Orchester

Musicalische Academie steht in den Startlöchern

Proben unter Pandemie-Bedingungen: Das war bis zum vergangenen Oktober möglich. Seitdem übt jede und jeder für sich allein. Foto: Musicalische Academie
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Proben unter Pandemie-Bedingungen: Das war bis zum vergangenen Oktober möglich. Seitdem übt jede und jeder für sich allein.

Ensemble hofft, dass sein oft verschobenes Konzert am 27. Juni stattfinden kann.

Von Nadja Lehmann

Anke Wischer ist Vorsitzende der Musicalischen Academie.

Die Zahl kann sich sehen lassen. 19 Prozent der Bevölkerung ab sechs Jahre in Deutschland machen hobbymäßig Musik: Zu diesem Ergebnis kommt die erste repräsentative Erhebung zum Thema Amateurmusizieren des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), eine Einrichtung des Deutschen Musikrates. Zu dieser großen Gemeinschaft dürfen sich natürlich die Mitglieder der Musicalischen Academie von 1812 zu Burscheid rechnen. Doch derzeit fallen just solche Musiker durchs Raster. „In sämtlichen Verordnungen werden Amateurmusiker völlig ausgespart“, sagt Anke Wischer, 1. Vorsitzende der Musicalischen Academie. „Der Landesmusikrat versucht gerade, da etwas Dampf zu machen.“

Wischer gehört nicht zu denen, die jammern und sich übergangen fühlen, ist stattdessen realistisch und pragmatisch unterwegs. „Mir ist klar, dass die in Düsseldorf viel zu tun haben“, sagt sie resolut. „Ich will nicht meckern. Aber natürlich wäre es schön, wenn man wüsste, was geht.“

Denn das renommierte Orchester schmiedet Pläne. Schluss mit der auftrittsfreien Zeit! Schluss mit dem einsamen Üben daheim! Hoffentlich. Am 27. Juni möchte die Musicalische Academie wieder vor Publikum spielen, möchte ihr so oft verschobenes Konzert endlich realisieren. „Wir sind in den Startlöchern“, verrät Anke Wischer. Und sie zeigt sich optimistisch, dass das klappt. „Natürlich unter Einhaltung aller Corona-Bestimmungen: Abstand, Maske, Test, eine reduzierte Zahl an Zuhörern.“

„Jeder weiß, was Sache ist.“

Anke Wischer, Vorsitzende

Auch der Solist, der junge spanische Cellist Roger Morelló-Ros, ist nach wie vor mit der Partie. „Wir stehen ständig mit ihm in Kontakt“, erzählt Wischer. Gerade habe er den 1. Preis eines Wettbewerbs in Prag gewonnen und inzwischen auch sein Konzertexamen an der Musikhochschule Köln abgelegt – unter Corona-Bedingungen natürlich. Das hatte der 1993 in Katalonien geborene Cellist wegen der Pandemie zunächst verschieben müssen. „Der Junge ist unglaublich gut“, freut sich Anke Wischer.

Und da will das Burscheider Ensemble nicht zurückstehen. Bis Oktober probte man unter Auflagen noch zusammen, dann ging auch das nicht mehr. Für Geigen und Bratschen entwickelte der Konzertmeister Tutorials; die tiefen Streicher und Bläser standen auf eigenen Füßen. „Mit einer eingeschobenen Samstagsprobe und zwei Proben nach Pfingsten kriegen wir das hin“, sagt Wischer. Denn vom ehrgeizigen „Carmen“-Programm hat sich das Ensemble erstmal verabschiedet und setzt stattdessen im Juni auf Mozart, Grieg und ein Cellokonzert des Bach-Sohns Carl Emmanuel. Eine Probe mit ihrem spanischen Gast hat die Musicalische Academie schon mal hoffnungsvoll für den 19. Juni angesetzt; solange übernimmt die 1. Cellistin des Orchesters den Solopart. „Eine Herausforderung. Aber es wird klappen“, ist sich Anke Wischer sicher. „Jeder weiß, was Sache ist.“

Die Mitglieder der Musicalischen Academie sind beständig. Austritte gab es in der Corona-Zeit nicht. Im Gegenteil: Eine Hilgenerin, die Querflöte spielt, stieß neu hinzu, absolvierte bereits ihr Probespiel und wird nach den Sommerferien ins Orchester einsteigen.

Und auch die drei Kandidaten für die Probedirigate stehen bereit. „Wir hatten ein riesiges Glück, dass unser früherer Leiter Wolfgang Georg sofort eingesprungen ist und auch während der Pandemie bei uns geblieben ist“, sagt Wischer über die Zeit nach dem Weggang von Dirigent Dr. David Boakye-Ansah, der nur kurz in Burscheid wirkte.

„Wir werden irgendwann auch unsere Hauptversammlung nachholen müssen“, sagt Wischer. Auch diese fiel, wie so vieles, Corona zum Opfer. Wischer wird dann nicht mehr antreten. Das aber hat mit Corona nichts zu tun. „Ich hatte es schon 2019 abgekündigt“, berichtet die Vorsitzende, die ihr Amt seit 2002 inne hat und 1992 ihre nahtlose Vorstandsarbeit mit dem Amt der Schriftführerin begann. „Und seit 1990 bin ich im Orchester.“ Diesem wird sie als Bratscherin weiterhin verbunden bleiben.

In seine Geschichte ist sie derzeit tief eingetaucht – dank der Transkription der Statutenbücher aus dem 19. Jahrhundert. In diesen haben die Musiker von einst akribisch jedes Detail notiert. „Wir haben uralte Klarinetten im Fundus. Die waren immer schon da. Jetzt weiß ich, wann sie angeschafft wurden.“ Oder der gewaltige Holzkasten, den das Orchester noch heute besitzt. „Darin hat ein Kontrabassist sein Instrument getragen. Er kam zu Fuß von Blecher“, sagt Anke Wischer.

Konzert

„Ein Orchester mit über 200-jähriger Tradition lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen“: So steht es auf der Homepage der Musicalischen Academie, die ihr Konzert für Sonntag, 27. Juni, 16 Uhr, im Haus der Kunst plant. Karten gibt es in der Buchhandlung Hentschel und im Kleinen Lottoladen Roßenbach.

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