Mehr als 50 Jahre für die genossenschaftliche Idee

Lutz Uwe Magney wurde nur durch Zufall Banker, aber später aus Überzeugung Volksbank-Vorstand. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Beruf tritt der 67-Jährige nun in den Ruhestand ein. Foto: Volksbank
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Lutz Uwe Magney wurde nur durch Zufall Banker, aber später aus Überzeugung Volksbank-Vorstand. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Beruf tritt der 67-Jährige nun in den Ruhestand ein.

Volksbank-Vorstand Lutz Uwe Magney geht in den Ruhestand

Von Sven Schlickowey

In dem Jahr, in dem Lutz Uwe Magney bei seinem heutigen Arbeitgeber anfing, nahm die erste Münchener U-Bahn-Linie ihren Betrieb auf. Jackie Stewart wurde Formel-1-Weltmeister. Und Willy Brandt war Bundeskanzler. Ende dieses Monats geht das Vorstandsmitglied der Volksbank im Bergischen Land in den Ruhestand. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Einsatz für die genossenschaftliche Idee. Und nahezu durchgehend beim gleichen Institut.

Er gehe „mit eine Träne im Knopfloch“, gibt der 67-Jährige zu: „Ich bin ja gerne Bankkaufmann.“ Gerade in den letzten Wochen komme gelegentlich Wehmut auf: „Mir wird immer wieder bewusst, dass ich da gerade etwas zum letzten Mal mache.“ Doch es bleibe auch die Vorfreude auf die arbeitsfreie Zeit.

„Computer kann man nicht umarmen.“

Lutz Uwe Magney, Vorstand der Volksbank im Bergischen Land

Magney hat das genossenschaftliche Kreditinstitut geprägt. Als Führungskraft und Gesicht der Bank, 2000 wurde er zum Generalbevollmächtigten ernannt, Anfang 2016 dann in den Vorstand berufen, aber auch als Techniktreiber. Schon kurz nach der Ausbildung landete er in der damals noch kleinen EDV-Abteilung. „Die brauchten wohl einen Hiwi“, sagt er heute. Der frisch gebackene Bankkaufmann lernte das Programmieren und fand Gefallen am Thema. Heute hält er Vorträge über Kryptowährung und Blockchain. „Es ist schon schade, dass ich so viele tolle Entwicklungen in Zukunft nicht mehr begleiten kann.“

Von Lutz Uwe Magney stammt aber auch das Zitat „Computer kann man nicht umarmen“, das innerhalb der Bank zu einer Art geflügelten Wort geworden ist. Trotz technischen Fortschritts sei man für die Menschen da, sagt der Vorstand. Auch wenn wegen der immer komplexer werdenden Produktwelt das persönliche Gespräch oftmals hinter der fachlichen Beratung zurückstehen müsse. Doch auch bei solch sachlichen Themen gehe es um Menschlichkeit, ist Magney überzeugt: „Es ist unsere Aufgabe, das dem Kunden in dessen Worten zu erläutern. Und das können eben keine Computer.“

Dass aus ihm ein Banker wurde, und ein genossenschaftlicher noch dazu, sei eher Zufall, meint Magney heute rückblickend. Die Berufsberatung habe ihn auf die Idee gebracht. Zwei Bewerbungen später, eine davon erfolgreich, begann er 1971 seine Lehre bei der damaligen Volksbank Remscheid. Anfangs sei das für ihn ein normales Kreditinstitut gewesen, gibt er gerne zu: „Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, was das für eine tolle Organisation ist.“

Inzwischen spricht Magney von Genossenschaften als „die beste Rechtsform der Welt“. Die von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch vor weit mehr als 150 Jahren geprägten Werte seien auch heute noch „absolut modern“: „Da kann niemand dominiert werden, das ist zutiefst demokratisch.“ Und Netzwerken habe die genossenschaftliche Bewegung schon betrieben, als es diesen Begriff so noch gar nicht gab.

Abgesehen von einem kurzen Abstecher zur damaligen Spar- und Darlehnskasse Köln-Merkenich blieb Lutz Uwe Magney seiner Volksbank immer treu, erlebte 1987, damals als Leiter der EDV, die erste Fusion zur Volksbank Remscheid-Solingen mit. Und schließlich 2017, dann schon als Vorstand, die mit der Credit- und Volksbank in Wuppertal zur heutigen Volksbank im Bergischen Land. Eigentlich erstaunlich wenige Fusionen für eine so lange Zeit. Andere genossenschaftliche Institute in der Größe der Volksbank im Bergischen Land haben teils zehn und mehr Zusammenschlüsse hinter sich.

Sein restliches Arbeitspensum bis zum Monatsende sei „recht überschaubar“, sagt Magney. Er kümmere sich noch um den Jahresabschluss und stehe seinem Nachfolger Christian Fried, seit Jahresanfang Mitglied des Vorstands, ein wenig zur Seite. „Allzu viele neue Projekte werde ich wohl nicht mehr anstoßen“, fügt er lächelnd hinzu.

Für die Zeit danach habe er sich vorgenommen, sich seinen Hobbys zu widmen, darunter Lesen, Radfahren und Segeln. „Das sind ja alles Dinge, die man auch in Zeit der Pandemie sehr gut machen kann.“ Eine andere große Leidenschaft des Ehepaar Magney, das Reisen, sei dagegen erst einmal nicht möglich. Geplant seien später aber längere Aufenthalte in europäischen Metropolen, „um die Stadt richtig zu erleben“, sagt Lutz Uwe Magney: „Das haben wir uns schon lange vorgenommen.“ Aber wegen Corona muss das auch nach mehr als 50 Jahren im Berufsleben nun noch etwas warten.

Hintergrund

Zur Person: Lutz Uwe Magney wurde am 8. Januar 1955 in Wilhelmshaven geboren und verbrachte einen Teil seiner Jugend in Wermelskirchen. Neben seiner Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte er Bildungsgänge zum Bankfachwirt und zum Diplom-Bankbetriebswirt (ADG), er lebt mit seiner Frau in Remscheid.

Zur Volksbank: Die Volksbank im Bergischen Land ist mit 23 Filialen in 13 Städten vertreten und beschäftigt derzeit rund 365 Mitarbeiter, darunter 30 Azubis. Getragen wird die Bank von mehr als 10 800 Genossenschaftsmitgliedern. Ihre Bilanzsumme lag zuletzt bei knapp drei Milliarden Euro.

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