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Pflegeberatung bleibt in der Schwebe

Cosima Mai (l.) und Ute Scharf sind Ansprechpartnerinnen in der Senioren- und Pflegeberatung.
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Cosima Mai (l.) und Ute Scharf sind Ansprechpartnerinnen in der Senioren- und Pflegeberatung.
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Kreis möchte Aufgabe gern an sich ziehen. Für Wermelskirchen hat er sie bereits übernommen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Die Dinge hängen derzeit in der Schwebe. Bleibt die Pflegeberatung vor Ort oder zieht der Kreis die Aufgabe an sich? Es ist eine Frage, auf die die Antwort bislang auf sich warten lässt. „Juristisch sitzt der Kreis am längeren Hebel“, sagt Bürgermeister Dirk Runge. Dass Burscheid seine Pflegeberatung in Eigenregie betreibe, sei in einem Vertrag fixiert. „Und der Vertrag ist kündbar. Dann wäre das Thema erledigt.“ Er habe zuletzt den Kontakt zum Kreis gesucht, spruchreif sei indes nichts.

Bereits 2019 hatte der Kreis angekündigt, die Pflegeberatung neu strukturieren und zentral steuern zu wollen. Das hatte nicht nur in Burscheid zu einem Aufschrei geführt, sondern auch in der größeren Nachbarstadt Wermelskirchen. Denn auch dort gab es zu diesem Zeitpunkt eine eigene Pflegeberatung vor Ort.

Das ist allerdings Vergangenheit. Denn die Wermelskirchener Pflegeberatung hat im Spätsommer eine Mitarbeiterin des Kreises übernommen. Sabine Salamon, die zuvor dafür zuständig war und zugleich die Seniorenberatung betreute, bleibt nur noch letztere. Seniorenbeirat und der Beirat für Menschen mit Behinderung hatten sich besonders dafür eingesetzt, dass Senioren- und Pflegeberatung in der Hand von Sabine Salamon bleiben bzw. sogar noch ausgebaut werden. Vergeblich. Eine Lösung, mit der niemand so recht glücklich ist, wie Bürgermeisterin Marion Lück damals erkennen ließ. „Immerhin bleibt eine wöchentliche Sprechzeit von vier Stunden vor Ort im Rathaus erhalten“, hatte Lück zur Umstrukturierung angemerkt. Lieber aber hätte die Stadt die Aufgabe selbst weiter wahrgenommen, ihr Wunsch nach dem entsprechender Personalaufstockung wurde jedoch von Kreisseite nicht erhört.

Auch in Burscheid gingen die Wogen nach der ersten Ankündigung des Kreises hoch. In der Stadt wurden Unterschriften gesammelt, die den Verbleib der Pflegeberatung forderten. Das machte Eindruck auf den Rheinisch-Bergischen Kreis, der zunächst zurückruderte. Im September 2020 hieß es noch, Senioren- und Pflegeberatung blieben weiterhin in kommunaler Hand; so sei es in einer Videokonferenz der Städte mit Landrat Stephan Santelmann und dem Sozialdezernenten des Kreises, Markus Fischer, verhandelt worden. Ende gut, alles gut?

Keineswegs. Denn genau ein Jahr später, September 2021, schlug das Bündnis für Burscheid (Bfb) Alarm. „Aus einer Mitteilungsvorlage der Kreisverwaltung zur Sitzung für Arbeit, Soziales und Pflege geht hervor, dass der Kreis weiterhin plant, die Senioren- und Pflegeberatung in den kreisangehörigen Städten und Gemeinden zu zentralisieren“, schrieb damals der BfB-Fraktionsvorsitzende Michael Baggeler.

Schon im November 2021 kam das Thema auf die Tagesordnung des Sozialausschusses. Zu Gast war Ute Scharf, die gemeinsam mit Cosima Mai das verantwortliche Duo der Burscheider Senioren- und Pflegeberatung bildet.

In ihrem Vortrag machte Scharf deutlich, was das Herzstück der Pflegeberatung darstellt: die kurzen Wege, die Ortskenntnis, die umfangreiche Vernetzung und die vertrauensvollen Kontakte: „Wir kennen die Leute, die kennen uns“, betonte Scharf.

Ein Pfund, mit dem die Beraterinne wuchern konnten: „Beratung lebt von denen, die kommen. Die Vertrauen haben. Wir können keine Beratung aufgdrängen“, hatte Scharf im Sozialausschuss hervorgehoben. Man versuche, die Menschen abzuholen. Das aber klappe nur dank der Kenntnis der örtlichen Angebote und dem Wissen um das Netzwerk vor Ort,hatte Scharf erklärt.

Ihr Vortrag hatte die Mitglieder des Sozialausschusses so überzeugt, dass sie aktiv wurden: Sie brachten eine Resolution auf den Weg. „Eine Reaktion des Kreises darauf gab es nie“, sagt Bürgermeister Dirk Runge nun. „Jedenfalls keine schriftliche.“ Er hatte im Ausschuss auch berichtet, dass der Kreis bislang keine Zeit gefunden hätte, sich mit den Bürgermeistern des Nordkreises zusammenzusetzen. „Die Bürgermeister wurden lange hingehalten“, bestätigt Runge nun im Rückblick. Erst im Dezember 2021 habe der Kreis zu einem Treffen eingeladen.

„Der Kreis würde auch bei uns Termine vor Ort im Rathaus anbieten“, sagt Runge. „Und die Berater kommen ins Haus, wenn man das vereinbart.“ Was allerdings verlorenginge, daran lässt auch der Bürgermeister keinen Zweifel, sei die Netzwerk-Arbeit: „Das kann man von Bergisch Gladbach aus ja gar nicht wahrnehmen.“

Beratung

Ansprechpartner: Ansprechpartnerinnen der Senioren- und Pflegeberatung sind Cosima Mai und Ute Scharf im Rathaus an der Höhestraße.

Sprechstunden: Sprechstunden sind montags von 8.15 bis 18 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags von 8.15 bis 12 Uhr.

Kontakt: Tel. (0 21 74) 67 03 70 oder (0 21 74) 67 03 68.

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