Interview

Mitarbeitende verzweifelt gesucht

Unternehmer Maryo Fietz sucht neue Mitarbeiter – derzeit oftmals vergeblich.
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Unternehmer Maryo Fietz sucht neue Mitarbeiter – derzeit oftmals vergeblich.

Bei der Burscheider Fietz-Gruppe stehen drei Maschinen still, weil Schlosser für die Reparatur fehlen.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Das Burscheider Industrieunternehmen Fietz sucht derzeit händeringend nach neuen Mitarbeitern. Doch der Arbeitsmarkt ist bei den Fachkräften weitgehend leergeräumt. Wir haben mit Maryo Fietz über die aktuelle Situation gesprochen.

Wie stellt sich bei Ihnen derzeit die Personalsituation dar?

Maryo Fietz: Wir brauchen dringend neue, qualifizierte Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen der Unternehmensgruppe. Das gestaltet sich aber als äußerst schwierig, so wird der Fachkräftemangel für uns zu einem echten Wachstumshemmnis. Leider kannibalisiert sich der Markt derzeit selbst. Jeder versucht, dem anderen die Fachkräfte abzujagen. Insbesondere die großen Industriekonzerne sind bereit, jeden Preis zu zahlen und machen damit das Lohngefüge kaputt. Das ist gerade für den Mittelstand ein Riesenproblem. Bei uns stehen derzeit drei Maschinen still, weil wir keine Schlosser haben, die diese reparieren können. Gerade hat uns zudem ein Elektriker verlassen, den wir erst im September eingestellt haben. Kurzfristig einen Nachfolger zu finden, ist fast unmöglich. Das bringt für uns als Unternehmer viel Frust mit sich.

Wie versuchen Sie dem entgegenzuwirken?

Fietz: Wir setzen derzeit alles auf die Suche nach Fachkräften und bieten langfristige und attraktive Jobs zu guten Konditionen an. Aber wenn sich früher bis zu 40 Bewerber auf eine Anzeige beworben haben, gibt es heute auf die erste Anzeige oft gar keine Reaktion und bei der zweiten melden sich vielleicht zwei oder drei Interessierte. Von der Politik bekommt hier die Industrie keine Unterstützung, und so überlegt man sich schon, ob es in einigen Jahren eventuell Sinn macht, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verlegen, um mit der Gruppe weiter wachsen zu können. Hierzulande saugt die Großindustrie den Markt leer und verursacht so Löhne, die wir im Mittelstand einfach nicht mehr bezahlen können.

Was verlangen Sie von der Politik?

Fietz: Wichtig wäre vor allem eine vernünftige Einwanderungspolitik, die qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland holt. Das hat es in den 60er Jahren mit den Gastarbeitern schon einmal gegeben und war erfolgreich. Allerdings ist die Situation mittlerweile leider so, dass Deutschland für Fachkräfte aus dem Ausland nicht mehr wirklich attraktiv ist. Da haben andere Länder inzwischen die Nase vorne. Dabei sind die Themen Fachkräfte und Energie die Schlüsselthemen für den Erfolg des Standorts Deutschland.

Welche Rolle spielt die eigene Ausbildung von Fachkräften?

Fietz: Auch hier gibt der Markt nur wenig her. Die jungen Leute wollen lieber Youtuber oder Influencer werden. Jobs in der Industrie sind da nicht mehr attraktiv. Die Situation betrifft aber alle Branchen. Das gilt für die Industrie genauso wie für Krankenhäuser oder Kitas. Wenn man in Burscheid mit Geschäftspartnern mittags zum Essen gehen möchte, gibt es kaum noch Restaurants, die um diese Zeit noch geöffnet haben. Die arbeiten nur noch abends, weil sie für den Mittag kein Personal mehr haben.

Welche Rolle spielen das Internet und die sozialen Plattformen für die Suche nach Fachkräften?

Fietz: Wir nutzen alle Wege, um neues Personal zu suchen. Das gilt für den QR-Code bei Werbebannern bei Sportvereinen genauso wie für die sozialen Medien. Da sind wir auf allen Plattformen unterwegs. Aber das macht die Arbeit in der Industrie für junge Leute leider nicht attraktiver. Die Fehlentwicklung beginnt hier schon in der Schule, da hat die Industrie ein zu negatives Image. Aber es ist genau die Industrie, die hier in Deutschland alles am Leben erhält. Was passieren kann, wenn dieser Wirtschaftszweig in Schieflage gerät, hat sich in Großbritannien bereits gezeigt.

Wie viele Stellen sind bei Ihnen im Unternehmen derzeit nicht besetzt?

Fietz: Aktuell wollen wir zehn Stellen neu besetzen. Das gilt insbesondere bei der Instandhaltung der Maschinen. Diese müssen vorbeugend gewartet und regelmäßig instandgesetzt werden. Dazu kommen noch die Reparaturen bei kaputten Maschinen. Wenn da das Fachpersonal fehlt, stehen wie jetzt drei Maschinen still. Gesucht werden Schlosser genauso wie Elektriker, aber auch die Fachkräfte, welche die Maschinen bedienen. Da geben wir aktuell viel Geld für Jobanzeigen aus.

Welche Rolle spielen dabei die derzeit hohen Energiekosten?

Fietz: Da ist bei uns die Situation derzeit nicht ganz so dramatisch. Wir haben rechtzeitig beim Strom Verträge mit guten Konditionen abgeschlossen, die noch bis zum Jahresende laufen. Beim Gas können wir vor allem mit deutlichen Einsparmaßnahmen die hohen Preise etwas abfedern, sodass uns da die Lage nicht ganz so hart trifft. Wir wissen allerdings nicht, was passiert, wenn die Verträge auslaufen und hoffen, dass sich bis dahin die Preise wieder regulieren.

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