Kultur

Der Mann am Klavier feiert 80. Geburtstag

Der Mann am Klavier im Gut Landscheid: Kurt Führer feiert seinen 80. Geburtstag. Foto: Doro Siewert
+
Der Mann am Klavier im Gut Landscheid: Kurt Führer feiert seinen 80. Geburtstag.

Kurt Führer hat in seinem Leben Gastronomie und Musik kombiniert – eng verbunden ist er dem Gut Landscheid.

Von Ursula Hellmann

Musik hält jung! Was als Binsenweisheit gelten könnte, wird durch den unermüdlichen Kurt Führer hundertprozentig bestätigt. Der Burscheider Pianist wird auch am morgigen Mittwoch an seinem 80. Geburtstag seine Gäste mit einem bunten Melodienreigen erfreuen. Den edlen Rahmen zur Feier bieten die Räume von Gut Landscheid.

Das exklusive Hotel mit Gaststätte und Wellness-Bereich mitten im Grünen zwischen Burscheid und Leverkusen ist bereits seit zehn Jahren die musikalische Heimat des Haus-Pianisten Führer. An sehr vielen Sonntagabenden im Jahr intoniert er auf dem Landhaus-Flügel in seiner dezenten Art bekannte Kompositionen aus den unterschiedlichen Genres. Auch Hochzeitspaare, die das Haus als Trau-Ambiente schätzen, ließen und lassen sich von den Tönen des Pianisten ihren wichtigsten Tag bereichern.

Wie und wann begann Kurt Führers Liebe zur Musik? Gute Erinnerungen bleiben am ehesten präsent. So sagt der Künstler selbst: „Ein paar Sätze zu meiner Kindheit muss ich vorausschicken. Mein Vater wurde zwei Tage nach meiner Geburt eingezogen. So erging es mir wie vielen Kindern damals. Als mein Vater 1947 aus dem Krieg heimkehrte, war er für mich ein völlig Fremder. Sechs Jahre lang führte meine Mutter allein das Restaurant ,Tante Betty’“.

Der kleine Kurt war sozusagen ein Teil des Gastronomie-Betriebs und allen Gästen als Mutters lernwilliger Helfer bekannt. Als der Vater wieder zur Familie gehörte, hoffte dieser, seinen erlernten Beruf als Bäcker und Konditor im Zusatzunternehmen zu „Tante Betty“ führen zu können. Das ging aber nicht gut. Wenn die Mutter die Restaurant-Türe endlich schließen konnte, musste der Vater bereits die Backstube öffnen – das Familienleben wurde schwierig.

Führers Eltern entschlossen sich, das Restaurant als Hauptunternehmen zu erweitern. „Mein Part dabei war: Berufskellner und Mädchen für alles. Was mir in den Stunden dort aber noch besser gefiel als das leise Klingeln der Gläser, war das Klavierspiel meiner Mutter im Schankraum, und später der weiche Bassbariton meines Vaters“, sagt Führer. Ab dem elften Lebensjahr durfte er beim damaligen Musikdirektor Hermann Assmann richtig Klavierunterricht nehmen. Assmann konzentrierte sich ausschließlich auf klassische Kompositionen. „Dies legte eine gute Grundlage bei mir“, findet Führer. Dessen Hang zu Slow-Fox und Swing fand Lehrer Assmann nicht so gut. Nach dem Tod Assmanns blieb das Klavierspiel lange Zeit nur privates Hobby.

Führers musikalische Begabung führte ihn aber bald zur breitgefächerten Unterhaltungsmusik. Sein beruflicher Weg teilte sich bald in drei verschiedene Richtungen. Als Angestellter gehörte er 26 Jahre zur Firma Illbruck (Schaumstoff-Verarbeiter), in seinem Zweitjob betätigte er sich in verschiedenen Restaurants als Berufskellner und baute – so nebenbei und trotzdem als sein Lieblingsprojekt – seine Karriere als gefragter Veranstaltungspianist bundesweit aus. Zu seinem Repertoire holte er sich zeitweilig auch renommierte Jazz-Sängerinnen und eine Geigen-Virtuosin als ideale Begleitung.

„Musik ist für mich Ausdruck der Seele und Verarbeitung von Erfahrungen.“

Kurt Führer

Inzwischen war Kurt Führer auch mit berühmten Show-Größen bekannt, trat mit ihnen auf und durfte manches Notenmaterial von ihnen verwenden. Unter ihnen waren Heino, Paul Kuhn, Udo Jürgens und andere.

„Musik ist für mich Ausdruck der Seele und Verarbeitung von Erfahrungen in Klängen, die aus dem Inneren auch die Zuhörer angenehm berühren“, sagt Kurt Führer. „Wer sich von mir für eine irgendwie anstehende Feier bestimmte Lieder wünscht, kann aus den etwa 5000 gesammelten Kompositionsunterlagen seine Wahl treffen.“

Obwohl immer noch Robert Schumann und Wolfgang Amadeus Mozart zu seinen Lieblings-Genies gehören, reicht sein Repertoire von Salon-Musik über Musical-Hits und Gospel bis zu Jazz- und Swing-Adaptionen – um nur einiges zu nennen.

Gibt es Geschichten aus seinen jahrzehntelangen Auftritts-Erlebnissen, die er so schnell nicht vergessen wird? Führer muss nicht lange überlegen. „Ich war als Pianist eingeladen, die Trauerfeier für einen tödlich verunglückten Eishockey-Spieler zu umrahmen. Es waren Fans sogar aus den USA anwesend, insgesamt etwa 400 Gäste. Die Feier fand auf der Eisfläche des Eisstadions in Düsseldorf statt. Altar und Flügel standen mitten auf der kalten, glatten Fläche. Der Pfarrer empfand die sehr tiefe Temperatur in dem ungewöhnlichen Trauersaal sicher ebenso intensiv wie ich in meinem Smoking am Klavier.“

Was Kurt Führer von seinen unzähligen Auftritten in Kurorten, bei kulturellen Festspielen, in Hotels, Senioren-Einrichtungen und Touristen-Zentren erzählen kann, ergibt viel Stoff für Kurzgeschichten und längere Berichte, voller Highlights und Überraschungen.

So oft wie möglich begleitet ihn seine Gefährtin Dagmar Erbslöh. Sie steht ihm seit 34 Jahren zur Seite – ebenfalls in mehrfacher sehr wichtiger Position. Als Großnichte des Heimatdichters Hugo Liesendahl hat sie selbst Freude daran, zu Kurt Führers Musik Lyrik und Prosa vorzutragen.

Gibt es für den Flügel-Virtuosen Pläne für die nächste Zukunft? „Für meine Vorträge als Bar-Pianist habe ich eigene Themenreihen entwickelt“, sagt Führer. Unter dem Oberbegriff „For once in my life“, erklingt ein Strauß entsprechender Melodien. Dann gibt es „Swing Classics“. „Musik zum Träumen“ ist leicht zu erkennen. Eine lebhafte Mischung erklingt unter „Handset walking“.

„Außerdem führe ich Gut-Landscheid-Gäste auf Wunsch gerne zu den historischen Punkten der Umgegend, erzähle von der Vergangenheit und Geschichte des Rittersitzes aus dem 12. Jahrhundert“, berichtet der Jubilar. „Übrigens fällt mir – wie man sagt – kein Zacken aus der Krone, wenn ich auch mal ein Tablett abräume.“

Zur Person

Jahrelang ständige Unterhaltungsmusik in Haus Kuckenberg: Zusammen mit Bass-Bariton Alfred Rüßmann gestaltete Führer die „Kölsche Weihnacht“ und nahm regelmäßig an Senioren-Veranstaltungen in Burscheid, Düsseldorf, Leverkusen teil. Auch im Altenberger Dom und im Küchenhof kennt man Führers einfühlsames Pianospiel. Mehrfach nahm er an Festen in der Lambertsmühle und Kulturscheune teil. Im vollen Terminkalender war auch sein Beitrag zu den Festspielen Bad Hersfeld zu finden. Ein Engagement in St. Petersburg war sein weitester Auftritt. Dazu wurde er von Stammgästen des „Gut Landscheid“ eingeladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Schokolade und Gesang gehen hier Hand in Hand
Schokolade und Gesang gehen hier Hand in Hand
Schokolade und Gesang gehen hier Hand in Hand

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare