Kommunalwahl

„Man muss vielseitig und breit aufgestellt sein“

Geht gern in die Tiefe und nimmt abends oft Akten mit nach Hause: Bürgermeister Stefan Caplan. Foto: Nadja Lehmann
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Geht gern in die Tiefe und nimmt abends oft Akten mit nach Hause: Bürgermeister Stefan Caplan.

Seit 2009 ist Stefan Caplan (CDU) Bürgermeister in Burscheid – am 13. September möchte er wiedergewählt werden.

Von Nadja Lehmann 

Sie haben kürzlich gesagt, dass Sie eine gewisse Grundaufgeregtheit verspüren, den Wahlkampf ernst nehmen. Sie sind also noch immer hungrig aufs Amt?

Stefan Caplan: Als die CDU mich als Kandidaten nominiert hat, habe ich gesagt, dass das Feuer noch brennt wie am ersten Tag. Und das ist so. Man fragt sich ja immer wieder mal, ob man sich morgens freut, an den Arbeitsplatz zu gehen. Und das tue ich. Natürlich hilft es auch, wenn man erfolgreich ist, wenn man etwas umsetzen kann. Die Motivation ist dann eine andere. Es läuft aber auch sehr gut gemeinsam mit der CDU. Wenn diese Basis nicht stimmen würde, würde ich es nicht machen. Das gilt aber auch für die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Die Stimmung unter den Parteien ist gut, das unterscheidet Burscheid von vielen anderen Kommunen. Ich rede mit allen Fraktionen zeitgleich, gebe Informationen weiter, erkläre Details. Ich bemühe mich, alle einzubinden. Deswegen haben wir auch so viel umsetzen können.

Seit wann gibt es dieses gute Miteinander?

Caplan: Die hohe Verschuldung von Burscheid war eine Zäsur. Die Finanzsituation war so schlecht, dass wir wussten, dass wir es nur gemeinsam schaffen. Davor war das wohl auch schon mal anders.

Bürgermeister zu sein – war das Ihr Ziel, Ihr Wunsch?

Caplan: Ich wollte nie Bürgermeister werden. Ich habe Verwaltungswissenschaft studiert und dann berufsbegleitend BWL in Köln. Ich dachte damals, dass es für mich in diese Richtung geht. Sowas kann und sollte man nicht planen.

Was muss ein Bürgermeister mitbringen?

Caplan: Es bringt wenig, wenn man aus einer Profession kommt. Dafür ist das Geschäft zu heterogen. Erfolg bringt die Breite. Heißt: Man muss vielseitig und breit aufgestellt sein. Ich beschäftige mich in einem Moment mit Schule, im nächsten mit Städtebauförderung und anschließend mit Sport – und vielem mehr.

Was zum Beispiel?

Caplan: Ein Schwerpunkt ist sicherlich das Thema Finanzen. Das ist das Feld, mit dem ich mich stark beschäftige. Dann folgt die Stadtentwicklung und -planung. Da habe ich mir viel angeeignet und viel Zeit investiert. Diese beiden Dinge, Finanzen und Stadtentwicklung, das sind die langen Linien. Und für die langen Linien muss man bereit sein, sich einzuarbeiten und immer weiter zu lernen. Die Welt dreht sich weiter, alles verändert sich. Wissen, das vor fünf Jahren aktuell war, ist heute veraltet. Ich nehme oft abends einen Aktenstapel mit nach Hause. Ich lese viel, will mir den Hintergrund aneignen. Ohne Hintergründe zu kennen, kann man nicht entscheiden. Ein wichtiger Partner, was Informationen angeht, ist zum Beispiel der Städte- und Gemeindebund.

In welchen Bereichen haben Sie gute Arbeit geleistet?

Caplan: Wir kriegen viel Lob für unser derzeitiges und das vergangene Krisenmanagement. Und das stärkt uns auch, weil die Bürger genau registrieren, wer mit Krisen umgehen kann und wer das schon bewiesen hat. Gute Arbeit haben wir bei den Finanzen geleistet. Wir werden den Stärkungspakt verlassen. Wir haben die letzten drei Jahre mit erheblichen Überschüssen abgeschlossen. Wir haben die Schulden halbiert, wobei es keine „schlimmen“ Schulden sind, sondern Investitionsschulden. Wir nehmen schon länger keine neuen Schulden auf, sondern tilgen permanent. Wir haben Gestaltungsspielraum gewonnen, nur so konnten wir uns das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept leisten. Wir haben dabei das Testat für alles Geplante bekommen. Das Haus der Kunst und sein Umbau ist darin der größte Brocken. Wobei der Brocken eigentlich gar nicht mehr so groß ist, da wir eine 100-prozentige Förderung erhalten. Geplant hatten wir mit 70 Prozent.

Die Innenstadt wird noch bis 2025/2026 umgestaltet. Die Montanusstraße wird kommen. Wir haben bisher erst ca. ein Viertel des Geldes verbaut. Wir folgen dabei einer Strategie: die Innenstadt zu stärken. Ob eine Stadt lebt, hängt davon ab, wie ihre Mitte, wie ihr Herz aussieht. Das gilt auch für Hilgen, das mit dem privaten Projekt Auftrieb bekommt. In der Oberen Hauptstraße sieht man, welche Wirkung die Umgestaltung des öffentlichen Raums entfalten kann. Wir können nicht ändern, dass der Onlinehandel stärker wird; wir können keine Geschäfte ansiedeln. Und wir können auch keinen Wettbewerb ausschließen, das entscheidet der Markt. Wir können aber dafür sorgen, dass das Umfeld stimmt und Menschen zueinanderbringen. Früher hatten wir keine rechtlichen Mittel in der Hand, um den Einzelhandel auf der grünen Wiese auszuschließen. Lidl in Massiefen ist so ein Beispiel. Inzwischen haben wir die Weichen so gestellt, dass über die Bebauungspläne zentrenschädlicher Einzelhandel dort ausgeschlossen wurde. Das wird langfristig auch as Zentrum stärken. Und auch die Kirchenkurve wird sich wieder beleben: Die Geschäfte sehen noch leer aus, aber es tut sich etwas.

Liegt in solchen Schulterschlüssen wie jetzt mit Wermelskirchen beim Kulturmanagement die Zukunft?

Caplan: Nicht generell, aber gerade die Kultur bietet sich hier an, weil das Profil und das Gebäudeportfolio beider Städte sehr unterschiedlich ist. Deswegen nehmen wir uns gegenseitig nichts weg, sondern schaffen im Gegenteil einen Kulturraum für ungefähr 60 000 Bewohner. Genau deshalb hilft uns da auch das Land.

Welche Beziehung haben Sie zu Burscheid?

Caplan: Ich komme ja gebürtig aus Wermelskirchen. Mein Leben findet komplett hier in Burscheid statt, außer in den sechs Stunden, wenn ich schlafe. Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Burscheider fühlen sich rheinisch, sind sehr hilfsbereit, setzen sich für andere ein. Das mag ich sehr.

Was machen Sie am Morgen des 14. bzw. 28. September?

Caplan: Ich sitze hier und arbeite. Definitiv.

Zur Person

Stefan Caplan, Jahrgang 1964, war nach Abitur, der Ausbildung beim Rheininsch-Bergischen Kreis und dem Studium der Verwaltungswissenschaften und BWL, bis 2001 bei der Stadt Leverkusen beschäftigt. 2001 wurde er Beigeordneter der Stadt Burscheid und allgemeiner Vertreter des damaligen Bürgermeisters Kahrl. Seit 2009 ist Caplan hauptamtlicher Bürgermeister in Burscheid.

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