Am 15. Mai

Orchesterverein gibt ein großes Konzert

Entspannt kurz vor umfangreichen Proben: Dirigent Timor Oliver Chadik, Solist Ulrich Haas, Martin Mudlaff und Charlotte Schauerte (v. l.).
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Entspannt kurz vor umfangreichen Proben: Dirigent Timor Oliver Chadik, Solist Ulrich Haas, Martin Mudlaff und Charlotte Schauerte (v. l.).
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Solist ist mit Tubist Ulrich Haas ein Musiker aus den eigenen Reihen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Dieses Orchester könnte ein Gehörloser in seinen Füßen spüren. Denn wenn die Blechbläser des Orchesterverein Hilgen (OVH) ihre Instrumente ansetzen, laufen die Schwingungen und Schallwellen durch den Fußboden, lassen ihn vibrieren und lebendig werden. Es ist ein Orchester fernab jeden Marschmusik- und Big-Band-Vorurteils. „Wir gehen nach vorn“, sagt Charlotte Schauerte vom Orchestervorstand und schultert ihr Fagott. Und das übertrage sich auf die Zuschauer, die nicht bequem zurückgelehnt, sondern oft auf der Stuhlkante säßen. „Unser Dirigent ist ja aber auch rhythmisch vorbelastet“, ergänzt der Vorsitzende Martin Mudlaff lächelnd. Timor Oliver Chadik ist Chef der Bigband der Bundeswehr und arbeitet eng mit renommierten Klangkörpern wie der Deutschen Bläserphilharmonie oder der Sächsischen Bläserphilharmonie zusammen.

Zuletzt hat sich das Ensemble eine konzentrierte Probenarbeit verordnet. Denn am nächsten Sonntag, 15. Mai, gibt der OVH ein Konzert, spielt „Poema Alpestre“ von Franco Cesarini, die Arlésienne Suite Nr. 2 von Georges Bizet, die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin und das Tubakonzert von Edward Gregson. Solist ist mit Ulrich Haas ein Musiker aus den eigenen Reihen. „Das ist selten der Fall“, sagt Mudlaff. Und ein Solokonzert für Tuba noch seltener.

Aber Ulrich Haas, freundlich, bescheiden, ist auch nicht irgendwer. Er ist Profimusiker: Tubist bei den Duisburger Philharmonikern, Professor für Tuba. Er sei die Verkörperung eines typischen Burscheider Musikerlebens, findet Charlotte Schauerte: Musikschulunterricht in Burscheid, erstes Ensemblemusizieren in den Vor-Orchestern des OVH, frühe Erfolge bei „Jugend musiziert“, Instrumentalstudium, Orchesterstelle. „Seinem“ OVH hat er die Treue gehalten. Schließlich gehörte schon der Großvater zu den Gründungsmitgliedern des Orchestervereins, und auch der Vater spielte Tuba im Sinfonieorchester. „Wie das bei kleinen Söhnen so ist. Wenn mein Vater spielte, stand ich daneben und sagte: Ich will auch“, erzählt Ulrich Haas. Den ersten Unterricht erhielt er dann auch vom Vater. „Ich mag den weichen, warmen, tiefen Klang der Tuba“, sagt Ulrich Haas. Und den wird er beim Tubakonzert des britischen Komponisten Gregson voll ausspielen. Wobei es spürbar nicht die Sache des 62-Jährigen ist, sich solistisch in den Vordergrund zu drängen: „Die letzte Reihe ist angenehmer“, findet er und überlegt dann einen Moment: „Aber vorne zu stehen, hat auch seinen Reiz.“

Seine Tuba, so beschreibt er, sei so schwer wie ein Bierkasten. „Aber ein voller!“ Es gelte, in ihr die Luft zu bewegen, dabei so locker wie möglich zu bleiben und die Töne rund zu spielen.

An diesem Wochenende feilt Dirigent Timor Oliver Chadik an Klang und Zusammenspiel, lässt immer wieder die einzelnen Gruppen den stürmischen Schlusssatz der Arlésienne Suite, die Farandole, wiederholen. „Wir sind davon abhängig, dass uns jemand mitnimmt“, hatte Martin Mudlaff zuvor gesagt, und Charlotte Schauerte hatte zugestimmt: „Vorne muss jemand stehen, der alles zusammenfügt.“ Chadik, locker im Ton, ernsthaft in der Sache, vermag das.

Corona war ein schmerzhafter Einschnitt für das Ensemble

Umso schmerzhafter war der Einschnitt durch Corona. „Eine schwere Zeit“, bekennt Martin Mudlaff offen. Und auch jetzt seien nicht alle der rund 70 Musikerinnen und Musiker zurückkehrt und ließe man Vorsicht walten: „Wir können nicht riskieren, dass das Orchester durchseucht wird.“ Der Einschnitt sei noch immer spürbar: „Wir hatten noch nie so wenig Proben für ein Konzert wie dieses Mal.“ Das Miteinander könne Zoom nicht ersetzen: „Jetzt atmet wieder jemand neben mir. Ich fühle, was im Orchester vor sich geht. Alle Sinne sind gefragt“, sagt Charlotte Schauerte.

Dann kann der OVH das ausspielen, was seine große Stärke ist, wie Ulrich Haas sagt: „Der Klang.“ Er weiß um die Qualität des Ensembles: „Hier sitzen Leute, die manchmal genauso viel Zeit ins Üben stecken wie ein Profimusiker – neben ihrer Arbeit.“ Gefragt, was ihm der OVH mitgegeben habe, zögert Ulrich Haas keine Sekunde lang: „Die Freude an der Musik.“

Konzert

Der Orchesterverein Hilgen spielt am Sonntag, 15. Mai, 17 Uhr, im Bergischen Löwen Bergisch Gladbach. Karten gibt es in der Buchhandlung Ute Hentschel, in der Bäckerei Kretzer und können per Mail reserviert werden.

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