Kommunalwahl

Neulinge wollen anpacken, nicht meckern

Für Phil Diederichs und Susanne Lüssem (v. l.) ist es der erste Wahlkampf: Die CDU mit Bürgermeister Stefan Caplan (5. v. l.), dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Hartmut Schepanski (4. v. l.) und der Parteivorsitzenden Erika Gewehr (r.) stand an der Lindenpassage. Fotos: Nadja Lehmann
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Für Phil Diederichs und Susanne Lüssem (v. l.) ist es der erste Wahlkampf: Die CDU mit Bürgermeister Stefan Caplan (5. v. l.), dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Hartmut Schepanski (4. v. l.) und der Parteivorsitzenden Erika Gewehr (r.) stand an der Lindenpassage.

Wahlkampf auf der Hauptstraße am Samstagvormittag: Parteien suchen den Kontakt – für einige Kandidaten eine Premiere.

Von Nadja Lehmann

Burscheid, Samstagvormittag, obere Hauptstraße. Fast alle Parteien sind mit Ständen zur Stelle: die SPD mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Ralph Liebig, das Bündnis für Burscheid mit Bürgermeisterkandidatin Ulrike Hanke, die Linke.

Direkt an der Lindenpassage stehen die Burscheider Christdemokraten. In ihrer Mitte: Amtsinhaber Bürgermeister Stefan Caplan. Endspurt im Wahlkampf, der durch Corona ein anderes Gepräge bekommen hat – weniger Straßenwahlkampf, weniger Live-Auftritte.

„Wir sind zurückhaltend, warten ab, ob die Leute auf uns zukommen“, sagt Barbara Düchting, die für die CDU in den Stadtrat möchte. Man wisse schließlich nicht, ob die Menschen diese Nähe derzeit überhaupt wollten: „Dafür hat sich der Wahlkampf auf Facebook und Instagram intensiviert“, sagt Düchting. Für die Lehrerin, die an der Montanusschule unterrichtet, ist es ihr zweiter Wahlkampf. Und auch ihre Viertklässler führt sie durchaus schon an die Politik heran: „Kindgerecht natürlich“, sagt sie. Im Rathaus sei sie schon mit den Schülern gewesen: „Es gibt durchaus Schüler, die an außerschulischen Themen Interesse haben und die Ohren spitzen“, sagt Düchting.

„Man versteht, wie die Stadt funktioniert.“
Susanne Lüssem (CDU) über ihre politischen Lehrjahre

Die Ohren gespitzt haben auch die Freunde von Phil Diedrichs. Denn er ist mit seinen 19 Jahren der Jüngste in den Reihen der CDU und damit eher eine Ausnahme. „Meine Freunde haben mich gefragt, warum ich das mache“, berichtet er. Seine Antwort ist ganz eindeutig:

Obere Hauptstraße: Bürgermeisterkandidatin Ulrike Hanke (mit Blumen) tritt für das Bündnis für Burscheid an. Unterstützung gab es am Samstag deshalb unter anderem vom Fraktionsvorsitzenden Michael Baggeler (4. v. l.), Stella Ignatz (r.) und Giovanna Lombardo (4. v. r.).

„Burscheid ist meine Heimat. Ich will nicht einfach nur meckern und sagen, was scheiße ist. Ich will selber anpacken.“ Damit überzeugte er dann sogar im Freundeskreis: Einige folgten ihm in die Junge Union. Sein Steckenpferd: der Öffentliche Nahverkehr, insbesondere die Anbindung an die Rheinschiene. „Der Wahlkampf macht Spaß, weil man mit den Leuten ins Gespräch kommt“, findet der 19-Jährige.

Ähnlich empfindet es Susanne Lüssem. Auch für die 40-Jährige ist es ihr erster Wahlkampf; auch sie ist politischer Neuling. „Ich bin hier im Team so freundlich aufgenommen worden“, sagt sie und blickt hinüber zum Fraktionsvorsitzenden Dr. Hartmut Schepanski, zu den beiden Kreistagskandidaten Erika Gewehr und Dr. Bernhard Hausberg und zu Bürgermeister Stefan Caplan. „Man versteht, wie die Stadt funktioniert“, sagt sie über ihre ersten Schritte in der Kommunalpolitik. „Man meckert nicht mehr so schnell, weil man die Hintergründe kennt.“

„Die Stimmung ist positiv“, findet Bürgermeister Stefan Caplan, der immer wieder Leute ins Gespräch zieht und über die Straße hinweg bekannten Gesichtern zuwinkt. Trotz aller Erfahrung: „Eine gewisse Grundaufgeregtheit empfinde ich schon“, bekennt er. „Ich nehme das sehr ernst.“

„Die größte Aufregung habe ich empfunden, als wir Bürgermeisterkandidaten in der Diskussion direkt aufeinandertrafen“, erinnert sich am Stand des Bündnisses für Burscheid der Fraktionsvorsitzende Michael Baggeler. „Da hatte ich großen Respekt davor.“ 2020 verzichtete er darauf, ein drittes Mal anzutreten: Nun ist Ulrike Hanke, die am Samstag ebenfalls mit an der Hauptstraße steht, die Bürgermeisterkandidatin des BfB. Ein direktes Rededuell der drei Kandidaten – der Dritte im Bunde ist Ralph Liebig (SPD) – wird es durch die Pandemie nicht geben. „Schade“, bedauert Baggeler. „Es ist für die Wähler natürlich ungemein spannend, alle Kandidaten im direkten Aufeinandertreffen zu erleben.“ Und er selbst hätte sich dies auch gern angehört – „dann mal von der anderen Seite aus.“

Ähnlich wie Caplan empfindet auch er die Atmosphäre auf der Straße als positiv und angenehm. Gleichwohl: „Prognosen kann man daraus nicht ableiten. Die Entscheidung fällt in der Wahlkabine.“

Auf der anderen Straßenseite wirbt die SPD für sich

Auf der anderen Straßenseite sucht die SPD das Gespräch. Kandidat Ralph Liebig hat sich die Themen Wohnen, Mobilität, Verwaltung und Ehrenamt auf die Fahnen geschrieben und wird an diesem Wahlkampf-Vormittag unter anderem von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Kirsten Kühn und Ratsmitglied Heike Engels unterstützt; es gibt Flyer und Infos.

Die Grünen fehlen dieses Mal – werden aber am 5. September vor der Buchhandlung Ute Hentschel zur Stelle sein. Und sie sind ohnehin mit ihrem Bollerwagen auf Tour. „Für Egon gehen wir ungewöhnliche Wege“, sagt Fraktionschefin Sabine Wurmbach mit Blick auf die Energiegenossenschaft, die die Grünen gründen wollen.

Hintergrund

Die Burscheider Parteien mobilisieren ihre Kräfte; es geht in den Endspurt des Wahlkampfs. Am 13. September entscheiden die Wähler über die Zusammensetzung von Stadtrat und Kreistag und bestimmen, wer Bürgermeister wird. Stichwahl wäre am 27. September.

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