Musiktherapeutin integriert das Singen in den Patienten-Alltag

Freut sich über die Auszeichnung: Kerstin Kellermann. Foto: Klinik Wersbach
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Freut sich über die Auszeichnung: Kerstin Kellermann.

Die Klinik Wersbach in Witzhelden erhält das Zertifikat „Singende Krankenhäuser“

Von Nadja Lehmann

Wer singt, der weiß es schon lange: Es macht glücklich. Singen kann entspannen, beruhigen, das Gefühl von Gemeinschaft vermitteln. Wer erinnert sich nicht gerne an die Geborgenheit, wenn die Eltern am Bett ein Gute-Nacht-Lied sangen, man es bis zum Einschlafen mitsummte oder mitsang? Ähnlich positive Gefühle weckt das heilsame Singen, das mittlerweile in einigen Krankenhäusern für Patienten angeboten wird.

Auch die Klinik Wersbach für seelische Gesundheit in Witzhelden lädt Menschen zu dieser Form eines leistungs- und wertfreien Singens einfacher, eingängiger Lieder aus verschiedenen Kulturen ein. Wie andere Krankenhäuser hat sie diese Form der Musik in den Klinikalltag integriert und wurde dafür vom Verein „Singende Krankenhäuser“ zertifiziert. Die Singgruppe im Krankenhaus gilt nicht als Therapieansatz, sondern als eine gute Ergänzung.

„Das ist ein Bausteinchen unserer Arbeit. Das heilsame Singen ist einfach gestaltet, mit ganz vielen Wiederholungen. So ist es fast wie ein Mantra-Singen. Es schafft einerseits Gemeinschaft, andererseits findet man auch zu sich selbst“, sagt Kerstin Kellermann. Die Musiktherapeutin der Klinik Wersbach trägt als Beispiel ein Willkommenslied vor, das die Gruppe oft zu Beginn eines Treffens gemeinsam anstimmt. Schon nach wenigen Takten kann jeder die einfache Melodie mitsummen und mit Textblatt auch mitsingen. Es wirke beruhigend, verbinde, schaffe ein Gefühl von Zusammenhalt, Gemeinschaft, Angenommen-Sein, sagt sie.

Manchen Patienten koste es anfangs Überwindung vor anderen zu singen, weil sie beispielsweise in der Schulzeit mit Vorsingen negative Erfahrungen gemacht hätten. Anfängliche Hemmschwellen werden behutsam überwunden. Den Teilnehmern vermittelt Kerstin Kellermann, dass es beim Singen nicht um richtig und falsch geht, sondern um eine ungezwungene Singerfahrung. Es wird daher Wert auf einen respektvollen Umgang miteinander gelegt. Begleitet wird der Gesang teilweise mit Gitarre, Rasseln oder Percussion-Instrumenten.

Zweimal in der Woche gibt es dieses offene, einstündige Angebot zum Start in den Tag oder zum Ausklang. In Corona-Zeiten bedeutet dies trotz regelmäßiger Schnelltests aller Patienten, möglichst draußen zu singen – mit viel Abstand und Maske in einer Gruppe von bis zu zehn Patienten oder auch nur zu summen statt zu singen. Kellermann: „Was derzeit möglich ist, spreche ich immer mit der Geschäftsführung ab.“

Zum Repertoire gehören auch schwung- und stimmungsvolle Lieder oder Wunschsongs von den Patienten. Die Auswahl passe sie der jeweiligen Gruppe an. Ein künstlerischer Anspruch wird nicht erhoben. „Es geht um den spontanen Stimmausdruck, oft ergänzt durch leichte Bewegungen oder eine Beobachtung der Natur“, beschreibt die Musiktherapeutin die Praxis des heilsamen Singens. Es fördere nicht nur die Selbstheilungskräfte, sondern auch die Dialogfähigkeit mit anderen und mit sich selbst. Und die Texte können eine Auseinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit des Lebens fördern – wobei „Singende Krankenhäuser“ nicht konfessionsgebunden seien. Insgesamt erhalte sie von den Teilnehmern eine positive Resonanz auf das heilsame, Freude weckende Singen, viele seien begeistert.

Um das Angebot an einem Krankenhaus etablieren zu können, hat Kerstin Kellermann in mehreren Ausbildungsmodulen eine Zusatzqualifikation als Singleiterin erworben. Die Idee der „Singenden Krankenhäuser“ geht auf die Initiative des Singforschers und Musiksoziologen Karl Adamek zurück. Sein Ziel: das Singen im Alltag wegen seiner positiven Wirkung fördern.

„Singende Krankenhäuser“ ist ein internationales Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen. Die Vision des Vereins ist ein Gesundheitswesen, in dem Menschen die heilsame Wirkung des Singens erlebbar und zugänglich gemacht wird. Zahlreiche Forschungen und Studien würden die vielfältigen gesundheitsfördernden Wirkungen des Singens auf Körper, Geist und Seele belegen.

Kerstin Kellermann hat ihre Ausbildung in Heidelberg absolviert

Singleiterin Kerstin Kellermann hat an der Fachhochschule für Musiktherapie in Heidelberg ihren Abschluss als Diplom-Musiktherapeutin erlangt. Sie arbeitete in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken in Freiburg und Waldbreitbach. Seit 2006 ist sie in der Klinik Wersbach als Musiktherapeutin tätig. Ihr Zertifikat als Singleiterin erhielt sie im März 2021.

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