Versorgung

Milchbauern rüsten sich für den Notfall

Linda Görne ist Landwirtin in Buchholzen und ist mit einem Notstromaggregat gegen einen Stromausfall gewappnet.
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Linda Görne ist Landwirtin in Buchholzen und ist mit einem Notstromaggregat gegen einen Stromausfall gewappnet.

Milchbauern sähen bei einem Stromausfall ihre Existenz in Gefahr. Wie sie sich vorbereiten.

von Arnd Janssen

Ob der Blackout, also ein längerer, flächendeckender Stromausfall diesen Winter kommt, ist völlig offen. Während die einen sich ernsthafte Sorgen machen, halten andere diese vermeintliche Schreckgespenst für übertriebene Panikmache. Tatsächlich kommen in Deutschland Stromausfälle sehr selten vor, doch manche Branchen sind in diesem Fall sehr empfindlich, müssen sich also auch gegen die noch so unwahrscheinliche Eventualität wappnen. Nutztierhalter, speziell die in der Region zahlreichen Milchbauern, sorgen sich um einen Blackout, der ihrem Vieh und damit dem Hauptgeschäft große Schäden zufügen würde.

„Wir sind enorm vom Strom abhängig. Falls der Strom weg sein sollte, ist das für alle Betriebe eine Riesenkatastrophe“, sagt Franz Bellinghausen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg. Sicher seien noch nicht alle Landwirte vorbereitet und hätten sich einen Stromgenerator angeschafft, so seine Einschätzung. Das würde sich bald aber ändern. Melkanlagen, Wasserpumpen zur Tränke der Tiere, Kühlungen für Milchtanks — all diese Anlagen müssen dauerhaft in Betrieb sein und vertragen maximal sehr kurze Stromausfälle. Bei Schweinen und Hühnern kämen die richtige Beleuchtung und Lüftungsanlagen dazu. „Man kann mal zwei bis drei Stunden aushalten, aber nicht Tage“, warnt Bellinghausen.

Und dabei existiert bereits seit 2012 eine Pflicht zum Betrieb eines Notstromaggregats, festgehalten im Leitfaden zur Landwirtschaft Rinderhaltung der Qualität und Sicherheit (QS), einem Unternehmen der landwirtschaftlichen und lebensmittelwirtschaftlichen Verbände. Alternativ könnten sich Milchbauern vom Hauselektriker bescheinigen lassen, dass diese den Betrieb innerhalb weniger Stunden wieder flott machen könne, erklärt Bellinghausen. Was bei einem Kurzschluss hilft, ist aber bei einem Stromausfall hinfällig.

Kühe müssen zwei Mal am Tag gemolken werden

Gut, dass in der Region viele Milchbauern doch bereits gewappnet sind. „Der Landwirt, der sich damit noch nicht auseinandergesetzt hat, ist es selber schuld“, findet Torsten Mühlinghaus, Ortslandwirt von Wermelskirchen. Alle, die in der Milchwirtschaft beschäftigt seien, also etwa auch Molkereien, sollten die Pflicht beachten, auch wenn es eine Stange Geld koste. Mühlinghaus‘ Generator werde mit Diesel über den Motor seines Traktors angetrieben, locker ein bis zwei Tage könne man damit überstehen. „Aber auch einen ganzen Monat, wenn man genug Diesel hat“, sagt Mühlinghaus. 1000 Liter Diesel habe er zur Sicherheit im Hof vorrätig. Das Notstromaggregat hat er in letzter Zeit auch mehrfach Probe laufenlassen, damit es im Notfall schnell startklar wäre. Der Ortslandwirt erklärt die Notwendigkeit: „Kühe müssen zwei Mal am Tag gemolken werden, sonst hat die Kuh das Euter voll, was sich dann entzündet.“ Je nach Lebensalter und Laktationszeitraum, also der Periode, in der eine Kuh zwischen dem Gebären zweier Kälber Milch geben kann, gehe dies relativ schnell. Die Milch bei ausfallender Kühlung zu retten sei da eher zweitrangig. „Die kann ich zur Not auch mal ins Güllesilo kippen“, sagt der Viehwirt. Vielmehr gehe es um die ungemolkenen Tiere.

Ein großes Leiden, das nach ein paar Tagen der Nichtbehandlung zum Tod führen kann, ist nämlich die Folge. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises hat deshalb zum Beginn der Heizperiode in einem Rundschreiben an alle Milchviehhalter des Kreises für das Thema sensibilisiert. „Leider können Melkzeiten nicht lange aufgeschoben werden. Bitte prüfen sie daher bereits heute, ob die vorgehaltenen Notstromaggregate und Zapfwellenantriebe funktionsfähig sind und ob auch die für deren Einsatz notwendigen Betriebsstoffe in ausreichender Menge vorhanden sind“, schreibt die amtliche Tierärztin Hannah Berger. Man hoffe, dass die Maßnahmen nicht zum Einsatz kämen. Das hofft auch Mühlinghaus, der sich am ehesten noch vorstellen kann, dass es zu einem von Netzbetreibern eingeleiteten „Brownout“ komme. „Den großen Crash wird es eher nicht geben“, sagt er.

Auch Linda Görne, Milchbäuerin in Buchholzen, ist seit Jahren mit einem Notstromaggregat ausgerüstet. Als Mitglied der Molkereigenossenschaft „Arla“ sei es für sie Pflicht. „Wir hoffen, dass wir gewappnet sind“, sagt sie. Ihre 120 Kühe plus Nachwuchs kann sie mit ihrer Familie nicht eben von Hand melken. „Da es Winter ist, wäre die Kühlung gar nicht so wichtig. Die Folgen für die Tiere wären aber gravierend“, sagt Görne. Einen Verzug der Melk-Gewohnheiten würden die sensiblen Tiere sofort unruhig machen. „Selbst die eine Stunde nach der Zeitverschiebung merke ich ihnen an“, sagt Görne.

Hintergrund

Nachfrage: Mobile Stromerzeuger für den Heimbedarf gibt es ab 150 Euro in Baumärkten. Bestimmte Modelle sind örtlich aber ausverkauft.

Betrieb: Die Geräte werden über einen Seilzug mit Benzin betrieben und haben bis zu mehreren Tausend Watt Leistung.

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