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Lidl baut an Hilgens markanter Kreuzung

So sieht es derzeit am Hotel Heyder aus. Im Vordergrund ist der nach historischem Vorbild wiederaufgebaute Brunnen zu sehen. Er wird in die neuen Pläne integriert. Foto: Nadja Lehmann
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So sieht es derzeit am Hotel Heyder aus. Im Vordergrund ist der nach historischem Vorbild wiederaufgebaute Brunnen zu sehen. Er wird in die neuen Pläne integriert.

Hotel Heyder wird abgerissen: Neues Gebäude soll Discounter, Café und ambulante betreute Wohngruppe kombinieren.

Von Nadja Lehmann

Es ist ein Haus mit Tradition: Das Hotel Heyder, 1838 gegründet und seitdem im Familienbesitz.

Gut erkennbar ist der abgetreppte Bereich der beiden oberen Etagen.

Im Saal spielte die Theatervereinigung Dünweg, und auch die Turngemeinde Hilgen 04 scheute den Weg auf die Bühnenbretter nicht und gab die Operette „Im Weißen Rössl“ zum Besten. „Jahrzehntelang feierten die Hilgener hier ihre Feste“, schreibt Marie-Luise Mettlach in ihrem Buch über die Burscheider Gastwirtschaften. Und prominenter könnte der Standort kaum sein: im Herzen von Hilgen, an der Kreuzung Kölner und Witzheldener Straße, mit dem historischen Brunnen vor der Haustür.

Doch die Türen des Hotel Heyder sind längst geschlossen. Kein Hotelgast übernachtet mehr dort, niemand kommt zum Essen: Das Gebäude, das sichtlich in die Jahre gekommen ist, steht leer. Seit Donnerstagabend steht fest:

Hell und transparent soll das Erdgeschoss sein.

Das Hotel wird abgerissen. Dort wird Discountunternehmen Lidl bauen: Die Pläne stellte am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss Jörg Beensen, Leiter Immobilien Lidl West in Leverkusen, vor. Auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück soll ein mehrgeschossiges Gebäude entstehen, das drei Nutzungen kombiniert. Im Untergeschoss zieht Lidl ein. Unter Einbeziehung eines neu gestalteten Vorplatzes – mitsamt Brunnen – wird ein Café seine Zelte aufschlagen und auch Außengastronomie anbieten. Betreiber wird aller Voraussicht nach ein den Hilgenern guter Bekannter sein: Richard Kretzer mit seiner Bäckerei. Beensen: „Wir möchten ihn gern einbinden.“

„Wir Hilgener sind die Berliner Burscheids: immer offen für Neues.“
Horst Buttkus (CDU)

Dem Erdgeschoss sitzen zwei weitere Etagen auf: Dort wird eine ambulant betreute Wohngruppe mit 24 Plätzen einziehen. „Die Gebäudehöhe beträgt derzeit 13 Meter“, sagte Beensen. Man wolle aber noch etwas abspecken, um mit den Nachbarhäusern auf eine einheitliche Firsthöhe von etwa elf Metern zu kommen. Geplant ist auch ein Parkplatz mit 120 Stellplätzen. Das hat Veränderungen für die markante Kreuzung zur Folge: An dieser Stelle wird ein Kreisverkehr entstehen. „Wenn die Baugenehmigung da ist, können wir schnell beginnen“, sagte Jörg Beensen, der die Bauzeit auf 15 Monate beziffert.

Die Fassade soll in helle und dunkle Elemente gegliedert werden

Noch ist nicht jedes Detail geklärt, die Tendenz aber klar: „Wir möchten im Erdgeschoss eine maximale Transparenz erreichen“, erklärte Jörg Beensen. Hell und luftig soll es innen wie außen sein. Die darüberliegenden Wohneinheiten werden abgetreppt und gestaffelt, um die Fassade aufzulockern. Diese werde in helle und dunkle Elemente gegliedert, mit Anklängen an den bergischen Schiefer, so Beensen.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Lidl will die Dachterrasse begrünen, es gibt Photovoltaik. „Wir produzieren viel Kälte, dabei entsteht Wärme, die wir zu 100 Prozent nutzen“, erklärte Beensen. Eine Heizung wird es deshalb nicht geben, stattdessen ein durchgängig gleiches Raumklima.

Die Mehrfachnutzung ihrer Immobilien ist für Lidl mittlerweile vertrautes Terrain. Jörg Beensen zeigte Beispiele aus Stuttgart und Hamburg, in denen sich der Discounter die Gebäude mit Eigentumswohnungen und Kita teilt. „Flächen sind knapp und kostbar“, betonte Beensen. In Hilgen wird mit der ambulant betreuten Wohngruppe eine Lücke gefüllt, auf die im vergangenen Jahr der Pflegebericht des Kreises hingewiesen und der Hilgen als Standort derartiger WGs, der stationären Dauerpflege und der Tagespflegeplätze vorgeschlagen hatte.

„Es ist klar, dass Veränderungen nicht einfach sind“, wandte sich Burscheids Bürgermeister Stefan Caplan (CDU) an die Kommunalpolitiker und an die Hilgener Besucher, die am Donnerstag extra in den Stadtentwicklungsausschuss gekommen waren. Er betonte, dass es sich um einen ersten Entwurf handele: „Ihr redet mit“, ermutigte er die Politiker.

Die Hilgener Besucher indes reagierten cool: „Nehmen wir doch das Neue an“, fand eine ältere Hilgenerin. Unterstützung signalisierte auch der Ausschussvorsitzende (und Hilgener) Horst Buttkus: „Wir Hilgener sind die Berliner Burscheids – immer offen für Neues.“ Das letzte Wort hatten dann aber die Hilgener Besucher beim Hinausgehen, während sich das Gremium in die nicht-öffentliche Sitzung zurückzog: „Wir bauen dann schon mal.“

Hintergrund

Lidl: Das Unternehmen lege Wert auf Regionalität und wolle Burscheider einbinden, sagte Immobilienleiter Jörg Beensen. Deshalb soll ins Gebäude die Bäckerei Kretzer einziehen und die ambulant betreute Wohngruppe mit 24 Plätzen von einem Burscheider Anbieter betrieben werden. „Wir führen Gespräche“, sagte Beensen. Auch zwei Burscheider Investoren sind in das Projekt eingebunden, das ein privates ist, wie Bürgermeister Caplan betonte: „Die Stadt hat lediglich ein bisschen geholfen.“ Kosten entstehen für die Stadt deshalb nur als Eigenanteil beim neuen Kreisverkehr.

Fassade: Ob man nicht Teile der alten Heyder-Fassade integrieren könne, fragte Hilgener Rolf Brombach. Jörg Beensen versprach, das zu prüfen.

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