. Erst dann kann die Plattform montiert werden.

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