Finanzen

Musikschule hofft auf Unterstützung der Stadt

Musikschulleiter Thomas Kinzel schlägt Alarm: Die finanzielle Situation ist mehr als unsicher. Archivfoto: Herbert Draheim
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Musikschulleiter Thomas Kinzel schlägt Alarm: Die finanzielle Situation ist mehr als unsicher.
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Die Lichter an der Höhestraße könnten sogar schon 2021 ausgehen, wenn der Landeszuschuss wegfällt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Heute Abend wird Thomas Kinzel in der Wuppertaler Musikschule arbeiten müssen. Gedanklich wird der Leiter der Burscheider Musikschule aber im Haus der Kunst sein. Dort nämlich geht es aus seiner Sicht um viel. Auf seiner Sitzung wird der Hauptausschuss bei der Einbringung des Haushalts über Geld sprechen. Geld, von dem die Musikschule gut etwas gebrauchen könnte: Man hofft auf einen städtischen Zuschuss. „Ich bin allerdings“, sagt Thomas Kinzel, „nur verhalten optimistisch.“

Flagge gezeigt hat die Musikschule gerade eben erst: Man überreichte Bürgermeister Stefan Caplan eine Unterschriftenliste: 1212 Unterzeichner baten darin die Stadt, die Musikschule nicht hängenzulassen und schlossen sich deren Bitte um finanzielle Unterstützung an. „Mehr als 1200 Unterschriften, das ist ein toller Wert“, freut sich der Musikschulleiter. „Und wenn wir das in großem Stil aufgezogen hätten, wären es sehr wahrscheinlich noch mehr gewesen.“ Denn auf Werbung und Aufrufe hatte man verzichtet, hatte sich stattdessen auf Eltern und Schüler konzentriert. „Wir haben auch erst spät damit angefangen. Wir wollten erste Unterschriften nach den Sommerferien sammeln, dann wurde es doch Mitte November“, bilanziert Kinzel.

Eine Reaktion des Bürgermeisters sei bisher ausgeblieben, bedauert Kinzel. „Es gibt unterschiedliche Strömungen; wir haben Befürworter und Gegner.“ Zu Ersterern zählen SPD und Bündnis für Burscheid (BfB), die sich bereits ihrerseits für eine dringend gebotene Unterstützung durch die Stadt aussprachen.

„Der Wegfall des Landeszuschusses wäre unser Todesurteil.“
Thomas Kinzel, Leiter der Burscheider Musikschule

Für für die Musikschule steht viel auf dem Spiel. Thomas Kinzel: „Durch das Ausbleiben der städtischen Beteiligung an den Betriebskosten ist nun auch der jährliche Landeszuschuss gefährdet. Dieser setzt eine zusätzliche kommunale Förderung voraus.“ Bisher habe das Land da „ein Auge zugedrückt“, weiß der Musikschulleiter. Doch damit sei es nun vorbei, weil man sich um ein weiteres, neues Förderprogramm beworben habe und somit stärker in den Fokus geraten sei.

„Der Wegfall des Landeszuschusses wäre unser Todesurteil“, sagt Kinzel ohne Wenn und Aber. „Es sind die einzigen Mittel, die wir bekommen haben.“ Diese beziffert er auf rund 11 000 Euro pro Jahr. „Würden sie wegfallen, können wir nicht ausschließen, dass wir noch im Laufe dieses Jahres dichtmachen müssen.“

Auch das neue Landesförderprogramm mit Namen „Musikschuloffensive“ könne dies nicht kompensieren. „Die Mittel sind zweckgebunden und dienen der Schaffung sozialversicherungspflichtiger Stellen“, unterstreicht Kinzel. Burscheid gehöre zu den zuwendungsfähigen Schulen und könne mit bis zu 25 000 Euro rechnen – aber auch dies sei an eine kommunale Beteiligung gekoppelt.

„Wir sparen, wo wir nur können“, sagt Kinzel. Spenden und Unterrichtsgebühren helfen, über die Runden zu kommen. Hoffnung setzt er außerdem auch auf den Entwurf eines Kulturgesetzbuches, das der Landtag im Lauf des Jahres verabschieden will: Darin sollen alle in NRW für Kunst und Kultur relevanten Rechtsvorschriften erstmals in einem eigenen Gesetzbuch übersichtlich und transparent zusammengefasst werden. „Darin sind wir ganz klar als kommunale Musikschule erfasst“, sagt Thomas Kinzel. Künftig sei dies ein Gütesiegel, das es zu erwerben gelte, mit dem aber auch Verpflichtungen für eine Kommune einhergingen. „Wir hoffen, dass dann zur Kenntnis genommen wird: Wir sind die Musikschule der Stadt.“

Bereits im vergangenen Frühjahr hatte das Musikschulteam Alarm geschlagen und auf seine prekäre Finanzsituation aufmerksam gemacht. Bis dahin hatte eine private Erbschaft ein kleines Polster gebildet. Indes sind diese Rücklagen, so machte es Kinzel mit Kollegen im Mai deutlich, bald aufgebraucht. „Wir leben finanziell von der Substanz“, hatte Kinzel erklärt. „Die Rücklagen gehen zur Neige. Dann müssten wir schließen.“ Als drohenden Termin hatte Kinzel damals 2022 genannt. Das wäre ein Jahr mit Symbolkraft: Die Musikschule würde dann eigentlich ihr 50-jähriges Bestehen feiern können.

„Wir sind dankbar, dass wir Angebote machen können“, sagt Kinzel mit Blick auf Lockdown und Pandemie. Doch nun, mit einem drohenden Wegfall des bisherigen Landeszuschusses, könnten in der Musikschule die Lichter sogar noch früher ausgehen als 2022.

Kommentar von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@rga-online.de

Wie eine Keule traf die Kommunen die Ankündigung des Rheinisch-Bergischen Kreises, die Umlage erhöhen zu wollen. Ein Mehraufwand, den keine Kommune aus der Portokasse stemmen kann. Für Burscheid, das sich gerade erfolgreich selbst aus dem Schuldenberg herausgearbeitet hat, wäre dies besonders bitter. Soll sagen: Geld hat keine Kommune zu verschenken. Indes ist es aber doch bemerkenswert, wie ruhig es auf die Alarmsignale und Hilferufe der Burscheider Musikschule bleibt. Dieser steht das Wasser bis zum Hals. Burscheid, die Musikstadt, ohne Musikschule? Diese Blamage scheint nicht mehr unmöglich zu sein. Die Frage ist aber, ob sich eine Stadt ein solches kulturelles Debakel leisten kann – hinsichtlich ihrer Strahlkraft und ihrer geistigen Attraktivität. Eine Musikschule führt junge Menschen an weit mehr als nur an Noten heran. Darauf kann eine Stadtgesellschaft nicht verzichten.

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