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Nachhaltige Wolle erkennen lernen

Schurwolle stammt nur von lebenden Schafen.
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Schurwolle stammt nur von lebenden Schafen.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Die Verbraucherzentrale Bergisch-Gladbach gibt Tipps.

Burscheid. Decken, Pullis und Socken aus Wolle halten an kalten Tagen schön warm. Für die tierischen Fasern spricht, dass Textilien aus hundert Prozent Wolle, anders als Fleeceprodukte aus Kunstfaser kein Mikroplastik, freisetzen. Sie sind ein nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff. Tierfreundlich gewonnen wird Wolle jedoch nicht immer. Zudem sind die Etiketten an den Textilien oft nicht verständlich. Wie finden Verbraucherinnen und Verbraucher also zu möglichst nachhaltiger Wolle?

Die Faserzusammensetzung von Textilien muss auf dem gesetzlich vorgeschrieben Etikett gekennzeichnet sein. Dies gilt auch für Produkte im Online-Handel. So lässt sich feststellen, ob und zu welchem Anteil ein Textil aus Wolle besteht. Ob die kuschelig aussehende Jacke beim Tragen unangenehm kratzt, lässt sich allerdings nur durch Anfassen herausfinden – gerade empfindliche Menschen sollten Wollsachen daher besser im Handel vor Ort kaufen. Der Begriff Schurwolle ist übrigens Wolle vorbehalten, die direkt vom lebenden Schaf stammt und vorher noch nie zu Fasern verarbeitet wurde.

Am besten für Umwelt und Klima ist Wolle, die nicht neu produziert werden muss. Eventuell vorhandene Löcher selbst zu stopfen oder vom Profi flicken zu lassen, ist bei Wollsachen in jedem Fall die Mühe wert. Günstige und weiterhin gut tragbare Kleidung aus Wolle gibt es in Second-Hand-Läden. Eine weitere Alternative ist Neuware aus recycelter Wolle – also auf entsprechende Hinweise auf der neuen Decke oder dem neuen Pulli achten.

Die geringere Umweltbelastung und das Tierwohl sprechen für biologische Tierhaltung. Allerdings ist der Begriff „Bio“ bei Textilien, anders als bei Lebensmitteln, nicht geschützt. Hier helfen vor allem Textil-Siegel wie der Global Organic Textile Standard (GOTS) und das Siegel des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN) weiter. Zusätzlicher Vorteil: Bei diesen Siegeln sind gesundheits- und umweltschädigende Stoffe während der gesamten Fertigung reglementiert. Der Responsible Wool Standard von Textile Exchange stellt tierfreundlichere Haltungskriterien auf und verbietet beispielsweise das „Mulesing“ bei Merinoschafen - das Abschneiden von Hautfalten ohne Betäubung. Es gibt auch kleine Hersteller, die offenlegen, woher ihre Wolle stammt und wie die Tiere gehalten und behandelt werden. Es lohnt sich also, auf die Etiketten oder Internet-Informationen des Herstellers zu schauen.

Wolle muss viel seltener gewaschen werden als Chemiefasern, weil sich Gerüche sehr gut auslüften lassen. Außerdem wirkt enthaltenes Wollfett fleckabweisend. Wenn bei Verschmutzung eine Wäsche nötig ist, sind spezielle Wollwaschmittel und das Wollprogramm der Waschmaschine oder Handwäsche bei niedrigen Temperaturen notwendig. Vorsicht: Durch zu hohe Waschtemperaturen und Schleudern kann Wolle verfilzen und einlaufen. Zum Schutz vor Motten und Käfern empfiehlt es sich, die Wollsachen nach der Wintersaison zu waschen und in luftdicht schließenden Vakuumaufbewahrungsbeuteln zu lagern.

Über die chemische Behandlung der Wollfasern sagt das gesetzlich vorgeschriebene Etikett nichts aus. Werbeaussagen wie „superwash“, oder „Fleckschutz“ sind aber Hinweise, dass die Wolle mit Chemikalien behandelt wurde, die möglicherweise gesundheits- und umweltschädlich sind. Wenn mit Schutz vor Motten oder anderen Schädlingen geworben wird, muss der biozide Wirkstoff angegeben werden. Wenn damit nicht geworben wird, kann die Wolle trotzdem mit Insektenvernichtungsmitteln (Bioziden) behandelt worden sein, es muss in diesem Fall aber nicht kenntlich gemacht werden.

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