Napoleons Spuren sind bis heute zu finden

Der französische Kaiser Napoleon I. krempelte in den wenigen Jahren seiner Herrschaft ganz Europa nach seinen Vorstellungen um. Auch im Bergischen finden sich bis heute seine Spuren. Ein Bild des ältesten Sohns eines Advokaten aus Korsika ist beispielsweise im Solinger Klingenmuseum zu sehen. Archivfoto: Christian Beier
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Der französische Kaiser Napoleon I. krempelte in den wenigen Jahren seiner Herrschaft ganz Europa nach seinen Vorstellungen um. Auch im Bergischen finden sich bis heute seine Spuren. Ein Bild des ältesten Sohns eines Advokaten aus Korsika ist beispielsweise im Solinger Klingenmuseum zu sehen. Archivfoto: Christian Beier

Französischer Kaiser starb vor 200 Jahren

Von Ursula Hellmann

Zweihundert Jahre ist es her, seit der französische Kaiser Napoleon I. verstarb (Mai 1821). In den wenigen Jahren seiner Regierung gestaltete der älteste Sohn eines Advokaten aus Korsika ganz Europa um – nach seinen eigenen Vorstellungen von Freiheit und Ordnung. Was er in seinem Vaterland veränderte und neu installierte, führte er nach und nach auch in den eroberten Nachbarstaaten als geltendes Recht ein.

Sogar in Burscheid reden prägende Spuren seines Organisationstalentes bis heute eine deutliche Sprache. Die Post liefert auch hier ihre Sendungen zum Beispiel nicht mehr bei den Häusern „zum Bären“ oder „zum Ochsen“ ab. Die Kennzeichnung der Gebäude durch ein Nummernsystem wurde für ganz Europa bindend. Brautpaare hatten seit Napoleon die Erlaubnis, aber auch Pflicht, ihre Eheschließung von staatlicher Seite beglaubigen zu lassen – die kirchliche Trauung kam lediglich als freiwilliger Schritt hinzu.

Linksrheinisch hatten sich auch die Einheiten von Gewichten und Maßen schon vereinheitlicht, was sich im Bergischen dann ebenfalls durchsetzte. Statt in Zoll wurde in Zentimetern gemessen, aus Meilen wurden Kilometer und die Waagen registrierten bald nur noch Kilos und Gramm. Die gravierendste Neuerung: Die Urteile der Gerichte waren nun gebunden an die präzise durchdachte „Code Civil“ ein europaweit einheitliches, bürgernahes Paragrafenwerk.

Zwischendurch ein weniger historisches Überbleibsel: Wie war das in Wahrheit mit der Warnung vieler deutscher Mütter an ihre erwachsenen Töchter: „Mach ja keine Fisimatenten!“ wenn die Gefahr bestand, dass die Mädchen die Einladung „Visité ma tent!“ französischer Soldaten befolgten und diese heimlich in deren Zelten besuchten? Dieser „Kalauer“ hat einen nüchternen ur-deutschen Ausspruch zum Vater. Weil schon die Gebrüder Grimm das Wort Visimetent als Teil der mittellateinischen Kanzleisprache kannten als Begriff für eine nichtige, unnützen Erfindung. Ob es aber da einen gravierenden Unterschied gab?

„Ganz Berg ist eine Fabrik“ – Region war für seine Industrie bekannt

Napoleon und das Bergische Land – und mittendrin Burscheid als eine der Städte, die bereits seit den Anfängen des industriellen Zeitalters berühmt waren. Deutsche und englische Chronisten beschrieben das Herzogtum Berg unter anderem wie folgt: „Ganz Berg ist eine Fabrik – hier findet man wahren Arbeitsfleiß! Bergwerke, Eisenhütten, Kupfer- und Silbergruben, dazu die nötigen Hämmer und Verarbeitungsbetriebe. Es ist ein wirtschaftliches Ballungsgebiet, durchaus vergleichbar mit englischen Industriezentren.“

Einige Jahre hielt sich Kurfürst Karl Theodor noch aus den Revolutionsideen in Frankreich heraus. 1795 wurden aber Solingen, Lennep, Wipperfürth – und wohl Burscheid – durch napoleonische Armeen besetzt. 1805 änderten sich Grenzen und Kompetenzen; was der französische Kaiser an klugen Ordnungen hinterließ, gehört aber bis heute zur Rechtssprechung, zu Kultur und Bildung.

Über die Person des großen Franzosen und der ihm zugeschriebenen Fortschritte fürs Bergische Land weiß einer besonders viel zu erzählen. Dr. Karl-Ulrich Voss vom Bergischen Geschichtsverein: Napoleon hatte in weltbekannten Künstlern wie Heine und Schumann scharfe Kritiker und Verehrer in gleichem Maße. Für Burscheid war Pfarrer Johannes Löh von manchen Entscheidungen Napoleons überzeugt, war aber von dessen Rückkehr zur absoluten Monarchie enttäuscht. Gute Reformpläne wurden bald von einer Vetternwirtschaft und eiskaltem Einsatz von Militär überschattet. Was an bürgerlicher Eigeninitiative zurückblieb, führte im Nachhinein zu einer überzogenen Verehrung Napoleons. Sogar seine stolze Selbsteinschätzung lässt sich bis heute nicht verleugnen: Selbsteinschätzung lässt sich bis heute nicht verleugnen: „Waterloo wird das Andenken an meine gewonnenen Schlachten wohl auslöschen; aber nichts kann meinen „Code Civil“ zerstören.“ Historische gesicherte Daten finden sich in vielen Schriftwerken –einzusehen in den Archiven des Bergischen Geschichtsvereins.

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