Hochwasser

Nachbarn packen an der Gerstenmühle an

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Wiembach setzte alles unter Wasser – Anwohner erleben Welle der Hilfsbereitschaft

Von Michael Corts

Burscheid. Es war eigentlich ein ganz normaler Mittwoch. Nur dass es schon seit der Nacht unentwegt regnete, nein, es schüttete regelrecht. Mecki Junker blickte aus ihrem Fenster in der Gerstenmühle Richtung Wildblumenwiese, die ihr kürzlich verstorbener Mann Det angelegt hatte.

Dort, parallel zur schmalen Straße Richtung Dürscheid, verläuft ein kleiner Graben, in dem sich das im Sommer üblicherweise nur rinnsalartig dahinkriechende Wasser des Repinghofer Siefen seinen Weg sucht und ihn stets findet.

„Trotz der Situation verbreiteten die Helfer eine gute Stimmung. Das hat mir geholfen und alles etwas leichter gemacht.“

Mecki Junker über die Helfer

An diesem Julitag war es aber anders. Der Graben füllte sich schnell bis auf Straßenniveau, und als sich die unterirdische Verrohrung mit Geröll und Ästen zusetzte, schwappte die braune Brühe über und überschwemmte das idyllische Anwesen. Gleichzeitig füllte sich der hinter dem Haus verlaufenden Wiembach dramatisch und ignorierte schon bald das ihm erst vor zwei Jahren vom Wupperverband neu spendierte hochwasserschützende Bachbett.

In wenigen Stunden verwandelten die reißenden Wassermassen das gesamte Grundstück in eine Schlammwüste, zerstörten Einfahrt und Zäune und nahmen durch die Lichtschächte den Gewölbekeller in Beschlag. Eine unterspülte Buche am Bachufer kippte um und riss die oberirdische Stromversorgungsleitung mit sich. Die herbeigerufene Feuerwehr organisierte schnell Hilfe durch die Energieversorgung Leverkusen, riet aber Mecki Junker, ihr Zuhause zu verlassen. Nur für wenige Stunden hielt sie es bei Freunden aus.

Mitbesitzer begaben sich überstürzt auf die Heimreise

Zu groß war die Sorge um ihre Wohnung und die der Hausmitbesitzer Barbara und Volkmar Trensch, die sich auf der überstürzten Rückreise von ihrem Urlaubsort befanden. Dann aber geschahen fantastische Dinge.

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Heike und Edwin Elias aus Dürscheid hatten mitbekommen, was dort in ihrer Nachbarschaft los war. Per Dorf-WhatsApp wurde kurzerhand ein Hilfstrupp organisiert. Mit Schubkarren, Schippen und Besen bewaffnet zogen an die 20 Leute durchs Tal zur Gerstenmühle und legten sich ins Zeug.

Die Zufahrt wurde mit eilig besorgtem Schotter neu gerichtet, Wiese und Hof vom dicken Schlamm befreit, und wer nicht tatkräftig anpacken konnte, versorgte die Heinzelmännchen im Wiembachtal mit Mettbrötchen, Kuchen und Kaffee. Mecki Junker erinnert sich: „Trotz der furchtbaren Situation verbreiteten die Helfer eine besondere, gute Stimmung. Das hat mir geholfen und alles etwas leichter gemacht.“

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Doch die Hilfsbereitschaft erfuhr noch eine Steigerung. Auch Knut Cromm aus Repinghofen hörte vom Hochwasser in der Nachbarschaft. Als Vorsitzender der Burscheider Turngemeinde hatte er schnell einige Kontakte aktiviert und Leute besorgt, mit denen er sich ebenfalls zur Gerstenmühle auf den Weg machte.

Barbara Trensch erlebte die Hilfe und beschreibt: „Gut organisiert haben die Helfer aus Repinghofen mit einer Eimerkette den meterhohen Schlamm aus unserem Keller heraus geholt. Dass fremde Menschen uns Hilfe geleistet haben, hat mich überwältigt.“

Heute, nach gut vier Wochen, lassen sich schon im neuangelegten und eingesäten Mutterboden die ersten grünen Halme sehen.

In den Gedanken der Betroffenen ist allerdings noch kein Gras über das Erlebte gewachsen. Mecki Junker und das Ehepaar Trensch werden die Flut im Wiembachtal bestimmt noch lange in Erinnerung behalten. Die uneigennützige und schnelle Hilfe der Menschen aus ihrer Nachbarschaft werden sie nicht vergessen.

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