Minijobs erweisen sich als nicht krisensicher

Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden, fordert die IG Bau. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
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Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden, fordert die IG Bau.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind 2020 rund 2000 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse verlorengegangen

Wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) berichtet, sind im Rheinisch-Bergischen Kreis im vergangenen Jahr rund 2000 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Innerhalb von zwölf Monaten sank ihre Zahl demnach um acht Prozent auf zuletzt 23 700, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG Bau beruft sich hierbei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

„Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben“, kritisiert Mehmet Perisan. Der Bezirksvorsitzende der IG Bau Köln-Bonn fordert, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden.

„In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften.“

Mehmet Perisan, Bezirks- vorsitzender der IG Bau Köln-Bonn

In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen im Rheinisch-Bergischen Kreis Ende vergangenen Jahres rund 920 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind 41 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche.

Die IG Bau rät Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen. „Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen“, so Perisan. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie wirksam geschützt werden.

Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf 550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie einzudämmen, warnt die IG Bau.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit 870 000 Minijobs verlorengegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp 170 000 zusätzliche Teilzeitjobs entstehen.

Hintergrund

Minijobs sind laut Arbeitsagentur geringfügige Beschäftigungen mit höchstens 450 Euro monatlichem Arbeitsentgelt oder einem Arbeitseinsatz von maximal 70 Tagen pro Jahr. Durch fehlende Beiträge zu den Sozialversicherungen sichern Minijobs sozial nicht ab. Es gibt zwei Arten von Minijobs: Beim 450-Euro-Minijob darf das Arbeitsentgelt monatlich 450 Euro nicht übersteigen. Die Anzahl der Stunden, die Minijobberinnen und Minijobber im Monat arbeiten dürfen, ergibt sich aus dem Stundenlohn. Beim kurzfristigen Minijob darf der Arbeitseinsatz im Laufe eines Jahres drei Monate oder 70 Tage nicht überschreiten. Das monatliche Entgelt kann schwanken.

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