Konzert

Orchesterverein lässt den Dom erklingen

Feierlich wurde es am Samstagnachmittag im Altenberger Dom.
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Feierlich wurde es am Samstagnachmittag im Altenberger Dom.

In Altenberg zeigten die Künstler, was musikalisch in ihnen und ihrem Ensemble steckt.

Von Peter Klohs

Der Orchesterverein Hilgen (OVH) ist ein weithin geachtetes und beliebtes Blechblasorchester, das die symphonische Blasmusik in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt hat. Das traditionelle Adventskonzert ist regelmäßig gut besucht, die ausgesuchte Musik wird auf einem sehr hohen Niveau gespielt. Der große Innenraum des Altenberger Doms eignet sich in besonderer Weise für Konzertaufführungen, da der Nachhall im Kirchenraum beinahe zehn Sekunden andauert. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher am Samstagnachmittag überzeugen.

Einige Komponistennamen auf dem Programm dürften zahlreichen Musikliebhabern wenig bis nichts sagen: Launy Valdemar Gröndahl, Eugène Gigout und Franco Cesarini waren unter ihnen. Timor Oliver Chadik hatte mit dem Orchester ein recht modernes Programm entworfen, auf dem große Namen der orchestralen Blasmusik fehlten.

Rondo schließt Posaunenkonzert ab

Alfred Reed mag noch der Bekannteste sein. Der 2005 verstorbene Amerikaner, aufgewachsen im Manhattan der 20er Jahre, hatte mit „Alleluia Laudamus Te“ (Halleluja, wir preisen dich) eine instrumentale Hymne komponiert, für die das Attribut „feierlich“ mehr als passend ist. Der Orchesterverein spielte, als sei er ein großer Chor, und zuweilen wurden die Ohren getäuscht, weil sich der Sound von Violinen in die Gehörgänge verirrt zu haben schien. Das als Beweis der Klanggüte des OVH.

Noch gewaltiger fiel der „Grand Choeur Dialogue“ von Eugene Gigout aus, der mit dem Klang des Orchesters einerseits und mit der großen Kirchenorgel andererseits spielt. Domorganist Andreas Meisner bestach durch rhythmisches Feingefühl und große Sensibilität.

Posaunensolist Rocco Resciano hatte seinen großen Auftritt in Gröndahls Posaunenkonzert. Der dänische Komponist, 1960 verstorben, entwirft in den drei Sätzen tonmalerisch die Schönheiten der Toscana, die berührende Natur, die warme Sonne, den Sternenhimmel. Das gut fünfzehnminütige Werk ist stark von der Spätromantik geprägt und ist voller Melodien, die die Schönheit in den Mittelpunkt stellen. Ein rhythmisch starkes Rondo schließt das Posaunenkonzert ab. In seinem Solobeitrag fügte sich Organist Andreas Meisner nahtlos in die Dramaturgie des Konzertnachmittags ein: Henry Mulet und sein „Vitrail Carillon-Sortie“ wurde vom Musiker schwungvoll angegangen. Die moderne Komposition des 1967 in einem Kloster gestorbenen Mulet bedient sich ungewöhnlicher Harmonik, bleibt jedoch tonal.

Höhepunkt kommt zum Schluss

Den musikalischen Höhepunkt hatte sich der Orchesterverein zum offiziellen Schluss des Nachmittags aufgehoben: Die „Mosaici Bizantini“, ein dreisätziges Werk des 1961 in Bellinzona in der Schweiz geborenen Komponisten Franco Cesarini, der als Meister der Instrumentierung gilt. Das musikalische Material bildet sich aus gregorianischen Gesängen und deren Abläufen, thematisch ist das Werk inspiriert von byzantinischen Mosaiken, die in Kirchen von Venedig und Palermo zu finden sind und drei Stellen aus dem Matthäusevangelium darstellen. So setzt sich der ruhige und fließende, choralartige Kopfsatz mit der Geburt Jesu auseinander. Besonders auffallend ist der Einsatz der Tubular Bells zu Anfang und Ende des Satzes. Der zweite Satz erklingt heftig, denn es geht um Jesus, der „Händler und Käufer“ aus dem Tempel treibt. Entsprechend heftig sind manche Abschnitte dieses Satzes. Das Konzertfinale beginnt mit den Tuben, die wie aus der Dunkelheit des Grabes finstere Töne spielen. Doch nicht lange, dann werden die Engel und das Licht der Auferstehung durch hellere Instrumente hörbar. Das abschließende Thema des Satzes ist in sich ruhend und triumphal, steigert sich dynamisch, bis die volle Kraft der rund 70 Musiker erreicht ist und sich in einem strahlenden und kraftvollen Orchestertutti entlädt. Langanhaltender Applaus und Standing Ovations belohnten die Musiker, die noch Lust auf eine kleine Zugabe hatten.

Hintergrund

Timor Oliver Chadik leitet seit 2014 den Orchesterverein Hilgen. Der 1976 in Bagkok geborene Dirigent und Posaunist ist hauptberuflich Leiter der Bigband der Bundeswehr.

Der Orchesterverein wird seine Güte unter anderem wohl im Mai 2023 im Bürgerhaus in Bergisch Gladbach beweisen

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