Ministerin zeichnet den Geschichtsverein mit Heimatpreis aus

Rundgang in Burscheid zur Übergabe des Heimatpreises mit Polit- und Lokalprominenz – von links: Dr. Karl Ulrich Voss, Landesministerin Ina Scharrenbach sowie Diethelm und Ina Seifarth vor ihrem Lederwaren-Geschäft, das um 1900 erbaut wurde. Fotos: Doro Siewert
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Rundgang in Burscheid zur Übergabe des Heimatpreises mit Polit- und Lokalprominenz – von links: Dr. Karl Ulrich Voss, Landesministerin Ina Scharrenbach sowie Diethelm und Ina Seifarth vor ihrem Lederwaren-Geschäft, das um 1900 erbaut wurde.

Gegen das Vergessen: Vereinsmitglieder erinnern in ihrer Publikation an die alte Bausubstanz Burscheids, die es nicht mehr gibt

Von Nadja Lehmann

Es war ein im wahrsten Sinnegewichtiger Preis, den Dr. Karl Ulrich Voss gestern aus den Händen von Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, entgegennahm: „Oh, der ist schwer. Das muss im Sockel stecken“, staunte der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins. Eine Feierstunde unter Sommerhimmel im Hof der evangelischen Kirche, bei der die Burscheider Abteilung des Geschichtsvereins mit dem Heimatpreis ausgezeichnet wurde. Und das zum zweiten Mal. Denn im vergangenen Jahr hatte Bürgermeister Stefan Caplan den auf städtischer Ebene angesiedelten Heimatpreis überreicht; nun folgte das Land, das den Verein als besten Bewerber in der Kategorie „Herausragende Wege der Heimatvermittlung“ auszeichnete. Unter 220 Bewerbern.

Seine Meriten hat sich der Verein mit seiner neuesten Publikation errungen: Auf 70 Seiten geht es um die „Verschwundenen Häuser“. Ob Brünings Ecke, Clarinette oder Schuhfabrik Frankenstein – an diese architektonischen Schätze will man erinnern. Gedacht ist das für die alteingesessenen Burscheider, die all das teilweise noch kennen, aber auch für die neu Zugezogenen.

Heimat – dieser Begriff regt dazu an, länger über ihn nachzudenken, und das taten Voss und die Ministerin. „Heimat ist nicht exklusiv; sie lebt vom Mitmachen, sie ist wir alle“, sagte Voss in seiner Begrüßung. Und dass es Heimat eigentlich im Plural geben müsste, weil es davon mehrere gebe. Ein Stichwort, das Ina Scharrenbach aufgriff: Sie komme aus Kamen und sehe vielleicht manches anders als man es im Bergischen täte. „Man kann Heimat nicht vorgeben.“

Aber: Man kann erinnern und bewahren. Man kann den Spuren nachgehen. „Können Gebäude erzählen? Um Steine zum Sprechen zu bringen, braucht es Menschen“, sagte Ina Scharrenbach. Der Verein habe es sich sogar noch schwerer gemacht, indem er gar verschwundene Häuser zum Leben erwecke. „Mit ihrem Projekt gerät nichts in Vergessenheit. Es wird weitererzählt“, wandte sich Scharrenbach an die Vereinsmitglieder.

Damit habe der Verein selbst Spuren hinterlassen: „Sie können stolz auf sich sein.“ Und weil Heimat erlebt und erspürt sein will, nahm Karl Ulrich Voss die Polit- und Lokalprominenz unter seine Fittiche und führte sie auf den Spuren des Verschwundenen über den Markt und die Hauptstraße. Da, wo einst das Herz der Stadt schlug, befindet sich heute ein Parkplatz. Mittendrin: zwei standhafte Burscheider, nämlich Ina und Diethelm Seifarth. Die Inhaber des Lederwarengeschäfts haben sich ihr 1900 erbautes Haus nicht nehmen lassen – und zeigten der Ministerin ihr Fotoalbum aus der Zeit, als die Umgehungsstraße kam.

Tourteilnehmer blickten durch den Garten zur Mebus Hütte

Quer durch den Garten blickten die Tourteilnehmer dann hinüber zur Mebus-Hütte. Dort liegen die familiären Wurzeln von Voss’ Ehefrau. „Sie wurde die kleine Mebus genannt“, verriet Voss. 2011 erwarb die Freikirchlich-evangelische Gemeinde das Haus und machte es zu einem Schmuckstück. Sogar ein kurzer Blick ins Kramerhaus war möglich, das die Stadt erworben hat und nun umbaut. „Oben wurde gewohnt, unten war eine Schusterei“, erklärte Bürgermeister Caplan der Ministerin.

Es seien früher bauliche Sünden begangen worden, das räumte Caplan ohne Wenn und Aber ein. Die verschwundenen Häuser – unwiederbringlich dahin. „Ich bin aber überzeugt, dass heute in Politik und Bevölkerung ein anderes Bewusstsein, eine andere Sensibilität herrscht“, sagte Caplan. Und er will der Bitte von Karl Ulrich Voss entsprechen, unten in der Kirchenkurve eine Plakette anbringen zu lassen: Dort gab die Musicalische Academie ihr erstes Konzert.

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