Pandemie

Luke nimmt das Coronavirus sehr ernst

Eingespieltes Team: Angelika Latzel-Jörgens mit ihrem Sohn Luke. Foto: Nadja Lehmann
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Eingespieltes Team: Angelika Latzel-Jörgens mit ihrem Sohn Luke.
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Bald 23-Jähriger hat das Down-Syndrom – Und steht mitten im Leben.

Burscheid. Wenn diese Woche sich ihrem Ende entgegen neigt, dann wird auch Luke zu denjenigen gehören, die geimpft sind. Denn am vergangenen Montag ist die Impfaktion in der Lebenshilfe Bergisches Land angelaufen – nachdem zuvor die kurzfristige Absage für so viel Aufregung gesorgt hatte. Aber nicht bei Luke, wie seine Mutter Angelika Latzel-Jörgens verrät. „Er hat es ganz gut aufgenommen. Aber es hat auch viele gegeben, die sich vor der Impfung gefürchtet und dafür ihren Mut zusammengenommen haben. Da ist es schwer, zu erklären, warum es dann plötzlich ausfällt.“

Luke hat das Down-Syndrom – steht damit aber mitten im Leben. In seinem Leben. Von diesem hat er genaue Vorstellungen und auch eine klare Meinung zu Sars-CoV-2: „Corona muss weg“, sagt er. Denn das Virus nimmt er sehr ernst und demonstriert auch gleich, dass er sogar in seinem Elternhaus die Klinke zum Wintergarten nicht mit der Hand, sondern mit dem Ellenbogen herunterdrückt. „So mache ich das.“ Seine Mutter muss ein bisschen lächeln. „Also, ich glaube, hier bei uns musst du nicht so vorsichtig sein.“

Aber so ist er nun einmal, ihr Sohn, das weiß Angelika Latzel-Jörgens. Mit Charme und Zugewandtheit ausgestattet – und mit einem eigenen Kopf. Das Händewaschen ist auch so eine Sache. Das nimmt er ebenfalls sehr ernst. Keine halben Sachen. „Ich muss ihn eher bremsen, dass er nicht zu viel wäscht“, sagt Angelika Latzel-Jörgens.

In der blauen Corona-Dose ist alles Wichtige drin

Lukes ganz persönliches kleines Statement gegen die Pandemie ist seine blaue Corona-Dose, die er rasch aus seinem Zimmer holt. „Hier“, sagt er und klappt sie auf. Innen drin, ganz akkurat und ordentlich: Desinfektionsspray und Masken.

Eigentlich würde er ja viel lieber ganz andere Dinge bedenken und planen. Seinen 23. Geburtstag im April etwa. „Ich gehe gern feiern“, sagt er und strahlt übers ganze Gesicht. „Das holen wir nach“, sagt seine Mutter, worauf Luke noch eins draufsetzt: „Auch in Paffenlöh!“ Denn die Kult-Disco „Paffenlöher Steffi“ liebt der bald 23-Jährige sehr – und dort bevorzugt Partys mit den Bergischen Panthern. Den Handball kennt er von klein auf: Mit seinem Zwillingsbruder und vier weiteren Geschwistern ist er in eine handballbegeisterte Familie hineingeboren worden. Und er ist stolzer Onkel von Charlotte (1).

Sie gehört zu den Menschen, die er vermisst, die er in den Arm nehmen möchte. Ebenso wie seinen besten Freund Ben und Svenja, seine Freundin. „Küssen geht nicht“, sagt er ein wenig traurig. Beide kennt er seit seiner Schulzeit in der Martin-Buber-Schule in Witzhelden, eine Förderschule für geistig Behinderte. „Luke hat lange die Regelschule besucht“, erzählt Angelika Latzel-Jörgens. Bis sie irgendwann das Gefühl hatte, dass die Integration an ihre Grenzen stieß. Eine Entscheidung, die zunächst bei Freunden und Bekannten auf Irritation stieß – und auch bei Luke selbst. Doch sie erwies sich als richtig: „In der Hauptschule war Luke das schwächste Glied in der Kette. In Witzhelden das Stärkste.“

Plötzlich war es, der helfen konnte. So wie jetzt, wenn er eine Arbeitskollegin, die im Rollstuhl sitzt, aus der Werkstatt der Lebenshilfe hinein und heraus bringt. Er zeigt Fotos von seiner Arbeit, bei der er geschickt montiert und zusammenstellt: Unter anderem baut seine Gruppe Infusionsständer zusammen. Ordnungsliebend und genau ist Luke auch da: „Seine Geschwister buchen ihn schon“, sagt seine Mutter lachend. Denn keiner bringt so verlässlich die Schmutzwäsche in den Keller wie er; keiner packt den Koffer so ordentlich.

Vieles vermisst er derzeit, so wie es vielen Menschen geht: das Tanzen („Cha-Cha-Cha“, sagt er wehmütig), das wöchentliche Schwimmen im Wermelskirchener Quellenbad, die Theatergruppe, die Reisen mit der Familie ins niederländische Rennesse. Die regelmäßigen Besuche bei seiner Oma, bei der es Schinken-Käse-Toast gibt – schon seit der Schulzeit immer montags. Karneval. Ist er doch ein großer Fan der Höhner. „Und vom 1. FC Köln.“ Überhaupt das Miteinander, in dem er so aufblüht. „Ich bin eine Partymaus“, sagt er spitzbübisch. „Und ich mag auch schöne Frauen.“

Freundin Svenja muss sich aber keine Sorgen machen. Denn von seiner Hochzeit spricht Luke jetzt schon. Vorher aber weiß der 22-Jährige, was zu geschehen hat: „Corona muss zum Mond!“

Lebenshilfe

1964 trafen sich 30 Gründungsmitglieder, und die „Lebenshilfe – Verein für lebenspraktisch bildbare Menschen, Wermelskirchen“ wurde aus der Taufe gehoben. Zunächst wurde der Schwerpunkt in der schulischen Betreuung gesehen, später vor allem in der Einrichtung eines „Sonderkindergartens“. Danach wurden Angebote der Frühförderung und verschiedene Wohnangebote entwickelt. Seit 40 Jahren gibt es eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, die ihren Stammsitz in Wermelskirchen hat. Mittlerweile ist die Lebenshilfe Bergisches Land e. V. (wie der Verein heute heißt) mit ihren Diensten und Einrichtungen in sieben Städten und Gemeinden des Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreises präsent.

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