Corona-Auswirkungen

Orchesterverein kommt schlecht durch die Krise

Der Orchesterverein Hilgen als das gemeinsame Spielen der Instrumente auf der Bühne noch möglich war. Foto: OVH
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Der Orchesterverein Hilgen als das gemeinsame Spielen der Instrumente auf der Bühne noch möglich war.
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Die Vorbereitungen für den bundesweiten Wettbewerb sind ins Wasser gefallen.

Von Jennifer Preuß

Burscheid. 2020 war kein gutes Jahr für die Kultur. Wie viele Künstler vermisst auch der Orchesterverein Hilgen den Kontakt zum Publikum. „Der Verein kommt schlecht durch die Krise“, sagt Vorsitzender Martin Mudlaff. Zu einem finanziellen Problem werde die Corona-Pandemie für das Orchester nicht. Jedes der rund 65 Mitglieder betreibt die Musik lediglich hobbymäßig. Hier sieht Martin Mudlaff aber den größten Verlust: Die Geselligkeit im Verein fehlt.

Das Orchester darf in der Pandemie kein Orchester sein. Proben können schon lange nicht mehr stattfinden, weil das Ensemble einfach zu groß ist. Gegen die Corona-Schutzverordnung würde man mit einem Treffen verstoßen. „Als im Frühsommer die ersten Lockerungen kamen, haben wir einen kurzen Anlauf gemacht, wieder zu proben“, berichtet Martin Mudlaff.

Nach Absprache mit der Stadtverwaltung konnte das Orchester wieder den alten Proberaum nutzen – mit entsprechenden Hygienemaßnahmen natürlich. „Es hat aber insgesamt nur drei Ensembleproben seit Corona gegeben“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Schnell kamen die nächsten Beschränkungen, die es den Mitgliedern unmöglich machten, gemeinsam zu üben. „Eigentlich wollten wir im November ein Konzert im Altenberger Dom spielen. Das ist sehr schade“, so Mudlaff weiter.

„Wir hatten uns einiges vorgenommen. Unser Ziel war der erste Platz.“

Martin Mudlaff, Vorsitzender, über den Orchesterwettbewerb

Praktisch seit Beginn der Corona-Krise üben die Musiker des Orchestervereins Hilgen für sich im stillen Kämmerlein. Alles andere wäre aus Sicht des Vorsitzenden nur ein halbgarer Kompromiss gewesen. So stand im Sommer im Raum, ob man sich denn nicht unter freiem Himmel zur Probe treffen könnte. Die Idee wurde schnell verworfen. Über Videokonferenzen miteinander Musik zu machen, kommt für Martin Mudlaff ebenfalls nicht in Frage. „Online funktioniert das überhaupt nicht.“ Er wünscht sich das alte Orchesterleben zurück, in dem gemeinsam auf ein großes Ziel hingearbeitet und an der Perfektion gefeilt wird.

Der Orchesterverein Hilgen war schon immer ein Ensemble mit großen Ambitionen, denen er in jüngster Vergangenheit auch immer gerecht werden konnte. Viele Preise stehen in den Regalen, daher war man schon ganz heiß auf den diesjährigen Deutschen Orchesterwettbewerb.

Eigentlich hätten sich die Musiker im Frühjahr intensiv darauf vorbereitet und ein Programm eigens für diesen Auftritt erarbeitet. „Wir hatten uns einiges vorgenommen. Unser Ziel war der erste Platz“, so Mudlaff. Als der Lockdown kam, wurde der Wettbewerb abgesagt. Auch im kommenden Jahr wird er nicht wie gewohnt stattfinden können. Wie Martin Mudlaff berichtet, planen die Organisatoren des Wettbewerbes, Filmteams zu allen Orchestern zu schicken, die sich qualifiziert haben. Im eigenen Proberaum würden dann Video- und Audioaufnahmen gemacht werden, die dann später von einer Jury bewertet werden. Viel zu anonym ist das den Musikern aus Hilgen. Das Besondere am Deutschen Orchesterwettbewerb sei ja gerade, dass man vor Fachpublikum spiele und sich mit anderen Orchestern austauschen kann. Ein solches Event gibt neuen Input und inspiriert. Online bleibt das leider auf der Strecke.

Entschieden hat sich der Verein noch nicht. Es schwingt die Sehnsucht mit: Man will lieber vor echten Menschen spielen und nicht vor Kameras.

Das ist auch der Grund, weshalb sich ein kleines Ensemble aus Blechbläsern dazu entschlossen hat, sich auch bei eisigen Temperaturen vor Burscheider Senioreneinrichtungen zum Konzert aufzustellen. Hier können sie vor Menschen spielen, die von ihren Fenstern aus zuschauen und lauschen. Den älteren Menschen und Heimbewohnern, die in ihrem Alltag durch die Pandemie eingeschränkt sind, eine Freude zu machen, gibt den Musikern viel zurück.

Bereits im Frühjahr hatte der Orchesterverein diese kleinen Privatkonzerte gegeben – und die Resonanz war überwältigend. „Es war schön zu sehen, wie sich die Menschen freuen“, erzählt Martin Mudlaff. Einige hätten die Volkslieder auch mitgesungen und geklatscht. Von Angehörigen und Heimleitungen kam viel Lob und Dank. Solange es die Witterung zulässt, wird das kleine Ensemble vor Weihnachten noch vor den Häusern auftreten. Termine und Veranstaltungsorte werden nicht bekanntgegeben, sondern nur mit den Leitern der Einrichtungen abgesprochen. Dass noch zusätzliches Publikum kommt, will man durch diese Maßnahme verhindern.

Nachwuchs

Auch der Nachwuchs des Orchestervereins kann momentan nicht in der gewohnten Weise musizieren. Einzelunterricht bietet die Orchesterschule noch an. Das Junge Orchester und das Juniororchester können bis auf Weiteres aber nicht proben. Der Vorsitzende des Orchestervereins Hilgen hofft, dass das Ensemble seinem Vereinszweck im neuen Jahr wieder nachgehen kann.

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