Hauptstraße

Plattform gerät in die Warteschleife

In Richtung Hauptstraße wird das Geländer der Rampe zum Provisorium. Dort soll irgendwann die Aussichtsplattform andocken.
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In Richtung Hauptstraße wird das Geländer der Rampe zum Provisorium. Dort soll irgendwann die Aussichtsplattform andocken.
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Politiker verschieben erneute Ausschreibung ins kommende Jahr.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Nun ist es offiziell: Einstimmig entschieden sich im Stadtentwicklungsausschuss die Politikerinnen und Politiker, die an der mittleren Hauptstraße geplante Aussichtsplattform zunächst einmal zurückzustellen. Damit verbunden ist der Auftrag an die Verwaltung, dass diese prüfen möge, ob eine erneute Ausschreibung im Frühjahr 2023 ein besseres Ergebnis erzielen könne. Je nachdem könnte die Aussichtsplattform in der Rangliste des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts dann ganz nach unten rutschen. Im Gegensatz dazu ist die dazugehörige Rampe Ende Mai offiziell eröffnet und freigegeben worden.

Die Aussichtsplattform dagegen geriet in einen Abwärtsstrudel. Auf die Ausschreibung im Februar hatten noch neun Bauunternehmer reagiert und Unterlagen angefordert. Ein Angebot gab dann jedoch lediglich ein Bauunternehmer ab. Das erwies sich als deutlich teurer als der erste Kostenvoranschlag und lag mit rund 60 Prozent über den ersten Kalkulationen. Ein Gespräch mit dem Bieter habe kein „zufriedenstellendes Ergebnis“ erbracht, heißt es in der aktuellen Beschlussvorlage. Ergebnis: Die Burscheider Verwaltung ruderte zurück und hob die Ausschreibung auf.

Stadt ist in Sachen Plattform schon in Vorleistung gegangen

Dabei war die Stadt in Sachen Plattform schon in Vorleistung gegangen. Denn damit diese umgesetzt werden kann, musste auch bereits die Rampe dem entsprechend konzipiert werden: Beide gelten als statische Einheit. So mussten einzelne Bauelemente bereits mit der Rampe errichtet werden - wie die Stützmauer unterhalb der Brücke oder die Trogbauwerke am oberen Ende der Rampe mit Anschlussbewehrung für die Lastaufnahme der Plattform. Deshalb wollte die Stadtverwaltung die Plattform nicht vorschnell zu den Akten legen und prüfte nach der erfolglosen Ausschreibung mehrere Varianten, wie es weitergehen könne. Die erste hieß: Sofort wieder ausschreiben. Nach Prüfung erschien das im Rathaus nicht erfolgversprechend. „Aufgrund der aktuellen Situation im Bausektor, die zum Teil durch die Pandemie und aktuell durch den Krieg in der Ukraine verstärkt wird, wird eingeschätzt, dass derzeit kaum bessere Angebote zu erwarten sind“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Die zweite Variante erwog ein Umsatteln von einer Stahl- auf eine Holzkonstruktion, in der Hoffnung, damit Geld einzusparen. Den eingesparten rund 18 000 Euro stehen nach Verwaltungsberechnungen jedoch rund 35 000 Euro Neukosten gegenüber. Nämlich für Umplanungen, die durch einen Materialwechsel nötig werden würden. Auch das empfahl die Verwaltung den Politikern als wenig sinnvoll. Gleiches gilt für Variante 3, eine Verkleinerung der Plattform. Auch das sei mit Umplanungskosten verbunden, warnte die Verwaltung und schlug schließlich mit einer Verschiebung der erneuten Ausschreibung ins kommende Jahr Variante 4 vor, der dann die Ausschussmitglieder auch folgten.

Mit Rampe und Plattform will die Stadt eine direkte Anbindung der Balkantrasse an die Innenstadt schaffen und so Biker, Fußgänger, Skater ins Burscheider Zentrum locken. Schließlich gilt der Panorama-Radweg als Rückgrat der Radverkehrsinfrastruktur und mittlerweile auch als Touristenmagnet. Mit der Plattform soll der beengte Straßenraum der mittleren Hauptstraße erweitert und eine größere Aufenthaltsqualität in der an großen Plätzen armen Stadt geschaffen werden - auf rund 100 Quadratmetern.

Die Rede war sogar von sommerlicher Außengastronomie mit Blick auf die Trasse. Pläne, die von Anfang an auch umstritten waren. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, Ortsgruppe Burscheid/Wermelskirchen kritisierte das aus einer Sicht zu steile Gefälle der Rampe; der Bund der Steuerzahler nannte das ganze Projekt überflüssig und zu teuer. Und auch Burscheids Kommunalpolitiker verhedderten sich in ihren Plänen und beschlossen statt eines beleuchteten Glasgeländers, das die Bezirksregierung überhaupt erst zu einer Finanzierung bewogen hatte, ein vertikales Stahlgitter zu montieren.

Vorerst kommt jedoch weder noch. Peter Röttger (CDU) bat denn auch, man möge doch die Geländerlücke auf den letzten Metern der Rampe schließen.

Hintergrund

In der Beschlussvorlage beziffert die Stadtverwaltung die aktuellen Baukosten für die Anbindung des Panoramaradweges an die Innenstadt: Rampe West (inklusive Winkelstützmauer, Geländer, und Begrünung) rund 561 000 Euro, die Plattform Süd (laut Submissionsergebnis) 502 900 Euro, Nebenkosten 119 600 Euro.

Weiter heißt es: Im Haushalt 2022 wurden für die Maßnahme 816 696 Euro eingeplant, von denen noch 263 740 Euro zur Verfügung stehen. Weitere Kosten gingen zu Lasten anderer IEHK-Maßnahmen.

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