Umweltschutz

Politiker lehnen Baumschutzsatzung ab

In Löh nahm die Baumpflanzkampagne Fahrt auf: 2020 setzte Unternehmer Maryo Fietz dort zwölf Silberlinden.
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In Löh nahm die Baumpflanzkampagne Fahrt auf: 2020 setzte Unternehmer Maryo Fietz dort zwölf Silberlinden.
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Stadtverwaltung setzt stattdessen auf Überzeugungsarbeit und ihr Positiv-Beispiel Baumpflanzkampagne.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Ob Burscheid nun in ihrem inneren Kern eine besonders grüne Stadt ist oder nicht, darüber mag man streiten. Dass sie trotz ihrer Nähe zum rheinländischen Ballungsraum schön im Grünen liegt, ist unstrittig. Es ist ein Pfund, dass die Bündnisgrünen jüngst noch ausbauen wollten, indem sie den Baumbestand im gesamten Stadtgebiet stärker schützen und pflegen wollten – mittels einer Baumschutzsatzung.

Dieser Antrag gehört zu einer Reihe, mit der sich die Grünenfraktion geballt der Klimaproblematik annimmt und die Weichen für Lösungen und die Zukunft stellen will. Über alle Parteigrenzen wurde jetzt im Umweltausschuss deutlich: Die Bedeutung von Bäumen für das Stadtklima, die Bedeutung der Artenvielfalt, die Wichtigkeit des Erhalts heimischer Gewächse und Gehölze ist bei allen Ortspolitikern angekommen. Welche Strategie sie im Kampf gegen den Klimawandel mit seinen Extremen wie Trockenheit oder Starkregenereignis sie anwenden wollen, ist jedoch unterschiedlich.

Skeptisch reagierte bereits die Stadtverwaltung auf den Antrag der Grünen. In ihrer Beschlussvorlage verweist die Verwaltung auf eine Umfrage des Städtetags Baden-Württemberg zu bestehenden Baumschutzsatzungen, die ergeben habe, dass nur 10 bis 20 Prozent der zur Fällung beantragten Bäume ungeschoren davonkamen. Heißt: Trotz einer Baumschutzsatzung durften die restlichen 80 bis 90 Prozent gefällt werden – wegen Krankheit des Baumes, Sicherheitsgefährdung oder der Verwirklichung rechtlich zulässiger Bebauung.

„Dieser geringen Schutzquote steht ein großer Aufwand gegenüber, um die fachkundige Beratung der Grundstückseigentümer, die verwaltungsrechtliche Bearbeitung der Genehmigungen, die Verfolgung von Verstößen und die Organisation der Ersatzpflanzungen sicherzustellen“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Aus der eigenen beruflichen Erfahrung konnte Ausschussmitglied Falk Wollschlaeger (CDU), der als Landschaftsgärtner in der Region unterwegs ist, etwas beisteuern: „Wir erleben es oft, dass Bäume rasch gefällt werden, bevor sie bei Bestehen einer Baumschutzsatzung aufgrund ihres Alters und Stammumfangs schutzwürdig sind. Oder sie werden gefällt, bevor eine solche Satzung beschlossen und in Kraft tritt.“

Die Baumschutzsatzung habe begrenzten Spielraum auch bei Bauprojekten, machte der Beigeordnete Marc Baack deutlich. „Bei städtischen Projekten hat die Politik Zugriff, bei privaten ist es schon schwieriger, vor allem, wenn schon Baurecht besteht. Die Baumschutzsatzung kann nicht das Baurecht übertreffen.“ Sprich: Man kann nur an Hausbauer appellieren.

Verwaltung will auf Bedeutung der Bäume hinweisen

Und genau darauf setzt die Stadtverwaltung, die im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit gezielt auf die Bedeutung von Bäumen für Klima und Wohlbefinden hinweisen will. Ein Vorschlag, der auch Falk Wollschlaeger gefiel: „Es wäre cool, wenn wir die Häuslebauer in einer ganz frühen Phase kriegen.“ Die Stadt habe ja auch Flyer zu den (inzwischen verpönten) Schottergärten verschickt, erinnerte Heidi Neumann (Grüne). „Wäre das eine Möglichkeit?“ Denn alles weiter, so hatte Bürgermeister Dirk Runge erklärt, verhindere der Datenschutz.

Vielleicht, so schlug Wollschlaeger vor, könne die Verwaltung darüber ja bis zur nächsten Sitzung des Umweltausschusses nachdenken. Mehr Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Wohl und Erhalt der Bäume befürworten schon die Grünen in ihrem Antrag, „Wir möchten dafür sensibilisieren, wo es noch Freiflächen gibt, auf denen gepflanzt werden kann und wie vorhandene Bäume geschützt werden können“, erklärte Heidi Neumann und regte an, dazu die neue Klimamanagerin ins Boot zu holen, die noch in diesem Jahr im Rathaus anfängt.

Die Baumschutzsatzung wird nicht kommen, so entschieden die Ausschussmitglieder mehrheitlich. Stattdessen will sich die Stadtverwaltung – im Rahmen ihrer Zuständigkeiten – für den Baumerhalt in Bebauungsplangebieten und für die Begrünung städtischer Grundstücke einsetzen.

Außerdem will die Stadt ihr diesbezügliches Aushängeschild vorantreiben: die Baumpflanz-Kampagne. Zudem soll geprüft werden, ob es im Stadtgebiet weitere öffentliche Flächen gibt, die sich für die Neuanpflanzung von Bäumen eignen.

Baumpflanzkampagne

Bei der Baumpflanzkampagne hat die Stadt geeignete Flächen im gesamten Stadtgebiet geprüft und auch mit privaten Eigentümern Kontakt aufgenommen. Gepflanzt werden Bäume, die ins Bergische Land passen. Jeder und jede kann sich mit einer Spende beteiligen, die ausschließlich für die Anschaffung der Bäume verwendet wird. Für Pflanzung und Pflegemaßnahmen ist die Stadt Burscheid verantwortlich.

baumpflanzkampagne@burscheid.de

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