Lärm verärgert die Anwohner

Politiker beschließen Kauf eines Lärmdisplays

Serpentinen und schöne Landschaft: Das Bergische Land zieht Motorradfahrer von weit her an. Der Lärm der schweren Maschinen stresst die Anwohner. Archivfoto: Roland Keusch
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Serpentinen und schöne Landschaft: Das Bergische Land zieht Motorradfahrer von weit her an. Der Lärm der schweren Maschinen stresst die Anwohner.

Die Dabringhausener Straße gilt als Flugschneise der Motorradfahrer.

Von Nadja Lehmann

Sobald die ersten schönen Tage durchs Land ziehen, sind sie da: Motorradfahrer, die ihre Maschinen und sich genussvoll durch die Serpentinen des Bergischen manövrieren. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zermürbt viele Anwohner. Einige dieser schweren Maschinen sind nämlich ziemlich laut. In Burscheid zählt vor allem die Dabringhausener Straße zu diesen berühmt-berüchtigten Strecken. Als von ihr am Donnerstagabend im Haus der Kunst die Rede war, da nickte SPD-Fraktionschef Klaus Becker (nicht nur bekennender Radsportler, sondern auch „leidenschaftlicher Motorradfahrer“, wie er selbst sagt) wissend mit dem Kopf: „Ja, da beginnt die Flugschneise.“

Motorradlärm und wie man ihn eindämmen kann, das war Thema auf der Sitzung des Hauptausschusses. Die CDU hatte dazu einen Antrag gestellt: Die Christdemokraten werben für die Anschaffung eines Lärmdisplays. „Aus Sicht der CDU soll die Stadt noch vor Beginn der Motorradsaison im Interesse der lärmgeplagten Bürger ein Lärmmessgerät anschaffen und installieren“, heißt es im Antrag. Die Mittel für die Anschaffung eines Geräts seien bereits im Haushalt enthalten.

„Es ist ein schwaches Instrument, das ist uns bewusst.“

Dr. Hartmut Schepanski, CDU

„Es ist ein schwaches Instrument, das ist uns bewusst“, räumte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Hartmut Schepanski ein. „Aber zu warten, bis es gesetzliche Regelungen gibt, ist für uns keine Option.“ Die Möglichkeiten der Stadt, den Lärm zu bekämpfen, seien begrenzt, bedauerte Schepanski. Doch Beispiele aus anderen Städten – wie aus dem benachbarten Wermelskirchen – bewiesen doch, dass solche Lärmdisplays ihre Wirkung entfalteten: Auch wenn sie den Lärm nur anzeigten und Sanktionen nicht die Folge wären. „Wir appellieren an den Kreis, seinen Teil beizutragen“, so Schepanski in Richtung Bergisch Gladbach.

Für die SPD signalisierte Klaus Becker Unterstützung. Er berichtete, dass sich die SPD an Landrat Stephan Santelmann gewandt und auch Antwort bekommen habe: „Der Kreis plant insbesondere auf der Dabringhausener Straße Lärm- und Geschwindigkeitsmessungen“ – eine Aussage, die bei Bürgermeister Stefan Caplan auf Erstaunen stieß. Davon wisse er nichts und glaube auch nicht daran: „Lärmmessungen kann der Kreis nämlich nicht machen, und bei einem Tempolimit tut er sich schwer.“ Denn Kreis- und Landesstraßen wie die L 294 seien auch dazu gedacht, „Strecke zu machen“.

Einigkeit in der Sache bestand gleichwohl: Es müsse etwas geschehen. Klaus Becker plädierte langfristig für Bußgeld und Strafverfahren: „Es geht nur so.“

Das aber ist noch ein weiter Weg. Caplan erinnerte daran, dass der Rheinisch-Bergische Kreis zwar der Initiative „Silent Rider“ beigetreten sei, dass dort geforderte Lärmlimits schon bei der Zulassung sich aber lediglich für neue Motorradtypen umsetzen ließen. „Silent Rider“, ursprünglich von mehreren Eifelgemeinden gegründet, hat dort ganze Strecken komplett gesperrt. Ein Vorgehen, vor dem Klaus Becker warnte: „Das verschiebt den Lärm lediglich.“

Was eigentlich der Fahrer sieht, wenn er sich dem Lärmdisplay nähert: Das wollte Michael Baggeler, Vorsitzender der Fraktion Bündnis für Burscheid (BfB) wissen. „Leiser“, so die Antwort von Antragsteller Schepanski. Ob die Displays mobil seien?, forschte Baggeler weiter nach. Darauf ein klares Nein des Bürgermeisters. „Das Lärmdisplay ist sehr viel aufwendiger aufzustellen als ein Messgerät für Geschwindigkeit“, betonte Caplan. So benötige das Lärmdisplay ein Fundament, um vibrationslos zu stehen. Ungefähre Kosten dafür: um die 15 000 Euro, so Caplan. Das seien jedenfalls die Zahlen aus Wermelskirchen, das diesbezüglich über mehr Erfahrung verfüge. Und welches das Problem der Mobilität in Teilen gelöst hat: „Wermelskirchen hat drei Displays - aber sechs Betonfundamente.“

Ob denn die Displays wenigstens schwenkbar seien, hakte Baggeler nochmals nach. Er glaube ja, meinte der Bürgermeister, bat aber,, ihn da nicht festzulegen: „Es ist ja eine Premiere, solche Geräte hatten wir bislang nicht.“

Schwerpunkt und Standort Nummer eins, „mit weitem Abstand“, sei die Dabringhausener Straße, betonte Caplan: „Das heißt nicht, dass es die Problematik anderswo nicht gibt.“

Eine formelle Beschlussvorlage zum CDU-Antrag gab es zwar nicht, aber: „Wir würden es angehen wollen“, sagte Dr. Hartmut Schepanski und fand positive Resonanz. „Wir können zustimmen“, kam von Klaus Becker und von Michael Baggeler: „Wir sollten alles versuchen, um die Not zu lindern.“

Das stieß bei Stefan Caplan auf offene Ohren: „Es ist ein bedrückendes Thema für diejenigen, die dort wohnen, und sie erwarten, dass wir unseren Beitrag leisten.“ Einstimmig votierte der Hauptausschuss für Kauf und Aufstellung des Lärmdisplays. Caplan machte aber auch klar: „Der Gesetzgeber muss aktiv werden.“

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