Kirche

Die Pandemie ist „wie eine offene Wunde“

Unter Auflagen dürfen im sommerlichen St. Laurentius wieder Messen stattfinden. Das freut Pfarrer Michael Knab (kleines Foto). Es kommen aber, berichtet er, weniger Menschen als früher. Fotos: Nadja Lehmann/Roland Keusch (kleines Foto/Archiv)
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Unter Auflagen dürfen im sommerlichen St. Laurentius wieder Messen stattfinden.
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Katholische Gemeinde: Pfarrer Michael Knab kann in St. Laurentius wieder Messen feiern, aber es kommen weniger Besucher als früher.

Von Jennifer Preuß

Burscheid. Die Corona-Pandemie ist „wie eine offene Wunde“. Ob Narben bleiben, wenn sie heilt, weiß Michael Knab noch nicht abzuschätzen. Die Coronakrise hat den Pfarrer der katholischen Gemeinde in Wermelskirchen und Burscheid vor ungeahnte Herausforderungen gestellt.

Geistliches Wirken und soziale Distanz passen nicht zusammen. „Seelsorge braucht Begegnung“, sagt Michael Knab. „Online-Angebote können das nur sehr bedingt erfüllen.“ Kondolenzgespräche am Telefon zu führen, wäre in Zeiten vor Corona undenkbar gewesen. Auch Krankensalbungen im Altenheim unter strengsten Hygienevorschriften samt Schutzkleidung hinterließen ihn sprachlos.

Heute nimmt der Pfarrer den von der Politik ins Spiel gebrachten Begriff „neue Normalität“ in den Mund. Man gewöhnt sich an alles. Und genau das könnte zum Problem für die Kirche werden. „Ich stelle mir die Frage nach Gewöhnung und Entwöhnung“, sagt Michael Knab. Was passiert, wenn die Gemeindemitglieder sich daran gewöhnen, dass das Gemeindeleben brach liegt, keine Gruppentreffen stattfinden und man im Sinne des Infektionsschutzes vom Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes absieht?

„Wir müssen das Beste für die Menschen rausholen“, betont der katholische Pfarrer, der nun für die Heilige Messe auch bürokratische Aufgaben erledigen muss. Seit Mai dürfen in den Kirchen St. Laurentius, St. Michael und St. Apollinaris unter Auflagen Messen wieder stattfinden. „In Hilgen finden keine Gottesdienste statt, weil die Sakristei einfach zu klein ist“, berichtet Michael Knab, der erleichtert war, wieder vor Publikum Predigten zu halten. Im Laufe der vergangenen Wochen haben sich die Gottesdienste wieder eingespielt.

„Ich stelle mir die Frage nach Gewöhnung und Entwöhnung.“
Michael Knab

Anfangs war eine große Unsicherheit zu spüren. Aus Angst vor einer Ansteckung verzichteten viele der Kirchgänger, die vor Corona regelmäßig kamen, auf den Gottesdienstbesuch. Nun fülle sich die Kirche nach und nach wieder. In Burscheid werden sonntags sogar zwei Heilige Messen angeboten, damit alle Gemeindemitglieder, die sich am Sonntag zuvor in einer Liste eingetragen und somit ihr Kommen angemeldet haben, auch einen Platz bekommen.

Das freut Pfarrer Michael Knab. Es kommen aber, berichtet er, weniger Menschen als früher.

Trotzdem: „Auch wenn wir die Messe zweimal feiern: Es kommen deutlich weniger Menschen“, betont Michael Knab. „Vor Corona konnten wir ohne Abstand 250 bis 300 Menschen pro Messe reinlassen. Das Angebot wird schon angenommen, aber in der Summe ist die Besucherzahl geringer.“

Kirche ist aber nicht nur Gottesdienst. Gerade die diversen Angebote für Jung und Alt machen das Gemeindeleben aus. Auch hier ist nichts wie früher: Die Gruppen dürfen sich nicht treffen; die Büchereien der katholischen Gemeinden sind noch geschlossen; bei den Chorproben sind die Auflagen so streng, dass sie im Moment gar nicht durchführbar seien, so Michael Knab.

Er würde nun normalerweise bei den Kindern, die kürzlich ihre Kommunion feierten, die Ministrantenausbildung bewerben. Das liegt auf Eis. Michael Knab weiß nicht, ob er die Kids nächstes Jahr noch dafür begeistern kann, wenn so viel Zeit ins Land gegangen ist. Er wartet die Sommerferien ab.

Dann stünde eigentlich der Gottesdienst für die neuen Schulkinder der katholischen Grundschule St. Michael an. So wie früher kann auch dieser nicht stattfinden. Stattdessen werden die i-Dötzchen und ihre Familien in zwei Gruppen unterteilt und zu unterschiedlichen Zeiten auf den Schulhof eingeladen. Dort will der Pfarrer den Kindern einen geistlichen Impuls mit auf den Weg geben. „Aber nur, wenn das Wetter es zulässt.“ Ansonsten würde das ins Wasser fallen.

Besucherzahlen

Die Zahl derer, die den Gottesdiensten beiwohnen dürfen, ist durch die aktuell geltenden Corona-Schutzverordnungen begrenzt. Freigegeben sind in der Kirche St. Apollinaris 38, in St. Laurentius 52 und in St. Michael 56 Plätze. So soll jeder Besucher ausreichend Abstand halten können. Um die Infektionsgefahr zu verringern, darf nicht gesungen werden.

Kommentar

burscheid@rga-online.de

Von Jennifer Preuss

Für die ohnehin schon mit Mitgliederschwund kämpfenden Kirchen ist die Corona-Krise eine nie dagewesene Bewährungsprobe. Die treuen Kirchgänger, für die der Gottesdienstbesuch ein festes Ritual war, bleiben nun lieber zuhause. Die christliche Glaubensgemeinschaft muss sich in der Krise neu finden. Sie muss zeigen, dass sie gerade jetzt unverzichtbar ist und den Menschen wichtigen Halt gibt. Die Kirche muss für sich selbst einstehen und zeigen, wie systemrelevant sie ist.

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