Zurück blieb der Schlamm

Michael Schwarz räumt mal wieder auf

Michael Schwarz in einer der weiterhin vom Hochwasser gezeichneten Hallen.
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Michael Schwarz in einer der weiterhin vom Hochwasser gezeichneten Hallen.

Gewerbepark Colonia stand meterhoch unter Wasser.

Von Nadja Lehmann

Michael Schwarz‘ Gewerbepark hat es hart getroffen.     

Die reißenden Fluten sind fort. Versickert, verschwunden. Zurückgeblieben ist der Schlamm. Geblieben sind die zerborstenen Fenster. Die umgestürzten Heizöltanks. Der Hausrat, der sich im Hof stapelt. Schlammbedeckt und verkrustet. Michael Schwarz steht auf dem Hof seines Gewerbeparks Colonia und sieht sich an, was Unwetter, Starkregen und Hochwasser aus seiner Immobilie gemacht haben.

„Hier“, zeigt er auf das Mauerwerk, „so hoch stand das Wasser.“ Die Mauer ist immer noch nass, der Wasserpegel zeichnet sich deutlich auf dem Stein ab. Auf dem Hof lärmt der Dieselkompressor. Strom gibt es seit Mittwoch nicht mehr. „Ich hatte gerade eine neue Elektrik legen lassen“, sagt Michael Schwarz und zeigt auf den Sicherungskasten in seiner größten Halle. „Das lassen wir jetzt erstmal vom Fachmann untersuchen. Das einfach wieder anzuschalten, ist zu gefährlich.“

Er bahnt sich seinen Weg durch die Halle. Rutschig ist es, unter den Schuhen ist der Schlamm glitschig und nur an wenigen Stellen schon ausgehärtet. Am Hallenende laufen die Aufräumarbeiten, der Hochdruckreiniger lässt den Schlamm aufspritzen.

Ein paar Autos stehen in der Halle. Hellbraun überzogen, die Schlammschicht schon bröselig, die Karosserie eingedellt. Sammlerstücke eines Mieters im Gewerbepark. „Den gibt es nur 17 Mal auf der Welt“, weiß Michael Schwarz und deutet auf einen demolierten Toyota. Die Wucht des Wassers hat volle Arbeit geleistet. „Die standen alle unter Wasser.“

Eine Löschwassersperre sollte die Fluten aufhalten

Michael Schwarz‘ Gewerbepark hat es hart getroffen.     

Das Unwetter hat Michael Schwarz in seiner Immobilie an der Max-Kohl-Straße im Luisental hautnah miterlebt. Er zeigt Fotos, auf denen das Wasser in Richtung Luisenstraße strömt. Es steht meterhoch, reißt alles mit sich. „Die Fenster hier sind aufgesprungen, da drückte das Wasser raus“, erzählt Michael Schwarz. Wie sich im Nachhinein herausstellte, ist seine große Halle der tiefste und damit gefährdetste Punkt seines Grundstücks.

„Wir haben noch versucht, das Wasser mit einer Löschwassersperre abzuhalten“, sagt er und zeigt auf die signalrote Vorrichtung. „Das klappte nur kurzfristig.“ Nämlich bis zu dem Moment, als der am Rand des Grundstücks befindliche Murbach aus seinem Bett schäumte und die ihn kanalisierende Mauer übersprang.

3600 Quadratmeter Gewerbeimmobilie, 19 Hallen, ein gutes Dutzend Mieter. Das Portfolio reicht vom metallverarbeitenden Betrieb bis zur Kfz-Werkstatt und zum Fensterbauer. Einst war hier die Colonia-Lederwarenfabrik daheim. Michael Schwarz hat früher in 300 Meter Luftlinie im Büchel gelebt, kam regelmäßig vorbei – und kaufte das knapp 6000 Quadratmeter große Gelände im Jahr 2013. „Als Altersvorsorge für meinen Sohn“, erklärt er. An sich selbst hat er dabei eher weniger gedacht - auch wenn sich, wie er sagt, damit eine gute Rendite erzielen ließe: „Ich bin doch ein wohlbestallter Bayer-Rentner“, verrät er augenzwinkernd. Den früheren UWG-Politiker hat, so darf man vermuten, eher die Freude am zupackenden Machen angetrieben.

Rückschläge hat er indes seitdem viele einstecken müssen. 2015 ging seine große Halle durch Brandstiftung in Flammen auf, wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Der heutige 73-Jährige baute sie wieder auf - und schmiedete umgehend neue Pläne. Eine Eventfabrik sollte hier entstehen. Er zeigt die beiden großen Hallen, aus denen eine geworden wäre: „Hier die Tanzfläche, da das Lager, da der Backstage-Bereich“, gestikuliert er. Eine Veranstaltungshalle für um die 500 Leute sollte entstehen, ein Magnet im Luisental. „Dann wären auch die Höhner und Black Fööss wieder nach Burscheid gekommen“, sagt Schwarz. „Und die großen Burscheider Firmen wären nicht länger für ihre Feiern nach Köln gefahren.“

2019 ging das Thema in den Stadtentwicklungsausschuss, der für Schwarz’ Projekt votierte. Doch der Rheinisch-Bergische Kreis lehnte ab. Seiner Ansicht nach lag der Gewerbepark in keinem Gewerbemischgebiet, auf eine Nutzungsänderung gab es deshalb keinen Anspruch.

Michael Schwarz bückt sich und schiebt eine aus ihren Angeln geflogene Tür in die Schaufel des Radladers. Aufräumen ist angesagt, Aufgeben nicht. Auch wenn er gerade erst neuen Estrich in seine große Halle gelegt und an die Verstrebungen Lampen gehängt hat.

Hintergrund

Max-Kohl-Straße: 2012 forderten fünf Burscheider die Umbenennung der Halbach-Straße in Hilgen. Darunter auch Michael Schwarz. Fritz Halbach galt als geachteter Mundart- und Heimatdichter. In ihrer Begründung verwiesen die fünf Burscheider auf die nationalsozialistische Gesinnung Halbachs. Aus der Straße in Hilgen wurde schließlich Am grünen Steg. Max Kohl, der als möglicher Namenspate gegolten hatte, erhielt ein Stück Straße im Luisental. Der Burscheider Fabrikant hatte in seiner polnischen Niederlassung seine jüdischen Mitarbeiter vor der Deportation bewahrt. 1921 hatte Kohl in Burscheid die Kölner Feinleder GmbH gegründet. Daraus entstand später die Colonia-Feinleder GmbH. Kohl ist Gerechter unter den Völkern.

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