Coronavirus

Musikschul-Unterricht geht wieder online

Präsenzunterricht darf es derzeit in der Musikschule nicht geben.
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Präsenzunterricht darf es derzeit in der Musikschule nicht geben.
  • VonNadja Lehmann
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Burscheids Leiter Thomas Kinzel hat Verständnis für die Maßnahmen, wünscht sich künftig aber mehr Differenzierung.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Es ist Lockdown, und die Musikschulen sind wieder mit dabei. Jedenfalls in Nordrhein-Westfalen, das als einziges Bundesland seine Musikschulen schließt. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt auch Thomas Kinzel. „Der Vorteil ist: Wir haben das ja schon durchgemacht.“

Wie bereits im Frühjahr wird die Musikschule nun wieder zu ihren digitalen Angeboten zurückkehren. Die haben sich einerseits zwar gut eingespielt, andererseits gibt es einen Haken: „Die Akzeptanz für den Online-Unterricht ist deutlich gesunken“, schildert Kinzel seine Beobachtungen. Für ihn ist das nachvollziehbar. „Im Frühjahr hatten wir einen kompletten Lockdown. Es gab nichts mehr. Jetzt aber sind die Schüler wieder in ihren gewohnten Strukturen. Und sie nehmen die Nachteile des digitalen Unterrichts wahr.“

Leiter Thomas Kinzel geht wie alle Dozenten wieder online.

Man dürfe auch nicht vergessen, sagt Kinzel, dass nicht jeder Schüler automatisch die technischen Voraussetzungen habe: Ein schlechter Klang, ein verzerrtes Bild, eine mangelhafte Übertragung – dies alles schmälere das Vergnügen.

Dabei sei der komplette Lockdown für die Musikschulen gar nicht zwingend notwendig gewesen; das sieht Thomas Kinzel ähnlich wie Musikschulkollegen in der Region. Die beiden Leiter der Musikschule Radevormwald, Bert Fastenrath und Michael Borner, hatten sich zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass der Großteil der Stunden als Einzelunterrichtet stattfindet. Das sei auch in Burscheid nicht anders, bestätigt Thomas Kinzel. Beim geforderten Abstand reiche mithin ein Raum von ungefähr 15 Quadratmetern völlig aus: „Tatsächlich unterrichten wir ja in großen Klassenzimmern.“

Einen differenzierteren Blick hätte er sich da von Seiten der Regierung gewünscht, sagt Kinzel. Unterstützung gibt es vom Landesverband der Musikschulen, der bereits aktiv geworden ist, wie Kinzel berichtet. Aber auch die Musikschule musste sich erst Klarheit verschaffen, was geht und was nicht. „Die Schutzverordnung ist ziemlich schwammig formuliert“, sagt der Leiter. Dort habe es nur geheißen, dass „sämtlicher Unterricht“ untersagt sei: „Demnach hätten wir nicht einmal Online-Angebote machen dürfen“, sagt Kinzel.

„Wir sind mit der Schließung ja nicht allein.“
Thomas Kinzel

Doch der Leiter der Burscheider Musikschule ist keiner, der nur kritisieren mag. „Ich habe an sich volles Verständnis“, sagt er. „Maßnahmen, um die steigenden Infektionszahlen einzudämmen, müssen sein. Da stehen die Politiker unter hohem Handlungsdruck.“

Erleichtert ist er, dass die Musikschule ihre Kooperatioen mit der Ernst-Moritz-Arndt-Schule, der Grundschule Dierath und dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Lützenkirchen fortsetzen kann. Ob das auch mit den Kitas klappe, sei noch offen, entscheide sich aber dieser Tage.

„Wir sind mit der Schließung nicht allein. Es trifft viele“, sagt Kinzel mit Blick auf Gastronomie, Kinos, Veranstaltungen. „Ich hoffe einfach, dass wir diesen überschaubaren Zeitraum gut überstehen.“ Und mit dem Online-Unterricht habe man ja eine Alternative: Auch wenn diese „unfassbar anstrengend“ sei, wie er zugibt. „Angefangen vom wenig ergonomischen Sitzen, damit der Schüler Lehrer und Instrument sieht, bis zum oft schlechten Klang. Der Energieaufwand von drei Präsenz-Unterrichtsstunden ist geringer als eine Online-Stunde. Sie verlangt hohe Konzentration.“

Und auch deshalb wünscht sich Kinzel zukünftig differenziertes Augenmaß – für die rund 550 Schüler und die 31 Dozenten in Burscheid. Dass er diese weiterbezahlen konnte, darüber ist der Musikschulleiter glücklich.

Weniger froh macht ihn die finanzielle Lage der Musikschule. Bereits im Mai hatte er Alarm geschlagen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Schule mittlerweile an ihre Rücklagen musste. Diese sind der Luchtenberg-Stiftung zu verdanken. Mittelfristig aber werden sie aufgebraucht sein. Spätestens 2022, ausgerechnet dann, wenn die Musikschule ihr 50-jähriges Bestehen feiern würde, gingen dann die Lichter aus.

Schon im Mai hatte sich Kinzel ein Bekenntnis der Stadt zu ihrer Musikschule gewünscht. Das einst bis über die Ohren verschuldete Burscheid hatte die Musikschule lange nicht unterstützen können. Das blieb auch so, als sich die klamme Kommune in den Stärkungspakt flüchtete und freiwillige Leistungen nicht mehr abgebildet werden konnten. Luchtenberg-Stiftung und Landesmittel halfen aus dem Gröbsten heraus; aber auch um letztere fürchtet Kinzel: „Weil es eigentlich Vorausetzung ist, dass sich die Kommune zu 50 Prozent an den Betriebskosten beteiligt. Man hatte bei uns immer ein Auge zugedrückt.“

Nach seinem ersten Hilferuf habe es Gespräche mit zwei Fraktionen gegeben, sagt Kinzel. Dieser Tage sollte eine Unterschriftenaktion starten: „Der Zeitpunkt ist nun allerdings denkbar unglücklich“, bedauert Kinzel.

Nun schrieb er nochmals einen Brief an alle Fraktionen, um die Dringlichkeit zu seines Anliegens unterstreichen. „Bisher gab es keinerlei Reaktion. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass 2020 doch noch ein Signal kommt.“

Hintergrund

Die Verwaltung/das Büro der Musikschule in der Höhestraße 5 ist trotz der Schutzverordnung zu den üblichen Zeiten (Montag bis Donnerstag, 10-13 Uhr) geöffnet. Kontaktaufnahme ist telefonisch unter Tel. (0 2174) 60 282 möglich oder auch schriftlich per Email.

info@musikschule-burscheid.de

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