Politiker beißen sich an Begrifflichkeiten fürs Areal fest

Montanusstraße: Rechts steht das Wohnhaus, das abgerissen werden soll. Geplant sind dort Vollsortimenter, Drogeriemarkt, Piazza und Wohnungen.Archivfoto: Nadja Lehmann
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Montanusstraße: Rechts steht das Wohnhaus, das abgerissen werden soll. Geplant sind dort Vollsortimenter, Drogeriemarkt, Piazza und Wohnungen.Archivfoto: Nadja Lehmann

Stadtentwicklungsausschuss beschließt Änderung des Flächennutzungsplans Montanusstraße

Von Nadja Lehmann

Die neu definierte Montanusstraße wirft ihre Schatten voraus: Im Stadtentwicklungsausschuss beschäftigten sich die Politiker intensiv mit der Planung und verstrickten sich dabei in Begrifflichkeiten. Diese lauteten wahlweise „Grünfläche“ oder „Verkehrsfläche“ und sorgten für Irritationen.

Hintergrund: Die Politiker sollten über die neunte Änderung des Flächennutzungsplans „Zentrumserweiterung Montanusstraße“ befinden. Im Fokus stand dabei eine Fläche – gelegen am östlichen Rand der Innenstadt, rund 7000 Quadratmeter groß. Sie wird im Norden durch den Böschungsbereich des überregionalen Panoramaradweg Balkantrasse begrenzt, im Osten durch die geplante öffentliche Parkplatzanlage an der Montanusstraße, im Süden durch den südlichen Rand der Montanusstraße und im Westen durch die östliche Grenze des Geschäftsgebäudes Montanusstraße 3.

„Wir orientieren uns am Ist-Zustand.“

Marc Baack, Stadtverwaltung

Im geltenden Flächennutzungsplan taucht dieses Areal als Verkehrsfläche auf, die Bahnanlagen, Grünflächen und örtliche Hauptverkehrsstraßen umfasst. Die Bahnanlagen sind entwidmet und von der Bahnnutzung seit 2010 freigestellt. „Ein Fachplanungsvorbehalt besteht nicht mehr. Die Flächen sind von der Stadt Burscheid erworben“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage.

Und just diese Flächen werden nun neu geordnet. An der Montanusstraße soll ein neues Einzelhandelsangebot entstehen – mit Vollsortimenter, Drogeriemarkt, öffentlicher Piazza und Wohnungen. Damit folgt die Montanusstraße der Zielvorgabe des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts (IEHK) 2025, das den Einzelhandel stärken und die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessern will. Die Montanusstraße ist dabei ein Baustein im Quartier „Obere Hauptstraße/Montanusstraße“ und gliedert sich in das Umgestaltungspaket obere Hauptstraße, Haus der Kunst, Luchtenberg-Richartz-Park, Panoramaradweg Balkantrasse und ehemalige Bahnflächen ein.

Dass Letztere nun als „Grünflächen“ tituliert werden sollen, sorgte im Ausschuss zunächst für Unruhe.

In der CDU herrsche Konsens, die Fläche als Verkehrsfläche erhalten zu wollen, erklärte Peter Röttger (CDU): „Wir wollen das Areal freihalten, für welche Verkehrsart auch immer.“ Seine Frage: Ob der Radverkehr in die Grünfläche gedrängt werden solle? Gelassener stufte das der SPD-Fraktionsvorsitzende ein: Er habe den Begriff lediglich als Platzhalter verstanden, sagte Klaus Becker: „Den Zugriff auf die Fläche haben wir in jedem Fall.“

Das bestätigte Marc Baack von der Stadtverwaltung. „Wir orientieren uns am Ist-Zustand, solange wir nicht wissen, was dort passiert.“ Und da sei die Montanusstraße eine Gemeindestraße; diese würden nicht gekennzeichnet: „Es geht hier also nicht um Verkehrsplanung“, betonte Baack. Sondern um die Vorbereitung des Bauprojekts Montanusstraße. Was es da zu bedenken gilt, machte Hans-Joachim Hamerla vom Stadtplanungsbüro ASS deutlich: „Wir wollen den Radweg verschwenken, um die Baufläche zu bekommen. Die Trasse soll in bestehender Breite gesichert werden. Die durch die Fläche verlaufende Erdgasleitung muss durch Open Grid verlegt werden.“

Peter Röttger und CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Hartmut Schepanski blieben indes skeptisch. „Ich bevorzuge als Platzhalter die Verkehrsfläche“, erklärte Röttger. „Sonst sehen übergeordnete Behörden die Fläche als verkehrswichtige Verbindung an, und uns fliegt das um die Ohren.“

Beides sei letzten Endes möglich, räumte Hamerla ein. „Ob Verkehrs- oder Grünfläche – wir sind ja in Gesprächen mit dem Investor.“ Das ganze Projekt nannte er „eines der größten und wichtigsten Vorhaben“ innerhalb des IEHK und skizzierte einen Zeitplan: Im Herbst 2023 soll der Investor mit der Ausschachtung beginnen können, mit dem Hochbau 2024, mit dem Einzelhandel 2025, mit dem Wohnen 2026. Die geplante Tiefgarage sei ein Privatinvest. „Mit den Gesamtmitteln kommen wir hin“, so Hamerla, der klarmachte: „Der Investor kann erst bauen, wenn das Grundstück bereit ist.“

Und dazu zählt noch einiges: nicht nur Begrifflichkeiten wie „Grünfläche“ oder „Verkehrsfläche“, sondern auch die Umsiedelung der Bewohner eines Hauses an der Montanusstraße in den benachbarten Ersatzbau sowie Abriss und Aufbereitung des alten Wohnhauses.

Mit Mehrheit beschlossen die Politiker übrigens die Änderung des Flächennutzungsplans und damit den Begriff Grünfläche.

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