Illegale Trails durch den Wald

Mountainbiking: Corona verschärft Konflikte

Gerade im Coronajahr drängte es die Menschen verstärkt nach draußen. Für den Wald blieb das nicht ohne Folgen. Archivfoto: Holger Battefeld
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Gerade im Coronajahr drängte es die Menschen verstärkt nach draußen. Für den Wald blieb das nicht ohne Folgen.

Förster beklagen Schäden durch illegale Strecken in den Wäldern.

Von Nadja Lehmann

Die Mountainbiker, die Polizist Michael Wenner auf der Trasse angesprochen hatte, stimmten ihm zu: Rasen auf schmalen illegalen Trails durch den Wald geht gar nicht. „Das hat mit Naturverbundenheit nichts zu tun. Dem muss man Einhalt gebieten“, machte Wenner bei dem Termin deutlich, bei dem im Juli Polizei und Verkehrswacht für ein rücksichtsvolles Miteinander auf der Trasse warben. Und dabei kam Wenner auch auf den Wald zu sprechen. Für die Tiere bedeuteten die schnellen Mountainbiker den puren Stress. Wenners Position war klar: „Man muss die Natur schützen, damit sie uns erhalten bleibt.“

Doch nicht alle Mountainbiker handeln danach. Und die Corona-Krise hat die Lage sogar noch verschärft. Wo keine Strecken ausgewiesen sind, greift die Szene selbst zu Spitzhacke und Schaufel. Prominentes Beispiel ist in der Nachbarstadt Bergisch Gladbach der Nussbaumer Wald. Dort befindliche massive Bauten wurden zwar 2017 zurückgebaut; Beschwerden gibt es dennoch immer wieder.

„Auch bei uns ist das Problem stark ausgeprägt“, bestätigt Hans-Christian Ludwig. Der Förster betreut seit 2010 das Revier Altenberg. Burscheid und Odenthal gehören dazu. 2400 Hektar, zu denen der Staatsforst ebenso gehört wie der Privatwald der fürstlichen Familie Sayn-Wittgenstein. Der Kommunalwald gehört der Forstbetriebsgemeinschaft Odenthal; in ihr haben sich die Waldbesitzer organisiert. Naturschutz, Bewirtschaftung – Ludwig kennt alle Aspekte, die mit Wald und Holz einhergehen. Und er kennt natürlich die Konflikte, die durch die unterschiedlichen Interessen derjenigen, die im Wald Erholung suchen, programmiert sind.

„Durch Corona gehen derzeit mehr Menschen in den Wald denn je“, sagt er. „Eigentlich ist das ja schön.“ Der Wald aber ist, das verdeutlicht auch das große Fichtensterben, ein sensibles und verletzliches Ökosystem. „Mountainbiker können auf illegalen Strecken große Schäden verursachen“, sagt Ludwig. Bitter sei es, wenn dabei junge Bäume zerstört würden: „Dabei ist die Naturverjüngung ganz wichtig. Gerade jetzt angesichts der kranken Bäume.“ Und die Abwärtsspirale drehe sich noch weiter: Sei die Vegetation einmal kaputtgefahren, könne bei Regen die Erosion nicht aufgehalten werden: „Das wiederum führt zum Verdrecken von Bächen und Gewässern“, sagt Ludwig. „Ökologisch eine Katastrophe.“

„Wir sprechen auch über wirtschaftliche Schäden. Jeder Wald hat Eigentümer.“

Hans-Christian Ludwig

Er weist auf einen weiteren Aspekt hin: „Natürlich sprechen wir auch über wirtschaftliche Schäden. Jeder Wald hat Eigentümer.“

Wo viele Menschen aufeinandertreffen, kann der Ärger eskalieren. Das weiß auch Richard Barz, Sprecher der Polizei Rhein-Berg. Im Mai stellten Unbekannte im Waldgebiet des Eifgentals Nagelfallen auf Mountainbikestrecken auf. „Das ist saugefährlich“, betont Barz. „Das ist kein Kavaliersdelikt.“ Die Polizei sei im Waldstück zwischen Bellinghausen und dem Eifgenbach auf die Fallen hingewiesen worden. „Insgesamt fünf Nägel wurden an zwei bekannten und geduldeten Mountainbikestrecken in den Boden eingebracht.“

Im Juni gab es einen weiteren Fall. Ein Mountainbiker benachrichtigte damals die Polizei. In der Nähe eines Wanderweges zwischen Finkenholl und Im Berg waren zwei große Äste so zwischen einen Baum geklemmt worden, dass sie über die Mountainbikestrecke hinausragten und eine Gefahr darstellten. „Der Zeuge hatte die Äste glücklicherweise rechtzeitig erkannt und abgebremst, so dass er nicht zu Schaden kam“, hieß es damals in der Mitteilung der Polizei. In beiden Fällen gab es Strafanzeige; der Abschlussbericht zur Nagelfalle wird derzeit in der Kreispolizeibehörde geschrieben. „Zwei Geschädigte hatten sich damals im Nachgang noch bei uns gemeldet“, erinnert sich Barz.

Eigentlich ist die rechtliche Lage klar: In NRW ist das Radfahren innerhalb des Waldes nur auf Straßen und „festen Wegen“ zulässig. Nach Landesforstgesetz sind Pfade und Rückegassen tabu. „Über die Definition fester Weg wird dann gern gestritten“, sagt Hans-Christian Ludwig. Klar ist aber auch: Es gibt kein Betretungsverbot für den Wald. Erholungssuchende sind auf rund 60 000 Kilometern Waldwirtschaftswegen willkommen.

Klaus Becker, Burscheider SPD-Fraktionschef, ist leidenschaftlicher Radfahrer. Das stellte er jüngst als Nummer Eins beim Stadtradeln unter Beweis.

Aber das Querfeldeinfahren sieht auch er kritisch. „Die Ressource Wald mit ihrer Ruhe und Natur ist gefährdet.“ Dabei sei genug Platz für alle da: „Man muss das nur regeln und sich an die Regeln halten.“ Becker wirbt für den Bau legaler Strecken, die dem entsprechend publik gemacht, beschildert, beworben und kontrolliert werden sollten: „Dann gibt es keine Ausrede mehr, dass man irgendwo querfeldein fahren muss.“

Becker schlägt vor, die Mountainbiker dafür an einen Tisch zu bringen. „Dazu brauchte man einen Moderator“, sagt Becker – und hat auch schon eine Idee, wer das sein könnte: Sven Riedsesel von Campana Radsport.

Hintergrund

Mountainbiker: Auch sie sind Erholungssuchende und haben das Recht, sich im Wald aufzuhalten. Das unterstreicht auch Förster Hans-Christian Ludwig. Gleichwohl wünscht er sich mehr Rücksichtnahme, die Bereitschaft, Regeln einzuhalten und ein größeres Bewusstsein für das Ökosystem Wald. Durch illegale Strecken erleidet der Wald einen wirtschaftlichen Schaden, sagt der Förster. Der ökologische Schaden sei aber der ungleich größere. Ludwig setzt dabei auf Überzeugungsarbeit und die Einsicht der Biker.

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