Idee

Pfotentisch will Tierschutzverein für Burscheid

Krissi Rottmann bei der Futterausgabe des Pfotentischs: Sie möchte mit Mitstreitern einen Tierschutzverein gründen. Foto: Anja Wollschlaeger
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Krissi Rottmann bei der Futterausgabe des Pfotentischs: Sie möchte mit Mitstreitern einen Tierschutzverein gründen.

Ordnungsamt kennt keine Ansammlungen von verwilderten Tieren

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. Krissi Rottmann hat eine klare Position zum Umgang mit Katzenstreunern: „Die Stadt soll für diese Tiere aufkommen“, sagt die Vorsitzende des Burscheider Pfotentischs. Ihr Verein hat sich die Unterstützung von Tierhaltern im Sinne einer Tiertafel zum Auftrag gemacht. Ein Tierschutzverein ist das nicht.

Rottmann sagt: „Wir werden immer wieder angerufen, wenn jemand draußen Katzenmütter mit ihren Jungen findet.“ In diesem Sommer war sie schon mehrfach unterwegs und hat die Sicherstellung solcher Tierfamilien organisiert. Auch Dogman Tierhilfe aus Leverkusen wird immer wieder aus Burscheid um Hilfe gebeten (der BV berichtete).

Beim Ordnungsamt der Stadt Burscheid wird unterschieden zwischen Fundtieren und verwilderten Streunern, das erläutert Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss: „Um Fundtiere handelt es sich dann, wenn ein Tier offenkundig entlaufen ist. Erkennbar ist dies etwa dann, wenn ein Hund oder eine Katze gechippt oder tätowiert ist oder einen sehr gepflegten oder wohlgenährten oder zutraulichen Eindruck macht.“ Für Fundtiere ist in Burscheid das Fundbüro zuständig. Anders - so die Auffassung der Stadt - sieht es bei herrenlosen Tieren aus. Dafür sei das Ordnungsamt nicht zuständig.

Krissi Rottmann sieht das anders und ärgert sich: „Es geht schon seit Jahren so, wenn sich Bürger an das Ordnungsamt wenden wegen einer herrenlosen Katze, dann kommen die berühmten drei Affen zum Vorschein, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen.“

Für den Tierschutz sei der Rheinisch-Bergische Kreis zuständig, teilt die Stadt Burscheid auf Anfrage mit und weiter: „Dem örtlichen Ordnungsamt sind jedoch nach wie vor keine Ansammlungen wilder Katzen oder Futterstellen für streunende Katzen bekannt. Auch aus der Burscheider Bevölkerung werden dem Ordnungsamt so gut wie keine wilden bzw. streunende Katzen gemeldet.“

Die Fraktionen im Burscheider Stadtrat sind nicht alle mit den Tierschützern einer Meinung. Dr. Hartmut Schepanski (CDU) sagt: „Hinsichtlich Fundtieren gibt es keinen Handlungsbedarf. Hier hat die Stadt Lösungen, die auch täglich greifen. Das Ordnungsamt ist dafür als Fundbüro zuständig (Unterbringung, Ernährung, Kosten für tierärztliche Behandlung). Ziel ist, die Zurückführung zum Eigentümer.“ Für herrenlose Tiere, wie streunende Katzen, Igel oder verletzte Vögel sei das Ordnungsamt nicht zuständig, so der CDU-Fraktionschef. Eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen, wie sie viele Kommunen in NRW eingeführt haben, gibt es in Burscheid nicht.

Von den Grünen äußerte sich auf Anfrage Sabine Rusch-Witthohn: „Ich habe selbst schon verwilderte Katzen im Wald gesehen, und unsere Fraktion wird beantragen, dass die Stadt die Gründung eines Tierschutzvereins fördert und diesen Verein im Rahmen ihrer Verpflichtungen auch finanziell unterstützt.“

Das Bündnis für Burscheid (BfB) hat laut Thomas Kaps bereits bei der Verwaltung nachgefragt, ob es bezüglich Streunern ein Problem gibt. Er sagt: „Viele scheinen nicht zu wissen, an wen sie sich wenden müssen. Aber es ist auch eine städtische Aufgabe, das gut zu kommunizieren.“

„Es gibt in Burscheid noch keinen Tierschutzverein, und diese Lücke sollte geschlossen werden.“

Ralph Liebig (SPD)

Gerd Pieper von der UWG teilt mit, wenn sich eine Initiative gründe, die sich um streunende Katzen kümmere, sei die Fraktion bereit, diese finanziell zu unterstützen. Eine solche Initiative könnte sich nun bald bilden, teilt Ralph Liebig von der Burscheider SPD mit. Der Bürgermeisterkandidat unterstützt Krissi Rottmann bei der Gründung eines neuen Vereins, der sich dem Tierschutz speziell in Burscheid widmet. Er sagt: „Es gibt in Burscheid noch keinen Tierschutzverein, der sich um Streuner kümmern würde, und diese Lücke sollte geschlossen werden.“

Krissi Rottmann sucht nun noch weitere Mitstreiter. Sie sagt: „Ich möchte mich um die Tiere kümmern. Für die Vorstandsarbeit brauchen wir noch weitere Leute.“

Hintergrund

Mit einem halben Jahr sind weibliche Katzen geschlechtsreif, so der Deutsche Tierschutzbund. Eine Katze bringt demnach 63 bis 66 Tage nach der Paarung durchschnittlich vier bis sechs Junge zur Welt. Tierschützer rechnen vor: Wenn eine Katze nur zweimal im Jahr Nachwuchs bekommt, wobei jeweils drei Junge pro Wurf überleben und sich in gleicher Weise fortpflanzen, könnten rechnerisch in der Theorie nach zehn Jahren mehr als 240 Millionen Nachkommen der Katze leben.

www.tierschutzbund.de

Kommentar

Von Anja Wollschlaeger

Was die Stadt nichts kostet, unterstützen die Burscheider Kommunalpolitiker seit Jahren gerne. Nur, sobald die Kämmerin einen zusätzlichen Euro aus dem Stadtsäckel ziehen soll, erhalten Vereine und Verbände eine fast schon standardmäßige Absage. Die Begründung liegt dann auf der Hand. Die Stadt steckt weiter im Haushaltssicherungskonzept und hat kein Geld übrig. Ein Tierschutzverein würde die Stadt aber zunächst nichts kosten. Die Vereinsarbeit lastet auf ehrenamtlichen Schultern. Da das Land zudem Fördermittel für die Kastration von Streunerkatzen ausgeschrieben hat, könnte ein Tierschutzverein sogar noch zusätzliches Geld in die Stadt holen. Folglich ist ein Tierschutzverein eine ideale Burscheider Lösung - kostet nichts und löst ein Problem.

burscheid@ rga-online.de

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