Kirchenkurve

Leerstand: Programm soll ausgeweitet werden

Zu Beginn konzentrierte sich die Förderung auf die Kirchenkurve. Das könnte sich nun ändern.
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Zu Beginn konzentrierte sich die Förderung auf die Kirchenkurve. Das könnte sich nun ändern.
  • VonNadja Lehmann
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Durch günstige Konditionen können Mieter den Sprung in Selbstständigkeit wagen.

Burscheid. Es ist eine 1A-Lage: Mitten im Herzen der Stadt, zentral an der Einkaufsmeile Hauptstraße gelegen. Um so mehr fallen die Leerstände ins Auge. In der Parfümerie Becker sind die Lichter ebenso ausgegangen wie bei Optik-Schmuck-Uhren Breidbach, wo Inhaberin Anke Breidbach im Frühjahr die Türen endgültig schloss, um in den Ruhestand zu gehen. Nachfolger oder Nachfolgerin hatte sie nach eigener Aussage nicht gefunden.

„Die Stadt Burscheid ist in Kontakt mit den Eigentümern der beiden Ladenlokale“, bestätigt Stadtsprecherin Ann-Kathrin Gusowski auf Anfrage des Bergischen Volksboten. Da es sich aber um privat vermietete Gewerbeeinheiten handele, könne die Stadt keine weiteren Auskünfte geben.

Anders sieht es dagegen im Bereich der Kirchenkurve aus. Dort bringt sich die Stadt aktiv ein und versucht, Leerständen die Stirn zu bieten. Zu verdanken ist das einem Förderprogramm, das die Stadt bereits im vergangenen Jahr an Land zog. Der Name: „Sofortprogramm Innenstadt“.

„Das Förderprogramm existiert noch und wurde auch genutzt“, sagt Ann-Kathrin Gusowski. Seine Aufgabe umreißt sie so: „Durch das Förderprogramm sollen Innenstädte als multifunktionale Orte für Handel, Dienstleistungen, Wohnen und Freizeit gestärkt werden.“

Nun könnte das Programm sogar ausgeweitet werden und mehr als die Kirchenkurve umfassen, anders als zu Beginn. „Zum Zeitpunkt der Anmeldung musste das Leerstandsgebiet konkret umrissen werden“, erklärt Gusowski. Die Stadt meldete also konkret Bedarf für vier Ladenlokale im Bereich der Kirchenkurve an, und diese wurden ins Förderprogramm aufgenommen.

Zwei wurden noch im vergangenen Jahr über den normalen Markt vermietet, eines über das Förderprogramm. „Da der Fördertopf nicht ausgeschöpft ist, erfolgt derzeit die Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln zur Ausweitung auf weitere Ladenlokale“, sagt Ann-Kathrin Gusowski. Eine abschließende Zustimmung stehe aktuell jedoch noch aus.

Um das Förderprogramm ist es in der Zwischenzeit ruhig geworden. „Es gibt aktuell keine Interessenten“, sagt die Sprecherin der Stadtverwaltung. Sobald allerdings die Zustimmung für eine Ausweitung vorläge, sollen Gespräche mit Eigentümern geführt werden, so Gusowski weiter. „Zur Nutzung des Förderprogramms müssen diese bereit sein, auf einen Teil der Miete zu verzichten.“

Was beinhaltet das Förderprogramm genau? Die Stadt fungiert dabei wie eine Art Mittelsmann und steht dem Eigentümer oder Eigentümerin eines Ladenlokals frühzeitig zur Seite. Dabei muss dieser auf etwas Geld verzichten, nämlich auf einen Anteil von 30 Prozent seiner letzten Netto-Miete. „Förderfähig ist eine Anmietung durch die Stadt in Höhe von 70 Prozent der Altmiete“, sagt Ann-Kathrin Gusowski. Der Verzicht des Eigentümers kommt dem Neumieter und der Stadt zugute: Denn diese kann zu vergünstigten Konditionen weitervermieten. „Bei der Weitervermietung von Ladenlokalen darf die Altmiete um bis zu 80 Prozent reduziert werden“, erklärt Gusowski.

Die Differenz zwischen den Ausgaben der Stadt für die Anmietung und den Einnahmen durch die Weitervermietung wird der Stadt über das Sofortprogramm Innenstadt wiederum zu 90 Prozent vom Land NRW erstattet.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Für den Eigentümer, dessen Immobilie nicht leer steht, für den Mieter, der die Selbstständigkeit zu günstigen Konditionen testen kann, für die Stadt, die Einfluss nehmen kann, wer sich ansiedelt und welcher Mix entsteht. Denn die Inanspruchnahme des Förderprogramms ist von der Art der Nutzung durch den Mieter abhängig: „Das Programm ist als Unterstützung für Start-ups oder Unternehmen mit kreativen Konzepten, die den finanziellen Hintergrund für eine Ladenmiete noch nicht aufbringen können, zu verstehen“, betont Ann-Kathrin Gusowski.

Und natürlich hat die Stadt da durchaus Vorstellungen und Wünsche, was einen gelungenen Mix angeht: „Zur nachhaltigen Belebung der Innenstadt sollen Unternehmen angesiedelt werden, die das bestehende Angebot erweitern sowie das Potenzial besitzen, auch nach den zwei Jahren der Förderung weiter zu bestehen“, sagt Gusowski.

Hintergrund

Das Förderprogramm des Landes ist auf zwei Jahre befristet. Das Ziel ist, dass sich ein Ladenlokal in dieser Zeit dauerhaft am Markt etabliert, und Eigentümer und Mieter sich nach den zwei Jahren zusammensetzen und abstimmen, unter welchen Bedingungen das Mietverhältnis direkt zwischen ihnen fortgesetzt werden kann.

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