Nun muss Armin Laschet die Volkspartei wieder zusammenführen

Das Bergische kennt der Aachener Armin Laschet; auch in Burscheid war er schon zu Gast.Archivfoto: Roland Keusch
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Das Bergische kennt der Aachener Armin Laschet; auch in Burscheid war er schon zu Gast.Archivfoto: Roland Keusch

Den neuen Bundesvorsitzenden erwartet keine leichte Aufgabe, sagt die Vorsitzende der Burscheider CDU, Erika Gewehr

Von Nadja Lehmann

Eigentlich hatte ihr Herz für Norbert Röttgen geschlagen, das gibt Erika Gewehr im Nachgang gerne zu. „Ich habe ihn bereits einige Male gehört, fand ihn überzeugend“, sagt die Vorsitzende der Burscheider CDU. „Ich hatte aber schon vorab das Gefühl, dass es sich zwischen Armin Laschet und Friedrich Merz entscheiden wird.“ Das Verhalten des Letzteren nach der Wahl des neuen Bundesvorsitzenden der CDU habe nicht nur sie irritiert, sagt Gewehr. Möglicherweise auch deshalb habe sie nach Laschets Wahl viele Reaktionen vernommen à la „Gott sei Dank“. „Wir können damit leben, wir sind Demokraten“, sagt die erfahrene Kommunalpolitikerin dazu.

Sie hat Laschet persönlich kennengelernt, als er 2010 nach Burscheid kam. Damals kämpfte er um den CDU-Landesvorsitz. Sein Gegner war der damalige Bundesumweltminister. Und der hieß: Norbert Röttgen.

„Armin Laschet ist ein sehr angenehmer Mensch. Freundlich, offen, ohne Allüren“, sagt Gewehr. Das sollte aber niemanden dazu verführen, den CDU-Politiker zu unterschätzen. „Er ist ein Parteisoldat im guten Sinne. Ihm geht es um die Sache“, sagt Gewehr. Ihrer Meinung nach ist Laschet der richtige, die drei Lager, die sich im Wahlkampf aufgetan haben, zu einen und zu versöhnen. „Dass er integrieren kann, hat er schon mehrfach bewiesen.“ Einen Bärendienst indes habe ihm Jens Spahn erwiesen, findet Gewehr: Der Bundesgesundheitsminister, der im NRW-Wahlkampf mit Laschet ein Tandem gebildet hatte, nutzte eine digitale Fragerunde nicht für eben solche, sondern für Laschet-Werbung – ein Auftritt, den er später bedauerte.

Auch Friedrich Merz machte in Gewehrs Augen nach seiner Niederlage wenig gute Figur. Seine Ambitionen, Bundeswirtschaftsminister zu werden, lösen bei ihr nur Kopfschütteln aus. „Man kann von Kanzlerin Merkel nicht erwarten, dass sie Amtsinhaber Peter Altmaier entlässt.“ Statt sich in den Dienst der Sache zu stellen, habe Merz sein Feld frei boxen wollen: Erika Gewehr bedauert das. Denn gleichzeitig sagt sie, wie es so viele über Merz tun, dass er blitzgescheit ist, Ideen hat und gute Ansätze: „Die sollte Armin Laschet auch aufgreifen.“

Denn das sei die große Kunst eines Parteivorsitzenden: „Er muss alle einbinden, alle mitnehmen. Er muss alle Strömungen und Visionen aufgreifen, damit es ein Ganzes gibt.“ Das sei bei einer so komplexen Struktur wie einer Volkspartei eine schwere Aufgabe: „Der Vorsitzende muss auf alle Charaktere zugehen können.“ Dass Laschet das Zeug dazu hat, bezweifelt Gewehr nicht: „Er wird in diese Aufgabe hineinwachsen. Erinnern wir uns daran, wie viel Kritik Merkel anfangs in dieser Position einstecken musste.“

Gewehr kann sich Ina Scharrenbach für viele Ämter vorstellen

Wer aber könnte demnächst die CDU in NRW führen? „Herbert Reul traue ich es zu“, sagt Erika Gewehr über den Landesinnenminister. Ob der inzwischen 68-Jährige dieses Amt überhaupt anstrebt, ist in Gewehrs Augen gar nicht sicher. Ihre Wunschkandidatin ist ohnehin Ina Scharrenbach, die NRW-Heimatministerin. „Eine redegewandte, kluge Frau mit großem Wissen“, zollt Gewehr Respekt. Und auch als Ministerpräsidentin wäre Scharrenbach nach Gewehrs Einschätzung eine ausgezeichnete Wahl. „Aber das wird sich zeigen. Bis dahin ist noch viel Zeit.“ Denn ob Laschet Kanzlerkandidat wird oder doch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, werde sich weisen.

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