Naturschützer kämpfen um mehr Grün in der Stadt

Auch zur Gestaltung der neuen Rampe will der Bund für Umwelt und Naturschutz mehr wissen. Sie soll Radfahrer von der Trasse in die Innenstadt locken und wird kontrovers diskutiert. Foto: Nadja Lehmann
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Auch zur Gestaltung der neuen Rampe will der Bund für Umwelt und Naturschutz mehr wissen. Sie soll Radfahrer von der Trasse in die Innenstadt locken und wird kontrovers diskutiert.

BUND hat Fragenkatalog zum Stadtentwicklungsausschuss vorbereitet

Von Nadja Lehmann

Wenn am heutigen Dienstag der Stadtentwicklungsausschuss zusammentritt, dann will auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Ortsgruppe Burscheid, zur Stelle sein. Man habe diverse Fragen vorbereitet, die man zu Beginn der Sitzung in der Einwohnerfragestunde stellen wolle, kündigt Manfred Lindenau vom BUND an. „In diesen Zeiten der massiven Veränderungen in der Burscheider Innenstadt sehen wir uns veranlasst, mehr Nachhaltigkeit und mehr Augenmaß in der Burscheider Stadtentwicklung anzumahnen.“

Auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses steht der Umbau der Straße Am Kreuzweg. Geplant ist, dabei auch Bäume anzupflanzen. Bereits am 21. März hatte der BUND dazu eine Frage formuliert: „Bei der Straßensanierung Am Kreuzweg sind sieben Baumstandorte vorgesehen. Im Sinne einer Gestaltung, die nachhaltige Effekte im Blick hat, kommen dafür nicht minimalistische Lösungen in Frage, sondern großkronige Bäume mit ökologischen Qualitäten. Welche Arten sind dafür vorgesehen?“ Am 25. März formuliert der BUND seine Frage neu, nachdem die Beschlussvorlage öffentlich geworden ist. Der BUND weist dabei auf Änderungen in der Planung hin: „Für sieben Stellen im Straßenverlauf Am Kreuzweg waren in der Planung vom August 2021 ,Bäume‘ vorgesehen. Ebenfalls ,Bäume‘ hat der Stadtentwicklungsausschuss im Januar 2022 beschlossen. Vier dieser Bäume sind nun laut aktueller Vorlage zu ,Sträuchern/Bodendeckern‘ geschrumpft. Damit wären zweierlei Qualitäten von Grünstandorten differenziert, entsprechend differenziert sich unsere Frage: Welche Arten sind für die Baumstandorte vorgesehen? Wo keine großen Bäume erster Ordnung in Frage kommen – welche kleineren Bäume zweiter und dritter Ordnung wurden auf Eignung untersucht? Und welche ,Sträucher‘ (als Beispiele für eine sinnvolle Referenzgröße mögen Kornelkirsche oder Holunder dienen) sind im Sinne größtmöglichen Effekts geprüft worden?“

Kanalisation muss ohnehin am Kreuzweg erneuert werden

Zur Erinnerung: Weil die dortige Kanalisation ohnehin erneuert und die Straße aufgerissen werden muss, will die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Straße neu gestalten. Sie holte das Ingenieurbüro Brechtefeld und Nafe ins Boot, das zwei Varianten für Am Kreuzweg entwickelte. Bei der Bürgerbeteiligung votierten die Anwohner indes für ihre eigene Variante III – eine Mischverkehrsfläche ohne Baumscheiben. Das wollte der Stadtentwicklungsausschuss indes so nicht stehen lassen – und kombinierte die Variante III mit den Baumscheiben. „Wir sind verantwortlich für ein Stadtbild. Wir haben über den Bürgerwillen hinaus einen Auftrag“: So hatte beispielsweise Ausschussmitglied Bernhard Cremer (Bündnis für Burscheid) argumentiert.

Der BUND hat aber nicht nur Am Kreuzweg, sondern ebenso den Innenstadtpark West sowie die Radrampe von der Trasse empor zur Hauptstraße im Blick und hat auch dazu Fragen formuliert. So wollen die Naturschützer wissen, wie die Rampe in den Grünzug Innenstadt integriert wird. „Auch wenn sie umstritten war und ist: Sie ist jetzt da. Mit der Abstufung, die den Hang aufnimmt, ist sie einigermaßen gelungen an die Topographie angepasst. Ob sie nun im Rahmen ihrer Umgebung mehr als Teil des Grünzugs Innenstadt, weniger als technisches Bauwerk wirkt, hängt von der weiteren Gestaltung ab“, begründet Manfred Lindenau die Nachfragen.

Auch beim Innenstadtpark West sieht der BUND Verbesserungsbedarf und regt an, sich an englischen Gartenanlagen mit ihren „Mixed borders“ zu orientieren, in denen Nutz- und Zierpflanzen kombiniert werden – eine Doppelnutzung, die auch der Innenstadtpark West nach seiner Umgestaltung aufgreifen soll. „Wie wird die Parkanlage stadtökologisch aufgewertet?“, fragt der BUND in seinem Schreiben und will wissen, wo blütenreiche Flächen mit Stauden und Gehölzen geplant sind und wie die grüne Abschirmung zur Friedrich-Goetze-Straße aussehen soll.

„Der Grünzug Innenstadt entlang der ehemaligen Bahntrasse ist in den letzten Jahren sukzessive kleiner geworden, entsprechend haben die Lebensraumqualität mitten im Ort, das Stadtbild und die Wohlfahrtswirkungen von Stadtgrün gelitten. Diese Verluste gilt es auszugleichen, es gilt, systematisch mehr grüne Infrastruktur zu schaffen“, erklärt Manfred Lindenau.

Der Stadtentwicklungsausschuss tagt heute ab 17.30 Uhr im Haus der Kunst. Die Sitzung ist öffentlich.

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