Im Gespräch

„Das Megafon wird verstärkt nach draußen verlegt“

Marc Munz leitet das Kinder- und Jugendzentrum Megafon. Mit dem Bergischen Volksboten sprach er über die Auswirkungen der Corona-Krise auf seine Arbeit. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Marc Munz leitet das Kinder- und Jugendzentrum Megafon. Mit dem Bergischen Volksboten sprach er über die Auswirkungen der Corona-Krise auf seine Arbeit.

Der Leiter des Jugendzentrums, Marc Munz, blickt auf die Sommerferien in der Corona-Krise.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger 

Wie fällt die erste Bilanz des Megafons in der Corona-Krise aus?

Marc Munz: Zu Beginn der Krise haben wir versucht, über die sozialen Netzwerke den Kontakt zu halten. Wir mussten das Jugendzentrum entsprechend der Hygieneregeln komplett umgestalten. Das bedeutet, dass es eine maximale Besucherzahl gibt, die ins Megafon darf und die sich dann alle registrieren müssen. Da liegt die Regel bei einem Kind pro zehn Quadratmetern, das sind bei uns dann maximal 13 Kinder, die kommen dürfen. Das bedeutet natürlich eine erhöhte Hemmschwelle, man muss jetzt an der Tür klopfen und kann nicht einfach reinkommen. Entsprechend sind die Besucherzahlen eingebrochen. Vor Corona hatten wir 30 bis 40 Kinder und Jugendliche pro Tag, jetzt sind es sieben bis zwölf.

Wie wichtig ist das Jugendzentrum gerade jetzt?

Munz: Es ist die zentrale Begegnungsstätte in Burscheid für Kinder und Jugendliche. Hier verabredet man sich und trifft sich, auch für Aktivitäten außerhalb des Megafons. In Burscheid haben wir nur ein Jugendzentrum, in einer Stadt wie Leverkusen oder Bergisch Gladbach sind das deutlich mehr. Jetzt haben wir mit der Einlasskontrolle eine Hürde geschaffen. Die Besucher müssen sich zudem die Hände desinfizieren, eine Maske tragen und die Abstände einhalten. Wir haben deshalb viele Aktivitäten nach draußen verlegt, weil da alles etwas einfacher und sicherer ist. Hier gibt es jetzt Tischtennis, einen Basketballkorb, eine Fußballwand, Bogenschießen sowie ein Longboard, ein Rad und einen Roller. Glück hat das Jugendzentrum, weil es ein Neubau mit einer ausgezeichneten Umluftanlage ist. Da kommt ständig Frischluft von außen nach innen. Das ist, wie wenn man ständig die Fenster offen hat.

Was bietet das Megafon in den Sommerferien?

Munz: Wir sind da und ansprechbar. Das ist im Moment das Wichtigste. Die Kinder und Jugendlichen kommen und berichten von ihrem Tag. Es gibt viel Bedarf an Kommunikation. Außerdem werden drinnen gerne die Karten- und Brettspiele genutzt. Das, was wir hier machen, ist die ganz klassische Kinder- und Jugendarbeit.

Wie hat sich das Angebot im Vergleich zum Vorjahr geändert?

Munz: Das Angebot ist reduziert, auch weil nicht mehr so viele Kinder auf einmal kommen können. Wenn 30 Kinder da sind, sind die meist mit sich selbst beschäftigt und spielen miteinander. Das funktionierte aktuell nicht so. Wir müssen ständig auf die Sicherheit achten und die Kinder sich drinnen nicht zu nahe kommen lassen. Wir wollen nicht wieder eine Situation bekommen, bei der wir alles schließen müssen. Wichtig ist hier die Aufklärung über das Virus. Da halten wir uns immer auf dem neuesten Stand. Es geht um Fragen wie, was macht das Virus mit uns und was passiert bei einer Infektion.

Wie gehen die Kinder damit um?

Munz: Sie sind hin- und hergerissen zwischen großer Angst und einem zu unbedarftem Miteinander. Das Virus ist etwas sehr Abstraktes, das man nicht sehen und nicht hören kann. Da hilft es, wenn man beim Erklären mit Bildern arbeitet. Es geht nicht darum, Angst zu schüren, sondern zu zeigen, dass man aufpassen und sich schützen muss.

Wie ist das bei den Jugendlichen?

Munz: Die haben es dank unserer Aufklärung auf dem Schirm, vergessen es aber im Alltag schon mal und wir müssen es dann wieder in Erinnerung rufen. Das ist bei den Jugendlichen keine böse Absicht, aber manchmal ist das Thema einfach nicht so präsent. Die aktuelle Zeit ist für Jugendliche sehr belastend. So eine historische Situation hat es noch nie gegeben.

Wie sehen die Perspektiven für den Herbst aus?

Munz: Wir bekommen von der Verwaltung beziehungsweise der Geschäftsführung unseres Trägers ständig aktualisierte Handlungsanweisungen, die sich nach den Regelungen der Landesregierung richten. Ich hoffe ja sehr, dass es im kommenden Jahr einen Impfstoff geben wird und sich das Ganze wieder normalisiert. Bis dahin müssen wir aber aufpassen. In der dritten Ferienwoche gab es eine Stadtranderholung mit einer festen Gruppe. Das hat den Vorteil, dass man hier für die neun Kinder ein relativ normales Angebot machen kann. Das planen wir auch für den Herbst. Dies hilft den Eltern, weil sie so wissen, dass ihre Kinder gut betreut werden.

Hintergrund

Zur Person: Marc Munz ist Einrichtungsleiter des Kinder- und Jugendzentrums. Der Sozialpädagoge übernahm die Leitung der Einrichtung zum 1. Februar 2015. Der ausgebildete Tontechniker war auch in der Gastronomie und der Veranstaltungsorganisation tätig.

Megafon: Die Einrichtung richtet sich in erster Linie an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von acht bis 21 Jahren. „Das pädagogische Konzept des Kinder- und Jugendzentrums sieht vor, offen, tolerant und ressourcenorientiert mit den jungen Menschen zu arbeiten“, heißt es auf der Internetseite der Katholischen Jugendagentur für Leverkusen, Rhein-Berg und Oberberg als Betreiber.

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