Straßenbeleuchtung

Mit LED könnte die Stadt 2 Millionen sparen

Die Leuchte an der Evangelischen Kirche sieht schon recht modern aus. 2341 Leuchten gibt es insgesamt in der Stadt.
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Die Leuchte an der Evangelischen Kirche sieht schon recht modern aus. 2341 Leuchten gibt es insgesamt in der Stadt.
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Im Stadtentwicklungsausschuss berichtete das Ingenieurbüro Skeide zu einer denkbaren Modernisierung der Straßenbeleuchtung.

Von Nadja Lehmann

So viel Aufmerksamkeit hat die einfache Straßenlaterne wohl selten einmal in ihrem Leben erfahren. Im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss wurde dem Modernisierungskonzept Straßenbeleuchtung ein ganzer Tagesordnungspunkt gewidmet, zu dem als Gast Markus Skeide vom gleichnamigen „Ingenieurbüro für intelligente Elektrotechnik“ vortrug. Die überall eingeforderten und notwendigen Energieeinsparungen haben der Straßenbeleuchtung als einer der entscheidenden Stellschrauben neue Wichtigkeit und Bedeutung verliehen.

Eine Modernisierung ist aber auch aus ganz profanen Gründen Gebot der Stunde, wie Skeide deutlich machte. „Viele Leuchtmittel werden in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwerben sein“, erklärte der Fachmann, der sein Büro in Rheinberg hat. LED soll´s richten.

Und da sieht Skeide in Burscheid großes Potenzial: „Insgesamt sprechen wir hier von 2341 Leuchten. 2059 sind mit konventionellen Leuchtmitteln ausgestattet, also mit Leuchtstofflampen, Kompakt-Leuchtstofflampen und Natriumdampf-Hochdrucklampen. 282 Leuchten im Gesamtbestand haben LED. Das sind lediglich zwölf Prozent.“

Wichtige Voraussetzung für eine energetische Sanierung sei indes, dass die Beleuchtungsanlagen Eigentum der Stadt seien („Dieser Prozess muss abgeschlossen sein“, betonte Skeide) und die Stadt somit als Antragsteller um Fördergelder auftreten könne.

„Viele Leuchtmittel werden in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwerben sein.“

Markus Skeide

Skeide hatte genau aufgeschlüsselt, wie es derzeit um die Lampen bestellt ist. Demnach gibt es im Stadtbild vier verschiedene Formen wie Langfeld-, Koffer-, Pilz- und Bogenleuchte. Im Durchschnitt sind sie um die 30 Jahre alt und zeigen erste Ermüdungserscheinungen wie die Vergilbung opaler Gläser, unerwünschtes Streulicht und schlechten Wirkungsgrad. Die Leuchtmittel sind kurzlebig, müssen häufig ausgetauscht werden und sind oft nicht mehr erhältlich.

35 Cent je Kilowattstunde hat Skeide seinen Verbrauchsberechnungen zugrunde gelegt: Zahlen, die sich derzeit selbst überholen. „Man kann nicht alles einpreisen, dafür ist die Welt zu sehr in Bewegung“, bekannte Skeide gegenüber den Ortspolitikern. Für das vergangene Jahr errechnete er so einen Stromverbrauch von rund 583190 Kilowattstunden, die mit mehr als 204 000 Euro zubuche schlagen.

Und wie könnte es künftig um die Leuchten bestellt ein? „Die Lebensdauer der LED-Systeme ist mit rund 100 000 Stunden gegenüber den konventionellen Leuchtmitteln mit 12000 Stunden deutlich höher“, listete Skeide auf und bezifferte das Einsparpotenzial bereits im ersten Jahr nach einer Umrüstung auf rund 112 800 Euro. Auf zehn Jahre hinaus berechnet, ergebe das, so Skeide, eine Gesamteinsparung von mehr als zwei Millionen Euro. Und man könne noch mehr einsparen, indem man das Licht nachts dimme. Er machte allerdings auch deutlich, dass sich das gewohnte Straßenbild verändern wird (.

Kosten für einen Austausch der 2059 konventionellen Leuchten auf LED, ohne Masten und Tiefbaumaßnahmen, bezifferte Skeide in einer Grobschätzung auf rund 1,4 Millionen Euro. Bis Jahresende 2023 könne die Stadt eine Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium und Projektträger Zug beantragen: Diese schießen bei einer Energieeinsparquote von 50 Prozent 30 Prozent der Kosten zu. „Burscheid würde rund 55 Prozent Energieeinsparung erreichen und könnte mit einer möglichen Gesamtförderung von rund 428 000 Euro rechen“, sagte Skeide, der dafür warb, die Maßnahme 2023 in Angriff zu nehmen und bis Ende 2024 durchführen zu lassen. „Die Verwaltung hat weniger Arbeit, weil sie nur einen Antrag stellen und eine Submission durchführen muss und sofort bei Energie und Instandhaltung spart“, so Skeide. Und es profitierten nicht nur die Burscheider und Burscheiderinnen, sondern auch „Kämmerer, Nachtfalter, Sternebeobachter, Klima und Verkehr.“

Er habe, so Skeide, beim Einsparpotenzial „konservativ“ gerechnet. „Ich hätte Ihnen auch vier Millionen auf zehn Jahre versprechen können. Aber ich möchte belastbare Zahlen.“ Den Ortspolitikern riet er zu zügigem Handeln und ließ dabei auch etwas hinter die Kulissen blicken: „Durch das Leuchtmittelsterben wird es ein Riesentheater geben. Das werden wir gar nicht schaffen. Denn wir werden, wenn die Entwicklung so weitergeht, keine Fachkräfte mehr haben, die das installieren können, und Lieferzeiten von hier bis zum Mond.“

Straßenbild

Wenn auf LED umgestellt wird, hat das optische Auswirkungen, erklärte Markus Skeide: „Es wird nicht mehr so viel Licht in Richtung Himmel und Häuser geben. Das ist auch nicht Aufgabe der Stadt. Sie muss den öffentlichen Raum beleuchten.“ Er verwies darauf, dass moderne Leuchten „nicht mehr diffus in den Raum, sondern gezielt nach unten“ leuchteten: „Das zieht Insekten weniger an, ist also ein Beitrag für die Umwelt.“

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