Pandemie

Musikschule ist in Corona-Zeiten gewachsen

Leiter Thomas Kinzel hat mit seinem Team vielfältige Pläne für die Zukunft der Musikschule. Archivfoto: Herbert Draheim
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Musikschulleiter Thomas Kinzel freut sich über die Ausweitung der Angebote an der Höhestraße.
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Die Zukunft der Einrichtung zu sichern, bleibe Hauptanliegen, betont Leiter Thomas Kinzel

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Thomas Kinzel ist zufrieden. „Jede Woche ist zwar alles wieder anders“, sagt der Leiter der Burscheider Musikschule. „Aber alles ist besser als Lockdown.“ Deshalb ist er glücklich, dass der Unterricht in Präsenz stattfinden kann. Natürlich aber unter genauen Corona-Maßgaben. Die Schüler bis 15 Jahre gelten quasi als automatisch gesetzt, ab 16 Jahre muss jeder und jede 2G nachweisen. Im Gesangsunterricht und bei den Bläsern – Stichwort Aerosole – ist 2G plus vorgeschrieben, heißt: Ein zusätzlicher Test ist Pflicht. „Wir Lehrer erfüllen alle komplett 2G; geboostert sind auch schon einige“, berichtet Kinzel. Und die gute Nachricht: Trotz dieser Einschränkungen befindet sich die Musikschule auf Wachstumskurs. „Wir haben derzeit knapp 600 Schülerinnen und Schüler“, sagt Kinzel stolz.

Zu verdanken ist das dem Elementarbereich. „Wir haben unser Angebot deutlich ausgeweitet“, sagt Thomas Kinzel. So wurden die Eltern-Kind-Kurse, die eine Zeit lang pausiert hatten, wieder neu aufgelegt: Seitdem beleben die „Klangküken“ (bis drei Jahre) sowie die „Klangmäuse“ (drei bis vier Jahre) in Begleitung eines Elternteils wieder das Haus. „Da geht es darum, ganz spielerisch die Musik zu entdecken“, erklärt Kinzel. Er freut sich darüber, dass auch in der Musikalischen Früherziehung (vier bis sechs Jahre) eine neue Gruppe gestartet ist. „Da können wir auch unsere Kooperationspartner bestücken. Ich bin sehr zufrieden“, bekennt der Musikschulleiter.

Einen kleinen, dennoch schmerzlichen Tribut muss die Musikschule Corona aber doch zollen: Die lang ersehnte Gründung eines Kinderchors bleibt in der Warteschleife. „Wir haben bislang nur wenige Anfragen. Die Verunsicherung ist groß, und ich kann das verstehen. Ich weiß auch nicht, ob ich als Elternteil mein Kind gerade im Chor anmelden würde“, sagt Kinzel offen. Aufgeschoben ist aber keinesfalls aufgehoben, denn der passende Pädagoge steht hinter den Kulissen schon parat.

Eigentlich würde die Musikschule in diesem Jahr große Feste feiern. Denn sie begeht ihr 50-jähriges Bestehen. Zwei Dinge machen einen Jubiläumsreigen indes schwierig: Das bekannte Virus natürlich. Aber auch der Umbau des Haus der Kunst, in dessen Souterrain die Musikschule zu Hause ist. „Zum 1. Juni müssen wir raus sein“, berichtet Kinzel. Wo die Musikschule Unterschlupf finde, wisse man noch nicht, die Stadtverwaltung sei aber involviert und aktiv. „Ich bin an sich optimistisch, dass wir im September eine zentrale Veranstaltung zum Jubiläum hinkriegen“, sagt Kinzel. Das Konzept dazu wolle man demnächst erarbeiten. Und er ist auch zuversichtlich, wieder zum Backfest an die Lambertsmühle einladen zu können, wo sich in lockerer Atmosphäre jeweils ein Fachbereich der Musikschule in der Vergangenheit vorstellen durfte. „Dieses Mal werden es wohl die Bläser sein.“

Das große Ziel aber bleibt: die finanzielle Zukunft der Musikschule zu sichern. „Das bleibt unser Hauptanliegen“, unterstreicht Kinzel und weiß sich darin einig mit der Musikschulvorsitzenden Stephanie Kernke. Unterstützung wird es dazu durch die Burscheid-Stiftung der Kreissparkasse Köln geben – ein Deal, den der verstorbene Bürgermeister und Kuratoriumsvorsitzende Stefan Caplan maßgeblich mit eingefädelt hatte und der nun allmählich Fahrt aufnimmt. Kinzel freut sich darüber, zeigt aber auch die Grenzen auf: „Das Ganze ist auf drei Jahre befristet. Die Stadt wird sich irgendwann einbringen müssen. Die kostenfreie Nutzung der Räume allein hilft uns nicht weiter.“ Zumal er davon ausgehe, dass die Musikschule ihren Auszug aus dem Haus der Kunst selbst finanzieren müsse.

Unterstützung durch die Burscheid-Stiftung ist ins Rollen gekommen

Mit der Unterstützung der Burscheid-Stiftung ist auch eine Expertise verbunden, die die Musikschule auf Einsparpotenzial abklopfen soll. Diese hat, davon unabhängig, statt zuvor 35 nun 30 Dozenten: „Wir gehen dazu über, dass jeder Lehrer mehr Schüler unterrichtet als früher in Kleinstanstellungen.“ Entlastung bei den Personalkosten bringt auch der erfolgreiche Antrag bei der „Musikschuloffensive“, einem Förderprogramm des Landes. Das bescherte der Musikschule zwei Lehrkräfte, die sich neben ihrer Lehrtätigkeit auch um Übergeordnetes kümmern – wie die Elementarpädagogik und die Digitalisierung. „Das ist auf vier Jahre befristet, kann aber auch verlängert werden“, sagt Kinzel.

Positive Impulse erhofft er sich auch vom neuen Haus der Kulturen, in das die Musikschule wieder zurückkehren wird. „Wir haben dann eine Auswahl an größeren Räumen, die anders zugeschnitten sein werden als jetzt.“ Von Verschönerungsmaßnahmen wie einem neuen Anstrich sei indes nicht die Rede, schränkt Kinzel ein: „Vielleicht nehmen wir ja selbst den Pinsel in die Hand.“

Musikschule und Politik

Bereits 2020 hatte Musikschulleiter Thomas Kinzel gewarnt: Spätestens 2022 seien die Rücklagen aufgebraucht. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr. SPD und Bündnis für Burscheid als auch die FDP brachten daraufhin Anträge für eine Finanzierung durch die Stadt ein, die aber jeweils keine Mehrheiten fanden. Das Gegenargument: Wenn man jetzt beginne, einen Verein finanziell zu unterstützen, sei das ein Dammbruch, der Begehrlichkeiten wecke.

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