Neue Struktur nach Querelen im Kreishaus

Landrat Stephan Santelmann. Fotos: RBK/Rieger
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Landrat Stephan Santelmann.

Landrat und Kreisdirektor leiten künftig keine Dezernate mehr

Von Udo Teifel

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat eine strukturelle Anpassung seiner Verwaltungsgliederung vorgenommen. Im Wesentlichen konzentrieren sich Landrat und Kreisdirektor künftig auf die ihnen gesetzlich obliegenden Aufgaben der Verwaltungsführung und nehmen selbst keine direkte Dezernatsleitung mehr wahr. Das verkündete jetzt Landrat Stephan Santelmann im Ausschuss für Personal, Organisation, Gleichstellung und IT.

Die Führungskräfte im Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises waren nach unüberbrückbaren Differenzen mit Santelmann von ihren Posten im Mai zurückgetreten – unter anderem Kreisdirektor Dr. Erik Werdel und Sprecherin Birgit Bär.

Santelmann hatte daraufhin die Organisationsstruktur des Krisenmanagements geändert und den Krisenstab stärker in den regulären Verwaltungsablauf integriert. Ebenso hatte der Landrat die Pressearbeit übernommen. Beides misslang. Nach vier Wochen dann die Rolle rückwärts – die Führungskräfte im Krisenstab zur Bekämpfung der Pandemie wurden vollumfänglich reaktiviert. Werdel übernahm die Vertretung des Landrates, weil er damals wegen seiner Corona-Erkrankung ausfiel.

Nach seiner Rückkehr ins Kreishaus gab es den nächsten Streit – Santelmann ging bis zur Bezirksregierung und holte sich dort für sein Handeln Rückendeckung, was das Miteinander im Kreishaus nicht einfacher machte. Schon damals war angekündigt worden, dass es Veränderungen in der Verwaltung geben wird. Mit der neuen Struktur werden die Dezernate und auch die Aufgaben in der Verwaltungsspitze umverteilt.

In die Zuständigkeit des Landrats als Chef der Kreisverwaltung und Vorsitzender des Kreistags fallen damit die Wahrnehmung von Führungsaufgaben und wichtige strategische Fragestellungen für den Kreis. Zum unmittelbaren Führungsbereich des Landrates zählen: Kommunalaufsicht, Rechnungsprüfung, Kreistagsbüro, Pressestelle und die Kreispolizeibehörde sowie die Themen Mobilität und Region, hierbei vertritt Landrat Stephan Santelmann den Kreis im Verkehrsverbund Rhein-Sieg, Nahverkehr Rheinland, Regionalverkehr Köln, Region Köln/Bonn e.V. und der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Bergisch Land.

Neuer Organisationsaufbau soll zum 1. Januar umgesetzt werden

Kreisdirektor Dr. Erik Werdel nimmt verstärkt die ihm obliegenden Aufgaben des allgemeinen Vertreters wahr. In seinen unmittelbaren Zuständigkeitsbereich fallen die Leitung des Krisenstabes, das Strategische Beteiligungsmanagement sowie Wirtschaft, Arbeit und Tourismus.

Die Fachdezernate wurden neu geordnet. Neu gebildet wird ein inneres Querschnittsdezernat unter der Leitung von Kreiskämmerer Klaus Eckl. Dieses umfasst künftig die Ämter Finanzen, Personal und Organisation, IT und Zentrale Dienste. Die Ämter Recht, Sicherheit und Ordnung liegen weiterhin in der Zuständigkeit von Dezernentin Anette Kupferschmidt-Fritz. Dezernent Markus Fischer ist auch künftig verantwortlich für die Ämter Jugend, Soziales und Gesundheit. Neu gebildet wird ein zentrales Dezernat für Kultur, Bildung, Schule und Integration. Darin werden die Ämter für Schule und Sport, der Schulpsychologische Dienst sowie das Kulturamt und das Amt für Bildung und Integration zusammengeführt. Es wird geleitet von Dezernentin Aggi Thieme. Hier sollen künftig durch Schnittpunkte in den Bereichen Schule, Kultur und Bildung Synergien geschaffen werden. Dezernentin Elke Reichert führt wie bisher das Dezernat Umwelt, Mobilität und Bau. Vorübergehend wird aus organisatorischen Gründen, insbesondere durch die Belastungen rund um die Corona-Pandemie, das Amt für Gebäudewirtschaft bis auf weiteres unmittelbar dem Landrat zugeordnet.

Die neue Verwaltungsgliederung wurde auf Veranlassung von Santelmann im Rahmen eines moderierten Prozesses in enger Abstimmung mit der Verwaltungskonferenz erarbeitet. Orientiert hat sich der Rheinisch-Bergische Kreis dabei an Modellen der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt). Die KGSt unterstützt kommunale Verwaltungen aller Organisationsebenen bei der Verwaltungsmodernisierung. „Wir wollen uns mit vereinten Kräften den wichtigen Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft widmen“, erklärt Landrat Stephan Santelmann zur Vorstellung der neuen Verwaltungsgliederung. „Dafür braucht es eine klassische und stringente Verwaltungsstruktur, die zielorientierte Führung und Zusammenarbeit möglich macht. Diese haben wir nun geschaffen.“

Der neue Organisationsaufbau soll zum 1. Januar 2022 umgesetzt werden.

Hintergrund

Kraftfahrzeuge: Im Jahr 2021 sind laut Kreisverwaltung 216 343 Fahrzeuge im Rheinisch-Bergischen Kreis angemeldet: Das verteilt sich auf 183 292 Pkw, 9968 Lkw, 3718 Zugmaschinen und 18 533 Krafträder.

E-Fahrzeuge: Zum Stichtag 1. Januar 2021 waren im Rheinisch-Bergischen Kreis 1481 E-Kraftfahrzeuge gemeldet. In Bergisch Gladbach 496, in Wermelskirchen 267. Burscheid hat mit 47 die geringste Zahl.

Dr. Erik Werdel war zunächst aus dem Krisentab zurückgetreten.

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