Kein Erfolg bei Fördermittel-Antrag

Luchtenberg-Villa wird nicht saniert

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Die einstige Luchtenberg-Villa
  • VonNadja Lehmann
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Stadt hatte keinen Erfolg beim Förderprogramm „Heimat-Zeugnis“, will aber am Ball bleiben

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Bereits im Hauptausschuss Anfang September war die Rede davon gewesen, allerdings lediglich in einem Nebensatz auf Nachfrage – was damals den Fraktionsvorsitzenden des Bündnis für Burscheid (BfB), Michael Baggeler, mindestens irritiert hatte –, nun wurde es im Kulturausschuss in einer Mitteilung von Kulturamtsleiterin Renate Bergfelder-Weiss doch richtig offiziell: Das Haus der Begegnung wird nicht saniert – jedenfalls vorerst nicht.

„Wir haben keinen schriftlichen Bescheid, aber einem Gespräch haben wir entnommen, dass wir mit unserem Konzept keinen Erfolg haben werden“, bedauerte Bergfelder-Weiss. Damit sei klar: Eine Förderung ist nicht in Sicht. „Wir bleiben aber weiter am Ball und werden uns das Konzept nochmals genau ansehen“, versprach Bergfelder-Weiss.

Durchs Grün des Luchtenberg-Richartz-Parks geht es hinab zu einem Schmuckstück, dessen Glanz ein wenig verblasst ist: die einstige Luchtenberg-Villa.

Vor ziemlich exakt einem Jahr hatte der Kulturausschuss diesem Projekt grünes Licht gegeben. Denn so hübsch die einstige Luchtenberg-Villa aus der Ferne auch immer noch wirken mag – mit vorspringendem Erker und über den Fenstern befindlicher Schmuckornamentik – sieht doch derjenige, der näher herantritt, die Zeichen des Verfalls: Da blättert Farbe ab, ist das Weiß an vielen Stellen einem stumpfen Ocker gewichen, bröckelt der Putz. Das wollte die Stadt ändern und wusste sich dabei von der Kommunalpolitik unterstützt: Die geschichtsträchtige Villa Luchtenberg sollte den ihr gebührenden Platz im Burscheider Stadtbild einnehmen. Die weiße Villa ist eng mit den Familien Richartz-Bertrams und Luchtenberg verbunden. In ihr wohnte Paul Luchtenberg, FDP-Politiker und von 1956 bis 1958 NRW-Kultusminister, mit seiner Familie. Luchtenberg, dieser kurze Einschub sei gestattet, wird übrigens derzeit mit einer Ausstellung im Düsseldorfer Landtagsgebäude geehrt: Diese nennt sich „Säulen der Demokratie“ und arbeitet mit dem Projekt „Verfolgungsbiografien“ die Geschichte von Abgeordneten auf, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden – wie Luchtenberg.

Zurück zur Villa: Luchtenbergs Schwager, Erich Richartz-Bertrams, wohnte mit den Seinen im stattlichen Bürgerhaus auf der gegenüberliegenden Seite, Höhestraße 3. Verbindendes Element war die Grünanlage, die sich die Familien teilten: der heutige Luchtenberg-Richartz-Park. Erich Richartz und das Ehepaar Luchtenberg vermachten ihre Häuser testamentarisch der Stadt.

Geplant war eine äußerliche Frischzellenkur

Der Luchtenbergschen Villa wieder zu mehr Glanz verhelfen, sollte nun eine zunächst dem Äußeren vorbehaltene Frischzellenkur. Hinter den Kulissen hatte sich die Verwaltung dazu an die Arbeit gemacht und nach einem passenden Förderprogramm Ausschau gehalten. Im Förderprogramm „Heimat-Zeugnis“ des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung hatte man geglaubt, das Richtige gefunden zu haben. Die im städtischen Eigentum befindliche Luchtenberg-Villa erfüllt „wahrscheinlich“ die Voraussetzungen, hieß es vor einem Jahr in der Beschlussvorlage. Zum Hintergrund: Das Heimat-Zeugnis stellt die Bewahrung von „in herausragender Weise die lokale und regionale Geschichte prägenden Bauwerken, Gebäuden oder entsprechenden Orten in der freien Natur“ in den Mittelpunkt – und fördert dies bei Projekten von mindestens 100 000 Euro mit 80 Prozent. Für Kommunen, die sich in der Haushaltssicherung befinden, sind es sogar 90 Prozent.

Doch bereits vor einem Jahr hatte es kritische Nachfragen gegeben. So hatte Barbara Sarx-Jautelaut (UWG) nachgefragt, ob denn nicht das städtische Archiv dort eine Heimat finden könne – und wer überhaupt die künftige inhaltliche Ausrichtung des Hauses begleiten werde. Wie es scheint, liegt in der inhaltlichen Konzeption wohl auch der Grund für das vorläufige „Nein“ aus Düsseldorf: Denn Bürgermeister Stefan Caplan hatte die hochfliegenden Erwartungen auf der Ausschusssitzung im Oktober 2020 gedämpft: Zwar könnte dort ein Raum für berühmte Burscheider eingerichtet werden, auch Vorträge des Bergischen Geschichtsvereins, Abende in bergischer Mundart sowie Gesprächsrunden mit Zeitzeugen seien denkbar, auch ein Domizil fürs Archiv, aber: „Wir möchten diese Förderung bekommen, den Aufwand aber in Grenzen halten. Die Inhalte kommen in einem nächsten Schritt“: So hatte es Caplan damals betont.

Aus der Luchtenberg-Villa wurde das „Haus der Begegnung. An der Montanusstraße ist inzwischen der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zuhause. Und das soll, das hatte Caplan von Anfang an klargestellt, auch so bleiben. Nun bleibt es ohnehin ruhig um die schöne Villa. Vorerst.

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