Burscheid

Orchesterverein Hilgen: So war das Konzert im Altenberger Dom

Romantische Klänge bis zu zeitgenössischen Komponisten: das Konzert des Orchestervereins Hilgen im Altenberger Dom. Foto: Doro Siewert
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Romantische Klänge bis zu zeitgenössischen Komponisten: das Konzert des Orchestervereins Hilgen im Altenberger Dom.

Das Konzert der Hilgener im Altenberger Dom war trotz bitterer Kälte ein Hochgenuss. Musikalisch ging es von der Romantik bis in die Neuzeit.

Von Peter Klohs

Burscheid. In einem großen, unbeheizten Gotteshaus kann es im Winter recht unangenehm werden. Kalt, zugig, gewöhnungsbedürftig. Und so war denn auch die Temperatur im Altenberger Dom am Samstagnachmittag gefühlt mindestens drei Grad kälter als vor dem Gemäuer.

Wer im Publikum nicht frieren wollte, trug dicke Jacke, Schal und Mütze. Der Orchesterverein Hilgen hatte zu seinem traditionellen Weihnachtskonzert geladen. Schon lange vor Beginn des Konzertes bildeten sich Schlangen am Einlass, denn das Einhalten der 2-G-Regeln wurde streng kontrolliert. Im Dom herrschte Maskenpflicht, auch am Sitzplatz. Und man fragte sich, wie Orchestermusiker bei solch unangenehmen Temperaturen fehlerfrei agieren können.

Timor Oliver Chadik, Leiter des Hilgener Orchesters, begrüßte pünktlich um 14 Uhr die Gäste: „Trotz der schweren und herausfordernden Zeit freuen wir uns sehr, dieses Konzert hier und heute spielen zu können.“ Das Programm umfasste romantische Klänge bis hin zu zeitgenössischen Komponisten.

Vorspiel zunächst ruhig und getragen

Das Vorspiel zu „Hänsel und Gretel“, der beliebten Oper von Engelbert Humperdinck, begann ruhig und getragen. Langsam entwickelte sich aus der romantischen Lyrik eine belebte Tonsprache, bevor das Stück endet, wie es begann.

Die L’Arlésienne Suite Nr. 2 von George Bizet entstand 1872 und wurde so beliebt, dass Bizet noch vor der Uraufführung seiner Oper „Carmen“ berühmt wurde.

Die knapp zwanzigminütige Suite ist in vier Sätze unterteilt und garantiert dank zahlreicher pfiffiger Ideen des Komponisten ein kurzweiliges Hörvergnügen. So wie das Duett aus Harfe und Flöte, das den dritten Satz „Minuet“ beginnt und die Melodie von einem Altsaxofon vorgestellt wird. Oder der sprühende und quirlige Schlusssatz „Farandole“, der in höchster Dynamik lautstark endet.

Anschließend stellte sich die Sopranistin Agnes Lipka vor. Der niederländische Komponist Jacob de Haan (geb. 1959), durch seine Komposition „Oregon“ bekannt geworden, hat sich Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ (Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne) angenommen und eine angemessene, spätromantische Tonsprache gefunden.

Weit geschwungene Klangflächen trafen auf melancholische Akkorde, durchwoben von Lipkas Gesang. Der Gesangspart war hörbar eher für einen Mezzosopran gesetzt und für Agnes Lipkas Stimme etwas zu tief, so dass sich die Sängerin zuweilen schwer tat, sich gegen das Orchester durchzusetzen. Lipka erledigte die etwas undankbare Aufgabe tadellos.

Außer seinen berühmten Opern Tosca und Madame Butterfly hat Giacomo Puccini Instrumentalmusik verfasst. Das zehnminütige „Preludio Sinfonico“ in A-Dur ist Puccinis zweites Orchesterwerk, das er im Alter von 24 Jahren komponierte. Gegen Ende des Stückes forderte der Dirigent „Tutta forza“ vom Orchester, und einen Moment lang konnte man ahnen, welche Entwicklung Puccini in den folgenden Jahren bis zur Fertigstellung seiner Oper „Manon Lescaut“ durchleben würde.

Jan van der Roost komponierte „I shall love but thee“ zur Hochzeit seines jüngsten Sohnes. Zum Text von William Shakespeare (Sonett 18) setzte der 1956 in Belgien geborene Komponist auf alte Klänge. So beeinflusste ihn im ersten Teil der Komposition hörbar Henry Purcell, während der zweite Teil klingt, als habe man ein unbekanntes Stück von Georg Friedrich Händel entdeckt. Mit dem hier strahlenden Sopran von Agnes Lipka entwickelte sich eine eigene Tonwelt, die trotz der Kälte im Dom inwendig etwas Wärme schuf.

Das Konzert begann und endete mit Humperdinck

Das Konzert begann mit Humperdinck und endete mit ihm. Der Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ mag weithin bekannt sein. Die Pantomime aus dem 2. Akt der Oper beschloss das Weihnachtskonzert des Orchestervereins Hilgen. Das Orchester schuf großartige und eigene Klangwelten, so dass man vergessen konnte, dass die Instrumentierung des Orchesters mit wenigen Ausnahmen nur aus Blasinstrumenten besteht.

Orchesterverein Hilgen

Der Orchesterverein besteht aus 60 bis 70 aktiven Musikanten, die sich der Pflege von sinfonischer Blasmusik widmen. Timor Oliver Chadik, vor 45 Jahren in Bangkok geboren, leitet seit 2014 den Orchesterverein Hilgen, außerdem seit 2015 die Big Band der Bundeswehr in Euskirchen. Agnes Lipka ist in Polen geboren und gab 2011 ihr Operndebüt am Theater Krefeld / Mönchengladbach. Außer in zahlreichen Opernhäusern ist sie auch vor 70.000 Menschen auf der Hauptbühne des Rockfestivals in Wacken aufgetreten.

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