Immer montags und freitags im Megafon

Schulsozialarbeiter unterstützt Kinder

Immer montags und freitags bittet Schulsozialarbeiter Christian Riehl zu „Eat&Learn“ ins Kinder- und Jugendzentrum Megafon.
+
Immer montags und freitags bittet Schulsozialarbeiter Christian Riehl zu „Eat&Learn“ ins Kinder- und Jugendzentrum Megafon.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Seien es Reisen oder Projekte wie „Eat&Learn“: Schulsozialarbeiter Christian Riehl ist für alle da.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Christian Riehl hatte einen großen Traum. Paris! Gemeinsam mit Jugendlichen, die sich eine solche Reise sonst nie würden leisten können. So beschrieb es der Schulsozialarbeiter zu Jahresanfang im Schul- und Sozialausschuss. Inzwischen ist Spätsommer, und Christian Riehl sprintet durchs Kinder- und Jugendzentrum Megafon. Ist überall, regelt hier ein Problem, leistet dort schnell Hilfestellung. Wie immer am Montag und Freitag.

Dann heißt es an der Montanusstraße nämlich „Eat&Learn“. „Es sind die kurzen Tage in der Johannes-Löh-Gesamtschule“, sagt er. Und diese hat er von seinem gegenüberliegenden Büro an der Bismarckstraße stets im Blick. Genau dort trifft er sich nach Schulschluss mit den Kids aus der Gesamt- und der Montanus-Grundschule. Man kauft gemeinsam ein, begibt sich zum Megafon, kocht und isst dort gemeinsam. Danach ist kurze Entspannung angesagt, und dann trudeln noch ein paar ältere Schülerinnen und Schüler ein: Sie geben den Jüngeren Nachhilfe.

Rayana, Varin und Hala sind schon da. Die drei Mädchen, zwölf beziehungsweise 14 Jahre alt, haben es sich draußen auf der Treppe bequem gemacht. Als sie anfangen zu erzählen, sind sie ganz schnell weit fort aus Burscheid. Nämlich in Portugal. Eine Reise, die Christian Riehl für die Osterferien organisiert hatte. „Wir waren etwas außerhalb von Porto und hatten ein Haus am Meer“, sagt Hala. Geschwommen seien sie zwar nicht („zu kalt“) , aber die Füße hätten sie hineingehalten. Und auch sonst jede Menge unternommen: Wanderungen, Stand-up-Paddling, Shoppen. „Cristiano Ronaldo hätte ich gern getroffen“, verrät Varin. „Das ist ein toller Fußballer.“ Hat leider nicht geklappt, dafür hingen überall seine Trikots.

Christian Riehl konnte sich bei der Vorbereitung auf zwei wichtige Mitstreiter verlassen. Auf einen Freund, der zwar in Köln lebt, Portugal aber sehr gut kennt und der Tipps gab. Und auf Hanin. Die 17-Jährige hat nämlich ein dreiwöchiges Praktikum bei Christian Riehl absolviert. Ihre Aufgabe: für das Reiseprojekt Anträge zu stellen und Fördergelder zu akquirieren. Außerdem hat sie die Route mit geplant und überlegt, was man alles vor Ort machen kann.

„Es war unsere erste Auslandsreise“, sagen Hala, Rayana und Varin. „Gefahren sind wir mit dem Bus“, erzählt Chritian Riehl. Zwei Fahrer hätten sich abgewechselt: „Wir haben vorher geprobt.“ Deshalb sei man, anders als auf der Hinreise, auf dem Rückweg direkt durchgefahren. „Wir haben geschlafen“, verraten die Mädchen.

Minnie und Mickey warteten im Disneyland Paris

Und Paris gab´s später obendrauf. Mit dem Neun-Euro-Ticket. Ziel: Mickey und Minnie in Disneyland. Dann wird´s ernst. Nachhilfe! Hala gibt welche, Varin bekommt welche. Das Megafon kannten sie schon vor „Eat&Learn“: „Es ist ein guter Treffpunkt, um Freunde zu sehen“, sagen sie. Und sind dann unsicher: Wer kümmert sich um welche Gruppe? Wer hat bei wem Nachhilfe? Wohin ziehen sich die einzelnen Gruppen zurück? Mit ein paar Anweisungen schafft Christian Riehl Klarheit. Er kennt das schon. „Es waren Sommerferien. Jetzt ist erstmal Gruppenfindung“, sagt er. Der Bedarf sei groß: „Wir haben inzwischen mehr Schüler, die Nachhilfe brauchen als solche, die sie geben können.“ Und deshalb gebe es zwar auch Zeit zum Spielen, Kickern, Reden und Entspannen: „Aber es soll schlussendlich gelernt werden.“

Die Arbeit von Christian Riehl hat sich verändert. Wurde die Schulsozialarbeit an Burscheider Schulen bisher aus Mitteln des Bundesteilhabegesetzes finanziert, ist diese Aufgabe nun zu Jahresbeginn ans Landesschulministerium gewandert.

„Als Berater für Bildung und Teilhabe war es meine Aufgabe, die Familien an Leistungen zu bringen“, erklärt Christian Riehl . „Nun wird das Ganze durch die neuen Richtlinien ganz klar an die Schule angedockt.“ Heißt: Die ursprüngliche Aufgabe, die Riehl für Burscheid und Odenthal wahrnahm, gibt es nicht mehr. Stattdessen teilt sich seine Stelle nun zu 45 Prozent auf die Schulsozialarbeit und zu 55 Prozent auf das Kommunale Integrationsmanagement auf. Case-Manager darf er sich dort nennen. „Ich gehe mehr in die Tiefe“, beschreibt Riehl. So ist er bei manchen Familien auch in die Wohnungssuche eingebunden, ist bei Besichtigungen dabei oder hilft bei der Suche nach einem Job. Arbeitgeber ist und bleibt aber die Katholische Jugendagentur.

Gerade hat er sich noch um die Schulranzenaktion gekümmert. „Normalerweise habe ich immer noch zwei, drei Ranzen in petto“, sagt Riehl. Doch dieses Mal waren die Ranzen ruckzuck weg. „Es gibt viele Familien, die keinen Ranzen kaufen können.“ Private Spenden machen die 2018 gestartete Schulranzenaktion überhaupt erst möglich. „Bei der Nachbestellung hat uns jetzt die Flüchtlingshilfe kurzfristig geholfen“, berichtet Riehl. Da profitiere er von seinem guten Netzwerk.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Gebürtiger Burscheider: Günter Wallraff wird heute 80
Kulinarisches Wochenende
Kulinarisches Wochenende
Kulinarisches Wochenende
„Kunst im Schaufenster“ geht weiter
„Kunst im Schaufenster“ geht weiter
„Kunst im Schaufenster“ geht weiter
Die alte Kneipe „Tante Betty“ ist seit Januar ein Testzentrum
Die alte Kneipe „Tante Betty“ ist seit Januar ein Testzentrum
Die alte Kneipe „Tante Betty“ ist seit Januar ein Testzentrum

Kommentare