Lamerbusch

Motorradlärm sorgt für Verärgerung

Die Motorradsaison ist in vollem Gange: Die einen freut’s – die anderen fühlen sich vom Lärm gestört. Symbolfoto: Christian Beier
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Die Motorradsaison ist in vollem Gange: Die einen freut’s – die anderen fühlen sich vom Lärm gestört. (Symbolfoto)

Anwohner in Lamerbusch fordern eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der L 294.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Wenn sich Frank Weichold an einem schönen Sonnentag in Lamerbusch in seinen Garten setzt, kann von Erholung oft keine Rede sein. „Meist höre ich die Motorräder schon, wenn sie von Altenberg hochfahren. Hier rasen sie dann mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Bei so mancher Maschine glaube ich nicht, dass diese die zulässigen Dezibelwerte einhält. Oft drehen die Fahrer hier auch noch mal so richtig auf“, ärgert sich der Anwohner. Der Lärm starte kurz nach Karneval an den ersten schönen Tagen und endet erst spät im Herbst.

„Der Weg von Hilgen nach Dabringhausen hat viele schöne Kurven, die die Biker begeistern. Oft fahren sie die Strecke hier gleich mehrmals hin und her. Teilweise wenden sie hier genau bei mir und stehen dann auch schon mal in meiner Einfahrt. Wenn man auf sie zugeht, hört sich der eine oder andere an, was man zu sagen hat. Andere brausen einfach ab und geben noch mal lautstark Vollgas.“

Problem in Lamerbusch mit seinen etwa gut einem Dutzend Häusern ist, dass der Ortsteil nicht als geschlossene Ortschaft gilt und deshalb dort auch die volle Geschwindigkeit auf der Landstraße gefahren werden darf. „Im Bereich, der zu Wermelskirchen gehört, gibt es an vielen Stellen eine Begrenzung der Geschwindigkeit. Das ist auf Burscheider Gebiet nicht der Fall. Dazu kommt, dass auch die K 15 als Parallelstrecke eine Geschwindigkeitsbegrenzung aufweist, so wird die L 294 hier zur beliebten Ausweichstrecke. Wir haben schon mehrfach in Burscheid Kontakt mit den Parteien und auch dem Bürgermeister aufgenommen. Passiert ist bislang leider nichts. Dabei haben wir hier auch viele ältere Nachbarn, die zum Teil schon seit mehr als 50 Jahren in Lamerbusch leben.“

Große Sorge bereitet Weichold, dass die Straße gerade umfangreich saniert worden ist und die Bauarbeiten jetzt vor den Feiertagen fertig geworden sind. „Die komplett neue Fahrbahn macht die Strecke für Motorradfahrer noch attraktiver. Dazu kommen Autofahrer, die mit Sportwagen oder Cabrios das wahrscheinlich schöne Wetter für eine Ausfahrt nutzen. Das passt für mich nicht zu der Aufforderung, dass man jetzt bei der dritten Corona-Welle möglichst zu Hause bleiben soll.“

Gegen Biker hat der Burscheider nichts Grundsätzliches einzuwenden: „Ich bin selbst früher Motorradfahrer gewesen und habe überhaupt nichts gegen Motorradfahrer, die gemütlich über die Straße tuckern. Das Problem sind aber die Rennmaschinen. Da will sich der Fahrer nicht den Nürburgring leisten und fährt stattdessen bei uns seine Rennen.“

Gut fände Weichold, wenn Initiativen wie „Silent Rider“, gegründet ursprünglich durch mehrere Eifel-Gemeinden, auch im Bergischen Land greifen würden. „Da wurden in der Eifel bestimmte Strecken für Motorradfahrer komplett gesperrt.“ Der Rheinisch-Bergische Kreis ist Mitglied bei „Silent Rider“.

Burscheider wünscht sich mehr Kontrollen

Gut wären nach der Meinung des Burscheiders auch vermehrte Kontrollen durch die Polizei. „Davon bekommt man hier aber nichts mit.“ „Die L 294 gehört, wie die parallel verlaufende K 18, zu den beliebten Motorradstrecken im Rheinisch-Bergischen Kreis. Unser Verkehrsdienst führt an vielen Wochenenden Verkehrskontrollen auf diesen Strecken durch. Im genannten Bereich Lamerbusch besteht keine Unfallhäufungsstelle und auch keine Geschwindigkeitsbegrenzung“, heißt es vonseiten der Kreispolizei. „Die zuständige Straßenverkehrsbehörde ordnet, nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung, entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzungen an. Im Wermelskirchener Bereich der L 294, etwa zwei Kilometer in Richtung Dabringhausen, befindet sich eine Unfallhäufungsstelle. Dort kam es in den letzten Jahren vermehrt zu Motorradunfällen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit, daher wurde dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet“, so die Kreispolizei weiter.

Laut dem für Landstraßen zuständigen Landesbetrieb Straßen NRW heißt es, dass sich bei der Bundesverkehrszählungen gezeigt habe, dass „einzelne Abschnitte der L 294 als überdurchschnittlich frequentiert ermittelt worden sind. Im Abschnitt um Lamerbusch sind die Zahlen allerdings annähernd gleich geblieben.“ Zu Maßnahmen wie dem Lärmschutz und der Geschwindigkeitsbegrenzung heißt es in der Stellungnahme: „Zum Lärmschutz ist zu sagen, dass grundsätzlich jeder Anwohner einen Antrag auf passiven Lärmschutz an die Straßenbauverwaltung stellen kann. Hierzu wird dann eine Lärmberechnung in unserer Planung durchgeführt. Anders sieht es aus, wenn ein Anwohner eine Geschwindigkeitsbeschränkung bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde stellt und als Grund einen überhöhten Lärmpegel angibt. Die Straßenverkehrsbehörde muss dann unter Beachtung des Bundesimmissionsschutzgesetz eine Entscheidung treffen und bittet den Landesbetrieb um eine Lärmberechnung, da eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur möglich ist, wenn eine Lärmpegelsenkung um mindestens drei Dezibel erreicht werden kann.“

Hintergrund

Bundesweit soll gegen Motorradlärm mobil gemacht werden. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Nationalpark-Region Eifel ein, die unter dem Stichwort „Silent Rider“ eine Kampagne gestartet hat. Das Ziel: eine bundesweite Kampagne, die die Politik in Berlin unter Zugzwang setzen soll – für Lärmgrenzwerte schon bei der Zulassung.

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