Marie-Luise Mettlach macht Historisches lebendig

Marie-Luise Mettlach las in der Gärtnerei Höpken. Nicht weit entfernt liegt der einstige Hof der Familie Groß. Foto: Doro Siewert
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Marie-Luise Mettlach las in der Gärtnerei Höpken. Nicht weit entfernt liegt der einstige Hof der Familie Groß.

Autorin las in der Gärtnerei Höpken aus ihrem Buch „. . .und was habe ich mehr in der Welt als Freiheit“

Von Nadja Lehmann

Pudelwohl hat sich Marie-Luise Mettlach bei ihrer Lesung in der Gärtnerei Höpken gefühlt: Umringt von Topfpflanzen, beschützt durch einen Pavillon, trug die Burscheider Autorin Auszüge aus ihrem Roman „. . .und was habe ich mehr in der Welt als Freiheit“ vor. Der Ort war mit Bedacht ausgewählt: Nicht weit entfernt, nämlich im kleinen Imelsbach, liegt der Bauernhof, von dem aus alles seinen Anfang nahm. „Das Anwesen gibt es noch“, sagt Mettlach. „Aber es ist umgebaut und modernisiert.“

Von dort aus brachen einst vier der zehn Kinder der Familie Groß auf in die weite Welt. Der Enge nach der gescheiterten Revolution von 1848 wollten Eduard, Albert, Rosalie und Christiane entfliehen und sich ein neues Leben aufbauen: in Norwegen beziehungsweise in den USA. Und wie es ihnen ging, davon erzählten sie in ihren Briefen. Auf hauchdünnem blauen Papier, beidseitig bedruckt, in Sütterlin. „Es war unglaublich schwer zu lesen“, erinnert sich Marie-Luise Mettlach. Denn das durchscheinende Papier machte aus den Buchstaben ein einziges Zickzack.

Er könne es nicht lesen, hatte Bauer Hermann Höpken gegenüber Mettlachs verstorbenem Ehemann Wolfgang geklagt. Dem Burscheider Notar hatte Hermann Höpken von den Briefen erzählt, die ihm eine Bekannte übergeben hatte: In einem Kästchen aus blauem Holz – ihr „größter Schatz“. Mettlachs nahmen die Briefe mit in den Urlaub. Vergrößerten und entzifferten. „Die Briefe waren mal nass geworden, Mäuse hatten sie angeknabbert“, sagt Mettlach.

Doch nach und nach trat eine ganze Welt zutage. Die sich noch stärker abrundete, als sich ein Nachfahre aus den USA meldete: Er wiederum hatte Briefe im Besitz, die ein Bruder, der in Burscheid geblieben war, den ausgewanderten Geschwistern geschrieben hatte. „Und das ist eine Seltenheit“, sagt Mettlach. Anrührende Briefe seien es, voll überraschender Poesie, voller Spontanität und Ausdruckskraft: „Ich hatte das nicht erwartet. Und das hat mich fasziniert. Schließlich hatten die Kinder lediglich die Dierather Schule besucht, in der damals 140 Schüler in einer Klasse saßen.“ Der Vater war wohl die treibende Kraft. „Ihm war wichtig, dass die Kinder ordentlich schreiben.“

Christiane Groß wurde nicht glücklich in der Ferne

Den Auswanderern fiel nichts in den Schoß. Albert erlebte und beschrieb den Bürgerkrieg; Eduard arbeitete als Weber in Norwegen, Christiane als Hausmädchen in den USA. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Rosalie, die dort einen deutschen Auswanderer heiratete, wurde sie nicht glücklich in der Ferne. „Der Vater hat sehr darunter gelitten“, sagt Mettlach. Auch das ein Thema in den Briefen.

Marie-Luise Mettlach hat einen Roman daraus gemacht, hat eine Liebesgeschichte integriert. Denn was Eduard, Albert, Rosalie und Christiane an persönlichen Schicksalsschlägen erlebten und in ihren Briefen schildern, ist ja nicht lückenlos. Für Marie-Luise Mettlach eine Freiheit, die sie genutzt hat.

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