Mehrheit will das Vitalbad wieder öffnen

Bürgermeister Stefan Caplan (l.) verabschiedete die Ratsmitglieder, die dem neuen Rat nicht mehr angehören werden: Silke Riemscheid, Manfred Liesendahl, Erika Gewehr, Bodo Jakob und Heike Engels (v.l.). Foto: nal
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Bürgermeister Stefan Caplan (l.) verabschiedete die Ratsmitglieder, die dem neuen Rat nicht mehr angehören werden: Silke Riemscheid, Manfred Liesendahl, Erika Gewehr, Bodo Jakob und Heike Engels (v.l.). Foto: nal

Politiker wollen die im Aufsichtsrat getroffene Entscheidung nachbessern – Gremium soll rasch tagen

Von Nadja Lehmann

Es war der wohl emotionalste Moment der Ratssitzung am Donnerstagabend in der Aula der Johannes-Löh-Gesamtschule, als sich Silke Riemscheid von ihren Ratskollegen verabschiedete: 31 Jahre lang hat die gebürtige Schleswig-Holsteinerin dem Gremium angehört und in Burscheid auch als stellvertretende Bürgermeisterin gewirkt. „Dem Abschied ging ein langer Kampf zwischen Kopf und Herz voraus“, bekannte Riemscheid. Die Politik sei ihr „leidenschaftliche Herzensangelegenheit“ gewesen: „Es war mir eine Ehre.“ Es folgte einmütiger langer Applaus. Es verabschiedeten sich außerdem Manfred Idel (CDU), Manfred Liesendahl (BfB), Jan Harenkamp (CDU), Bodo Jakob (SPD), Erika Gewehr (CDU) und Heike Engels (SPD). Die drei Letzteren wollen in den Kreistag einziehen: „Es lohnt sich, sich politisch zu engagieren. Das versuche ich gerade den jungen Leuten zu vermitteln“, betonte Bodo Jakob.

Zuvor hatten die Burscheider Kommunalpolitiker jedoch ausnahmsweise wahlkampfmäßig die Säbel rasseln lassen – beim Thema Vitalbad. In einem Antrag hatte das Bündnis für Burscheid dessen Wiedereröffnung gefordert. Ebenso die SPD. „Das Bad ist ein wichtiger Faktor in unserer Stadt“, betonte der BfB-Fraktionsvorsitzender Michael Baggeler. Es sei von Seiten des Rates legitim, deshalb nachzufragen.

„Es ist nicht mehr vermittelbar, dass nur noch das Vitalbad geschlossen hat.“

Michael Baggeler (BfB)

Genau darüber hatte sich nämlich Bürgermeister Stefan Caplan verwundert gezeigt und auf den Aufsichtsrat der Burscheider Bad GmbH verwiesen, bei dem (auch von anwesenden Politikern) erst kürzlich nur die Wiedereröffnung des Kleinschwimmerbeckens beschlossen und gegen die Komplettöffnung entschieden worden sei: „Die Teilöffnung soll Vereinen und Schulen zugute kommen“, so Caplan: Die Gesamtschule, die DLRG, die Turngemeinde Hilgen und der Behindertensport hätten gern angenommen, von Grundschule Dierath und Burscheider Turngemeinde gebe es noch keine Resonanz.

Er habe im Juni gut nachvollziehen können, dass das Vitalbad, obwohl es hätte öffnen können, zunächst gezögert und die Erfahrungswerte der benachbarten Bäder habe abwarten wollen, sagte Baggeler am Donnerstagabend. „Jetzt aber haben wir diese Erfahrungswerte aus den anderen Bädern. Dort klappt es. Es ist der Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar, dass nur noch das Vitalbad geschlossen hat.“ Das Bfb befürchte zudem langfristige wirtschaftliche Schäden. „Es gibt keinen Automatismus, dass die Badegäste alle wieder den Weg zurückfinden. Die haben sich Alternativen gesucht“, sagte Baggeler.

Auch die SPD sah das so. „Wenn wir so viele Teilbereiche öffnen, dann können wir auch ganz öffnen“, fand der Fraktionsvorsitzende Klaus Becker. Es gebe in den geöffneten Bädern keine negativen Erfahrungen: „Sonst würden wir die Öffnung nicht fordern.“ Auch Sabine Wurmbach und Ute Hentschel (Grüne) verwiesen auf „überzeugende Konzepte“ anderer Bäder. „Letzten Endes ist es die Entscheidung des Badegastes. Und dem trauen wir diese Mündigkeit zu“, betonte Wurmbach.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Hartmut Schepanski hielt dagegen: „Es gibt keinen Impfstoff und kein Medikament. Das Infektionsgeschehen im Kreis hat zugenommen. Und es sind nicht nur Burscheider, die ins Bad kommen, sondern auch Auswärtige, die Infektionen einschleppen könnten.“ Er warne vor einem lokalen Lockdown: „Eine Öffnung ist nicht verantwortbar.“

Damit sah sich die CDU jedoch allein auf weiter Flur. Denn auch die FDP warb für die Öffnung. „1000 Mann treffen sich auf der Kölner Domplatte, und wir öffnen das Bad nicht“, schüttelte Fraktionsvorsitzender Joachim Wirths verständnislos den Kopf.

„Fünf Fraktionen wollen, eine will nicht“, fasste Bürgermeister Caplan die neu gemischte Gemengelage zusammen: „Es hat im Vergleich zu der jüngsten Entscheidung im Aufsichtsrat also eine Veränderung im Meinungsbild gegeben.“ Diese werde und müsse sich nun im Aufsichtsrat widerspiegeln. Caplans Vorschlag: „Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Mehrheit für eine Öffnung ist. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats wird deshalb zu einem neuen Termin einladen, bei dem wir über die Details sprechen können.“

Hintergrund

„Nach der erneuten Ausbildung diverser Infektionsherde auch in Nordrhein-Westfalen und bundesweit steigender Infektionszahlen sind die für den Betrieb des Vitalbad Burscheid Verantwortlichen mehrheitlich der Auffassung, dass eine Öffnung des Bades zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertretbar ist. Das Vitalbad Burscheid wird daher bis auf Weiteres zum Schutz unserer Badegäste und zum Schutz unseres Personals geschlossen bleiben. In regelmäßigen Abständen wird die Gefährdungslage im zuständigen Gremium erneut beraten und diese Entscheidung anhand dessen angepasst“ – so steht es (noch) auf der Homepage des Vitalbads. Doch die Politiker drängen nun auf die Wiedereröffnung.

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