Lage bei einfachen Masken hat sich entspannt

Apotheker Thomas Winterfeld steht in der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen. Archivfoto: Doro Siewert
+
Apotheker Thomas Winterfeld steht in der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen. Archivfoto: Doro Siewert

Der Burscheider Apotheker Thomas Winterfeld spricht im Interview über seinen beruflichen Alltag

Das Interview führte Stephan Eppinger

Herr Winterfeld, wie erleben Sie gerade Burscheid und die Region?

Thomas Winterfeld: Man merkt, dass das Bergische Land kein Hotspot in der Corona-Krise ist. Entsprechend sind die Menschen hier ruhig und entspannt. Da herrscht derzeit nicht die ganz große Aufregung.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen als Apotheker?

Winterfeld: Schon vor dem Beginn der Krise gab es bei verschiedenen Medikamenten aus China und Indien Lieferengpässe. Diese Problematik hat sich jetzt in der Krise noch verstärkt. Das geht quer durch das Sortiment einer Apotheke. Ein Beispiel ist Paracetamol-Saft, der komplett ausverkauft war. Deshalb haben wir ihn selbst hergestellt. Solche Lösungen vor Ort zu finden, bestimmt derzeit unseren Alltag und ist auch eine Herausforderung, die mit viel Aufwand einhergeht. Gut ist, dass die Politik das Vorgehen bei Rabattverträgen gelockert hat, so dass wir mehr Alternativen haben und flexibler sind.

Wie sieht es aktuell beim Thema Mundschutzmasken aus? Sie sind jetzt zur Pflicht geworden.

Winterfeld: Auch hier gab es Lieferprobleme und beim akuten Bedarf macht das die Beschaffung deutlich aufwendiger. Wir sind bis zu 100 Kilometer gefahren, um Masken zu besorgen. Aktuell sind beide Arten von Masken bei uns wieder vorrätig: der Mund-Nase-Schutz und die FFP2-Masken. Die Lage hat sich gerade bei den einfachen OP-Masken entspannt.

Wie sieht es bei Desinfektionsmitteln aus?

Winterfeld: Da standen wir vor dem Problem, dass es weder fertige Produkte noch die Rohstoffe für die eigene Herstellung vor Ort gab. Auch hier mussten wir viele Kilometer fahren, um den Rohstoff zu besorgen, und können nun die Mittel selbst herstellen und anbieten.

Wie gehen Ihre Kunden mit der Maskenpflicht um?

Winterfeld: Viele haben schon vor der Einführung der Pflicht ihre Masken getragen – und jetzt tragen die Kunden alle eine Maske. Unseren Mitarbeitern haben wir ebenfalls Masken zur Verfügung gestellt. Sie arbeiten aber hinter Spuckwänden, die wir schon vor gut einem Monat aufgebaut haben. Diese bedeuten zusätzlich noch einen Schutz der Augen. Es ist den Mitarbeitern daher freigestellt, ob sie eine Maske tragen oder nicht. Ohne Maske ist die Kommunikation mit dem Kunden einfacher, da man auch die Mimik einsetzen kann.

Gibt es bei Ihnen auch einen Bringservice?

Winterfeld: Wir haben einen Online-Shop, der aktuell von den Kunden verstärkt für Bestellungen genutzt wird. Die Medikamente bringen wir dann kontaktlos vor die Haustür. Online kann man auch sehen, welche Medikament bei uns vorrätig sind. Bei Risikogruppen gibt es zudem den Service, dass wir das Rezept abholen und das Medikament dann liefern. Neben dem Internet kann man Medikamente und andere Produkte auch telefonisch nach Hause bestellen.

Wie schätzen Sie die Chance auf Impfschutz und Therapiemöglichkeiten ein?

Winterfeld: Bis ein Impfschutz und ein wertiges Medikament gegen das Virus gefunden wird, braucht es seine Zeit. Ich rechne da mit etwa einem Jahr. Allerdings kommen die Erfahrungen, die jetzt in den Krankenhäusern gemacht werden, der Therapie von schwer erkrankten Patienten zugute. Damit kann man schwerere Verläufe verhindern und schwer Erkrankte auch retten. Hier wird es in absehbarer Zeit Fortschritte geben. Das wird sich Stück für Stück entwickeln und verbessern.

Was macht Ihnen aktuell Sorgen und was Hoffnung?

Winterfeld: Sorgen macht mir, dass es noch lange dauern wird, bis wir in unser normales Leben ohne Einschränkungen zurückkehren können. Hoffnung macht mir die Kreativität, wie man in der Gesellschaft in verschiedenen Bereichen Lösungen in der Corona-Krise findet.

Wie gehen Sie privat mit der Bedrohung um?

Winterfeld: Da ich tagtäglich als Apotheker immer wieder gefordert bin, neue Lösungen für Probleme zu finden, und sich immer wieder neue Fragestellungen auftun, bin ich aktuell sehr beschäftigt. Da bleibt nur sehr wenig Zeit für Privates.

Welchen Tipp haben Sie für die Menschen in der Zwangspause durch die Corona-Pandemie?

Winterfeld: Man sollte jetzt die Dinge tun, für die man sonst nie Zeit gehabt hat. Was da wichtig wird, muss jeder selbst für sich entscheiden. Man kann sich fortbilden, eine neue Sprache lernen oder einfach nur mal Haus und Garten aufräumen.

Filtrierende Halbmasken (FFP2 und FFP3): Durch diese Masken wird die Atemluft so weit gefiltert, dass die Viren kaum hindurch kommen. Diese Masken sind in erster Linie Ärzten und Pflegepersonal vorbehalten, da diese durch den direkten Patientenkontakt einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, erklärt die Apothekerkammer Nordrhein.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Jagd wird wieder mehr so wie vor der Pandemie
Jagd wird wieder mehr so wie vor der Pandemie
Jagd wird wieder mehr so wie vor der Pandemie
Einzelhändler genießen Kontakt mit den Kunden
Einzelhändler genießen Kontakt mit den Kunden
Einzelhändler genießen Kontakt mit den Kunden

Kommentare