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Passende Lektüre für die Sommerzeit

Buchhändlerin Ute Hentschel kennt Neuerscheinungen und Klassiker. Und hat Lesetipps auf Lager.
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Buchhändlerin Ute Hentschel kennt Neuerscheinungen und Klassiker. Und hat Lesetipps auf Lager.
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Buchhändlerin Ute Hentschel verrät ihre Favoriten.

Von Nadja Lehmann

Der Urlaub liegt noch vor Ihnen, und Sie suchen die passende Lektüre für die Reise? Sie machen es sich lieber zu Hause gemütlich? Oder liegen Ihre Ferien schon wieder hinter Ihnen, und der Alltag ist wieder eingekehrt? Wie auch immer: Zeit für ein gutes Buch ist stets sinnvoll angelegt, und Lesezeit ist immer. Also: Klappen Sie die Buchdeckel auf! Wir haben Buchhändlerin Ute Hentschel gefragt, welche Lektüre zum Sommer passt.

Elke Pistor: Tide, Tod und Tüdelkram. „Elke Pistor hat schon bei uns gelesen“, berichtet Ute Hentschel. „Ihr Krimi spielt an der Küste, ist sehr witzig. Eine gute und leichte Urlaubslektüre, die Spaß macht. Zum Inhalt: Ihren ersten Urlaub an der Küste hatte Annemie Engel sich ganz anders vorgestellt: mehr Meer und weniger Tote. Vor allem auf das Konzert mit dem Schlagerstar Peter Juwel hatte sie sich gefreut, doch gleich am ersten Tag stolpert sie über dessen Leiche. Der Urlaub scheint gelaufen – aber dann steht der Sänger am Abend wieder quicklebendig auf der Bühne. Und am nächsten Tag wird Peter Juwel erneut gefunden: mausetot!

Romy Fölck: Nebelopfer. „Es ist bereits der fünfte Band der Autorin, die ihr Debüt mit einem Hardcover geben durfte. Eine Ehre“, sagt Ute Hentschel und nennt die Krimi-Reihe um Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn „nicht zu blutig“. Dafür aber sind die Bücher atmosphärisch dicht und spielen in den Elbmarschen, wo Fölck auch lebt. Zum Inhalt: An einem nebligen Februarmorgen wird an einem uralten Galgenbaum eine Leiche gefunden. Am Hals des Toten baumelt ein Schild, das Kriminalkommissarin Frida Paulsen Rätsel aufgibt: „Ich gestehe, im Prozess gegen Cord Johannsen falsch ausgesagt zu haben“ Dieser wurde wegen Mordes verurteilt. Als ein weiterer Zeuge getötet wird, ahnen Paulsen und Haverkorn, dass sie den wahren Täter erst noch finden müssen.

Steve Cavanaugh: Thirteen. „Das ist eigentlich ein Tipp meiner Kollegin Sabine Ziemann, unserer Krimi-Queen“, verrät Ute Hentschel. Cavanaugh schreibt über einen Serientäter, der sich im Gericht in Jurys hineinschmuggelt, die über Verbrechen verhandeln. „Er sorgt dafür, dass andere für die Taten bestraft werden, die er begangen hat.“

Louise Penny: Auf keiner Landkarte.
„Die Reihe spielt im französischsprachigen Teil Kanadas, und ich lese sie selbst sehr gern. Penny erzählt anders und besonders. Nicht nullachtfünfzehn. Stattdessen entwickelt sie besondere Typen und hat tolles Personal“, sagt Hentschel. Es ist der 12. Fall für Armand Gamache, der nicht mehr bei der Mord­kommission ist, sondern die Akademie der Sûreté du Québec leitet. Als Chief Superintendent will er die angehenden Agents an der Akademie Moral und Mitgefühl lehren - und gerät selbst ins Visier der Ermittler.

Franziska Fischer: In den Wäldern der Biber. „Eine Familiengeschichte. Ein bisschen Liebe. Ein bisschen Natur. Und es spielt in Mecklenburg, wo die Scheibe aufhört“, sagt Hentschel augenzwinkernd. Es geht um eine junge Frau, die sich neu sortiert. „Job und Freund liegen hinter ihr. Sie geht zum Großvater, den sie seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Er ist Biberbeauftragter - daher kommt der Titel des Buches.“ Der alte Mann wohnt allein in einem viel zu großen, renovierungsbedürftigen Haus am Waldrand. Er hält Hühner, pflegt den Garten, backt Brot, beobachtet Biber – und nimmt seine Enkelin bei sich auf, ohne viele Fragen zu stellen.

Christiane Hoffmann: Alles, was wir nicht erinnern.
„Ganz großartig“, gerät Ute Hentschel ins Schwärmen. „Es geht um Familie, um Erinnerung, um Trauer und Traumata. Und es geht um die aktuelle Lage in Osteuropa und der Ukraine. Ein sehr erhellendes Buch.“ Zum Inhalt: Christiane Hoffmanns Vater floh Anfang 1945 aus Schlesien. 75 Jahre später geht die Tochter denselben Weg, 550 Kilometer nach Westen. Die Journalistin kämpft sich durch Hagelstürme und sumpfige Wälder. Sie sitzt in Kirchen, Küchen und guten Stuben. Sie führt Gespräche - mit anderen Menschen und mit sich selbst. Sie sucht nach der Geschichte und ihren Narben. Was bleibt heute vom Fluchtschicksal? Wie gehen Familien, wie gehen Gesellschaften, Deutsche, Polen und Tschechen mit der Vergangenheit um?

Annika Büsing: Nordstadt. „Das aktuelle Lieblingsbuch des Teams“, sagt Ute Hentschel. „Erzählt wird von einem Mädchen in prekären Verhältnissen, die sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht. Es ist witzig, es hat eine fantastische Sprache, und es gibt Sätze, die hauen einen um.“ Zum Inhalt: Nene, Anfang 20 und Bademeisterin, hat eine Überlebensstrategie: Bahnen ziehen, versuchen zu vergessen, pragmatisch sein. Dann lernt sie im Schwimmbad Boris kennen. Der hatte Kinderlähmung, behandelt die Welt mit Verachtung und kennt nur Schimpfwörter oder Mitleid. Eine unmögliche, eine verrückte Liebe.

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