Interview

Pastor freut sich auf Neuanfang als Lehrer

Er habe Lust auf einen Neubeginn, bekennt Pastor Lukas Schülbe. Er wechselt von der Freikirchlich-evangelischen Gemeinde in den Schuldienst. Foto: FeG Burscheid
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Er habe Lust auf einen Neubeginn, bekennt Pastor Lukas Schülbe. Er wechselt von der Freikirchlich-evangelischen Gemeinde in den Schuldienst.
  • VonNadja Lehmann
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Lukas Schülbe wechselt von der Freikirchlich-evangelischen Gemeinde in die Johannes-Löh-Gesamtschule – Verabschiedung am 6. März.

Das Gespräch führte Nadja Lehmann

Herr Schülbe, Anfang des Monats flatterte der Redaktion eine Mail ins Haus, dass die Freikirchlich-evangelische Gemeinde Sie im März in einem Gottesdienst verabschiedet. Warum hören Sie auf?

Lukas Schülbe: Ich hatte das selbst vor ungefähr zwei Jahren angestoßen. Ich habe unserem Leitungsteam gesagt, dass ich noch mal Lust auf eine neue Aufgabe habe. Doch dann kam Corona, und für die Gemeinde und mich war klar: Wir gehen da zusammen durch. Nun haben wir aber im vergangenen Jahr einen passenden Nachfolger gefunden, der zum 1. April anfangen wird. Die große Corona-Welle ist gebrochen, so dass man auch wieder mehr gestalten kann. Das ist eine gute Grundlage, so dass mein Nachfolger und die Gemeinde sich kennenlernen und etwas aufbauen können. Es gibt keine Altlasten, und ich denke, dass der Weg gut weitergehen kann. Es ist also ein guter Zeitpunkt.

Wohin wird es Sie denn verschlagen? Zieht es Sie ganz woanders hin?

Schülbe (lacht): Nur 500 Meter weiter. Ich werde Lehrer an der Gesamtschule.

„Ich freue mich schon sehr, mit den Jugendlichen über Gott und die Welt zu reden.“

Lukas Schülbe

Das ist ja wirklich etwas ganz anderes!

Schülbe: Ich hatte Lust auf etwas Neues. Dann hat sich das aus der Zusammenarbeit heraus so ergeben; wir kennen uns ja, ich mache dort bereits die Schulgottesdienste.

Welche Fächer werden Sie denn unterrichten? Ich will ja nicht so platt sagen: Sicher Religion. . .

Schülbe (lacht): Doch, in der Tat ist das mein größtes Stundenkontingent. Da die Johannes-Löh-Gesamtschule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche ist, ist Religion Pflichtfach. Außerdem kommt Inklusionsbegleitung dazu.

Dann haben Sie künftig nicht mehr erwachsene Gemeindeglieder, sondern Kinder und Jugendliche vor sich. Eine ganz schöne Umstellung.

Schülbe: Gar nicht so sehr. Es war schon ein Schwerpunkt meiner Gemeindearbeit. Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist mir vertraut. Ich freue mich schon sehr, mit ihnen über Gott und die Welt zu reden. Einige haben vielleicht gar keinen positiven Bezug zu Gott und Glauben. Auch für mich gehört das Zweifeln und Hadern dazu. Ich würde über Gott nie sagen: Ich hab’ ihn. Sondern: Ich bleib’ dran. Und deshalb wollte ich auch aus eingefahrenen Bahnen heraus. Es wird mir nicht schaden, mal etwas die „Klappe“ zu halten, was die Verkündigung angeht. Ich möchte lieber in den Dialog eintreten und darin das Christsein verhandeln.

Das passt zu Ihrer Selbstbeschreibung auf der Internetseite der Freikirchlich-evangelischen Gemeinde: „denkt tief“.

Schülbe (lacht): Ja, das passt schon zu mir.

Was wird bleiben von Ihrer Zeit in der Gemeinde?

Schülbe: Ich bin dort neuneinhalb Jahre gewesen; es war meine erste Pastorenstelle. Es war mein Glück, dass ich dort auf Leute mit Erfahrung gestoßen bin, die mich unterstützt haben. Alle meine Kommilitonen, die noch im Amt sind, sind auf ähnliche Konstellationen gestoßen. Die Gemeinde und ich, wir sind zusammen gute Wege gegangen. Der Umzug ins Haus Weiherstraße hat geklappt. Wir haben den Winterspielplatz etabliert und die Kirche Kunterbunt. Ich freue mich, dass gerade im mittleren Alterssegment von 30 bis 50 Jahren neue Leute hinzugekommen sind. Es waren gute Zeiten, wir haben inhaltlich intensiv gearbeitet, haben auch gestritten, aber nicht zerstörend, sondern konstruktiv. Wir haben uns im positiven Sinn auseinandergesetzt. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, irgendwann wieder eine Pastorenstelle anzutreten. Aber ich bin jetzt 34 und hatte Lust, andere Felder zu entdecken. Aber ich habe die Zeit sehr genossen, auch das gute und partnerschaftliche Miteinander mit den anderen Kirchen, mit der Stadt, mit Mitstreitern wie der Tafel oder dem Hospiz. Ich fühle mich wohl hier, und deshalb bleibe ich auch hier.

Wo sind Sie aufgewachsen?

Schülbe: Ich bin in Düsseldorf geboren, aber habe daran keine Erinnerung, weil wir ins hessische Hinterland gezogen sind. Von hier aus gesehen, hinter Siegen, in ein 750-Seelen-Dorf. In Bad Laasphe bin ich zur Schule gegangen.

Das klingt idyllisch.

Schülbe: Das war es auch. Ich war viel draußen im Wald, im Rothaargebirge.

Kommt daher das Stichwort „Draußenschläfer“ auf der Internetseite der Gemeinde?

Schülbe: Ja, auf dem Rothaarsteig habe ich erste Erfahrungen damit gemacht. Die Kombination aus Wandern und Schlafen mache ich heute noch gerne.

Schöpfen Sie daraus Kraft?

Schülbe: Ja, mehr aber noch aus dem Schweigen im Kloster. Das ist für mich das noch bedeutsamere. Ich versuche, ein Mal im Jahr eine Woche im Kloster zu sein; wenn das nicht klappt, auch kürzer. Gerne mit geistlicher Begleitung. Es hilft mir, nicht in dieselben Sackgassen zu rauschen.

Woher kommt Ihr Glaube?

Schülbe: Ich bin so aufgewachsen. Ich habe meine Eltern in der Freikirchlichen Gemeinde erlebt, und das hat mir gefallen. Mein Gedanke war: Ich will das auch so leben, ich will auch ein Christ sein. Und dann ging der Weg immer weiter. Mein Glaube hat sich auch gewandelt. Ich glaube anders, als ich es mit 16 Jahren tat. Und es gab auch schwierige Zeiten, wüste Zeiten, die meinen Glauben herausgefordert haben. Ich habe manches Mal gezweifelt, wenn ich vor der Gemeinde stand und mich gefragt, was ich sagen kann angesichts schwerer Lebensumstände einzelner, die ich kannte. Das hat meinen Glauben reifen lassen. Nach dieser Zeit der Wüste war nicht alles gut, aber ich habe diese Erfahrung integriert. Aber dieses Auf und Ab gehört dazu. Manchmal denke ich, es gibt Gott nicht. Dann wieder denke ich: Es gibt ihn doch.

Das sind sicher Fragen, die Sie sich weiterhin stellen werden.

Schülbe: Ich will setzen lassen, was sich ereignet hat. Ich möchte Dinge innerlich ordnen und sehe mich momentan eher in der Auseinandersetzung, im Dialog und in einer Suchbewegung. Nicht als jemand, der da vorne steht und sagt, wo es lang geht. Biblische Texte begreife ich dabei als Grundlage. Ich bin demütig gegenüber den 2000 Jahre alten Schriften, da bin ich mit meinen 34 Lenzen ein kleines Licht. Aber mein kleines Licht will ich mutig leuchten lassen. Jedenfalls halte ich nichts von frommen Shows. Für mich gilt in Glaubenssachen immer: Ehrlich währt am längsten.

Bleibt der Kontakt zur Gemeinde?

Schülbe: Wir haben vereinbart, dass ich mich zunächst ein paar Monate zurückziehe. Mein Nachfolger soll Gelegenheit haben, sein eigenes Netzwerk zu spannen, ohne dass ich als Vorgänger noch ständig dabei bin. Er soll gut angekommen sein, bevor ich wieder vorbeischaue.

Was haben Sie sich als Lehrer vorgenommen?

Schülbe: Ich wünsche mir, dass die Schüler sensibel werden für Fragen nach dem Warum. Die beantworten inzwischen ja nur die Naturwissenschaften. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wer bin ich? Welche Bedeutung hat ein Mensch? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Nur, weil die Antworten nicht auf die Weise sicher sind, wie in den Naturwissenschaften, sind die Fragen ja trotzdem da. Aber dafür muss man erstmal sensibel werden für die Fragen.

Termin

Die Gemeinde verabschiedet Pastor Lukas Schülbe am kommenden Sonntag. Ab 14.30 Uhr gibt es auf dem Außengelände Weiherstraße Snacks und Getränke (Es gilt 2G). Um 15.15 Uhr beginnt der Gottesdienst (Es gilt 3G). Anmeldung:

https://fegburscheid.church-events.de

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