Ausschuss

Luchtenberg-Villa soll Schmuckstück werden

Der Zahn der Zeit nagt an der Luchtenberg-Villa an der Montanusstraße. Ein Förderprogramm könnte Abhilfe schaffen. Foto: Nadja Lehmann
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Kulturausschuss befürwortet Antragstellung auf Förderung im Programm „Heimat-Zeugnis“ – endgültige Entscheidung durch den Rat.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Weiß verputzt, mit fast romantisch ins Grüne vorspringendem Erker, mit über den Fenstern befindlicher Schmuckornamentik, macht die im Richartz-Luchtenberg-Park gelegene Villa bei flüchtigem Blick einen guten Eindruck. Wer näher herantritt, sieht die Zeichen des Verfalls: Da blättert Farbe ab, ist das Weiß an vielen Stellen einem stumpfen Ocker gewichen, bröckelt der Putz. Geht es nach Stadt und Politik, soll sich das ändern – soll die geschichtsträchtige Villa Luchtenberg den ihr gebührenden Platz im Burscheider Stadtbild einnehmen.

Helfen soll dabei eine zunächst dem Äußeren vorbehaltenen Frischzellenkur. Diese soll das Förderprogramm „Heimat-Zeugnis“ des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung möglich machen. Dem entsprechenden Antrag gaben die Mitglieder des Kulturausschusses am Dienstagabend nun einstimmig grünes Licht.

„Wer begleitet das, wer baut es auf?“
Barbara Sarx-Jautelat (UWG)

Mit Förderanträgen hat Burscheid seit geraumer Weile ein glückliches Händchen. Daran mochte sich im Ausschuss auch Bürgermeister Stefan Caplan erinnern, der zunächst Skepsis nicht verhehlte und auf den Aufwand verwiesen hatte: „Die Anforderungen für einen solchen Antrag sind hoch. Da arbeiten wir im Rathaus abteilungsübergreifend dran. Aber vielleicht haben wir ja wieder Glück.“

Hinter den Kulissen hatte sich die Verwaltung bereits an die Arbeit gemacht und geprüft, mit welchem Projekt die Stadt beim „Heimat-Zeugnis“ reüssieren könnte. Die im städtischen Eigentum befindliche Luchtenberg-Villa erfüllt „wahrscheinlich“ die Voraussetzungen, heißt es in der Beschlussvorlage. Das Heimat-Zeugnis stellt die Bewahrung von „in herausragender Weise die lokale und regionale Geschichte prägenden Bauwerken, Gebäuden oder entsprechenden Orten in der freien Natur“ in den Mittelpunkt – und fördert dies bei Projekten von mindestens 100 000 Euro mit 80 Prozent. Für Kommunen, die sich in der Haushaltssicherung befinden, sind es sogar 90 Prozent.

Die weiße Villa ist eng mit den Familien Richartz-Bertrams und Luchtenberg verbunden. In ihr wohnte Paul Luchtenberg, FDP-Politiker und von 1956 bis 1958 NRW-Kultusminister, mit seiner Familie. Sein Schwager, Erich Richartz-Bertrams, wohnte mit den Seinen im stattlichen Bürgerhaus auf der gegenüberliegenden Seite, Höhestraße 3. Verbindendes Element war die Grünanlage, die sich die Familien teilten. Erich Richartz und das Ehepaar Luchtenberg vermachten ihre Häuser testamentarisch der Stadt. Heute residiert in der Villa an der Montanusstraße – nun das „Haus der Begegnung“ – der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Und dieser soll auch bleiben, das machte der Bürgermeister deutlich. Denn Barbara Sarx-Jautelaut (UWG) hatte nachgefragt, ob denn nicht das städtische Archiv dort eine Heimat finden könne – und wer überhaupt die künftige inhaltliche Ausrichtung des Hauses begleite: „Wir sehen doch, wie schwierig es in der Lambertsmühle ist.“

Doch Caplan dämpfte allzu hohe Erwartungen. Zwar soll die Luchtenberg-Villa möglicherweise Ausgangspunkt von stadtgeschichtlichen Führungen werden; es könnte dort ein Raum für berühmte Burscheider eingerichtet werden, auch Vorträge des Bergischen Geschichtsvereins, Abende in bergischer Mundart sowie Gesprächsrunden mit Zeitzeugen seien denkbar, aber: „Wir möchten diese Förderung bekommen, den Aufwand aber in Grenzen halten. Die Inhalte kommen in einem nächsten Schritt“, so Stefan Caplan zum Prozedere.

Hintergrund

Das Gebäudemanagement der Stadt schätzt die Kosten für eine Sanierung der Fassade auf rund 850 000 Euro. Die beantragte Zuwendung beläuft sich für 2021 und 2022 auf rund 765 000 Euro. In den Vorjahren hatte die Stadt bereits Geld für eine Dachsanierung der Villa zurückgelegt. Diese Rückstellung kann nun aufgelöst werden.

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